Voltabox vergrault seine Anleger

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Die Voltabox-Aktie ist tief gefallen. Doch ein Schnäppchen ist der Wert deswegen noch lange nicht. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Mit dem Thema Klimawandel rückt derzeit auch die E-Mobilität ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Davon konnte das ostwestfälische Unternehmen Voltabox zwischenzeitlich profitieren. Doch inzwischen hat sich die Stimmung gegenüber dem Unternehmen nachhaltig eingetrübt.

Unternehmensportrait

Das in Delbrück ansässige Unternehmen wurde 2011 als Geschäftsbereich der Paragon AG gegründet. Die Voltabox AG fungiert als Systemanbieter für Elektromobilität in industriellen Anwendungen und ist in drei Geschäftsbereichen tätig.

  • Voltapower bietet Batteriesysteme für den industriellen Bereich. Verwendet werden diese in Gabelstaplern, Bergbaufahrzeugen, Oberleitungsbussen für den öffentlichen Personennahverkehr und fahrerlosen Transportsystemen. Damit bewegt sich das Unternehmen, eigenen Aussagen zu Folge, in anspruchsvollen und wachstumsträchtigen Marktnischen.
  • Voltaforce hat sich auf das Thema Lithium-Ionen-Batterien für den Massenmarkt spezialisiert. Als interessante Nischen im Massenmarkt werden Starterbatterien für Motorräder und Sportwagen sowie Blockbatterien für Industriemaschinen genannt. In diesem Bereich ersetzen die Voltabox-Batterien herkömmliche Blei-Säure- oder Gelbatterien.
  • Votamotion, konzentriert sich auf die Entwicklung von elektrischen Antriebssystemen. Am firmeneigenen Forschungszentrum in Aachen werden ergänzende Antriebskomponenten, wie beispielsweise die Leistungselektronik, zur vollständigen Elektrifizierung von Hochleistungsfahrzeugen, entwickelt.

„Bilanzpolizei“ entdeckt Fehler

Einen richtigen Dämpfer erhielt das Ansehen aber bereits am 06. Mai 2019: An diesem Tag hat die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) festgestellt, dass der Konzernabschluss zum Abschlussstichtag 31.12.2017 der Voltabox AG, Delbrück, fehlerhaft ist. So wurde bei Voltabox das Konzernergebnis um rund 14 Mio. Euro zu hoch ausgewiesen, weil Fehler bei der Bilanzierung gemacht wurden.

Nachdem der Batteriehersteller sich damit verteidigte, dass die Korrekturen des 2017er-Abschlusses im Geschäftsbericht 2018 bereits umgesetzt und erläutert worden seien, kehrte schnell Ruhe ein und auch die Aktionäre waren beruhigt.

Erst Prognoseanhebung …

Umso mehr, als im Mai dann die Aussichten für das Jahr 2019 angehoben wurden: Wörtlich hieß es: „Voltabox erwartet vor dem Hintergrund der unverändert guten Auftragssituation weiterhin, im laufenden Geschäftsjahr insgesamt stärker als die besetzten Marktsegmente zu wachsen. Neben der Intralogistik werden die Marktsegmente Nutzfahrzeuge und Busse, Elektroautos sowie Pedelecs und E-Bikes wesentliche Wachstumstreiber sein“ – grünes Licht also für alle Bereiche, die sich prächtig entwickeln.

… dann Gewinnwarnung

Nur wenige Monate später kam der überraschende Dämpfer: Die Prognose wurde nachhaltig nach unten geschraubt. Auf Grund einer Verschiebung eines Großauftrags an die amerikanische Tochtergesellschaft Voltabox of Texas, in das Jahr 2020 wird nunmehr im Geschäftsjahr 2019 von einem Konzernumsatz von 70 Mio. Euro bis 80 Mio. Euro ausgegangen. Zuvor wurden 105 Mio. Euro bis 115 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Noch dramatischer ist die Aussicht auf die EBIT-Marge, die sich nun in einer Spanne von -8 bis -9 % befinden soll. Bislang wurde eine positive EBIT-Marge von 8 bis 9% erwartet.

Das Vertrauen der Anleger scheint jedenfalls erst einmal zerstört zu sein. Daher rate ich Ihnen auch, hier von der „Schnäppchenjagd“ – nach dem Motto „schlimmer kann es nicht kommen“ – abzusehen. Denn wie so viele andere schwache Aktien in der Vergangenheit gezeigt haben, kann es auch nach hohen Verluste noch weit abwärts gehen.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.