Von billigem Öl und Verschwörungstheorien

Der deutsche Aktienmarkt musste heute einen Rücksetzer hinnehmen. Nach einem ruhigen Handelsstart verlor der deutsche Leitindex DAX plötzlich 100 Punkte. Das Minus wurde im Tagesverlauf noch größer. Am Ende verlor der DAX 1,7% und sackte auf 9.210 Punkte ab. Erkennbare Gründe gab es für den Kursverlauf nicht.

Aber nicht nur die schwankenden Aktienkurse sorgen für Fragezeichen. Auch die jüngsten Entwicklungen am Rohstoffmarkt lösen Diskussionen und Spekulationen aus.

Der Preissturz beim Öl ist nach wie vor ein großes Thema an den Kapitalmärkten. Aber auch politisch wird dieses Thema mittlerweile heiß diskutiert. Als ich Ihnen in der vergangenen Woche über die Gewinner und Verlierer des niedrigen Ölpreises berichtet habe, habe ich dies in folgendem Absatz bereits angedeutet.

„Da Russland der größte Verlierer ist, hält sich am Markt auch das Gerücht, dass der Ölpreis bewusst nach unten getrieben wurde, um den Druck auf Russland zu erhöhen. Russland soll gezwungen werden, in der Ukraine-Krise eine friedliche Verhandlungslösung anzustreben.“

Nun wittert auch Russlands Präsident Wladimir Putin eine Verschwörung und nebenbei droht auch noch der Streit in der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) zu eskalieren. Lesen Sie jetzt die Hintergründe.

Saudi-Arabien setzt USA unter Druck

Seit Jahrzehnten sind Saudi-Arabien und die USA Verbündete. Doch aktuell setzen die Saudis die US-Amerikaner unter Druck, indem sie den Ölhahn massiv aufdrehen und so für einen Preisverfall gesorgt haben.

Derzeit ist Öl so billig wie seit rund 4 Jahren nicht mehr. Doch was steckt hinter den Aktivitäten der Saudis? Ganz einfach: Sie verteidigen auf diese Weise ihre Marktanteile. Denn die US-Schieferölproduzenten sind bei höheren Ölpreisen eine Bedrohung für Saudi-Arabien.

Daher drücken die Saudis den Ölpreis massiv nach unten, um dadurch Druck auf die US-Schieferölproduzenten, die mit der Fracking-Technologie ihr Öl gewinnen, auszuüben.

Denn die Ölgewinnung mittels Fracking ist nach Aussage des Chefvolkswirtes der Energieagentur IEA unterhalb eines Preises von 80 US-Dollar je Barrel nicht rentabel.

Hintergrund ist, dass die USA derzeit einen regelrechten Schieferölboom erleben. Die Produktion ist in den vergangenen drei Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen. Dieser Boom hat die USA energiepolitisch unabhängiger gemacht und zu einer Reindustrialisierung geführt.

Wladimir Putin wittert „Verschwörung“

Russlands Präsident Wladimir Putin hingegen sieht ganz andere Gründe für den Preissturz beim Öl. Er wittert eine „Verschwörung“ und eine große politische Intrige.

Das sei „eine politische Verschwörung gegen Russland und den Iran“, schimpft der Vorsitzende des Energieausschusses der Druma, Iwan Gratschow, über die aktuelle Ölpreisentwicklung.

Die USA spielen angeblich wieder einmal mit der „Ölwaffe“, um mit einem Preisverfall Russland zu ärgern. In Russland führt der niedrige Ölpreis zu massiven Problemen. Der Verdacht: So soll Russland gezwungen werden, die Krise in der Ukraine friedlich zu lösen. Die Details dazu finden Sie in der „Schlussgong“-Ausgabe vom 7. November.

Fazit: Sie als Aktionär profitieren vom billigen Öl

Sie als Aktionär und/oder Autofahrer zählen zu den Profiteuren des niedrigen Ölpreises.

Wenn Sie Aktien von Unternehmen halten, die vom geringen Ölpreis profitieren (auch darüber habe ich am 7. November ausführlich berichtet), können Sie sich in den nächsten Monaten, wenn die niedrigen Rohstoffkosten in den Quartalsberichten sichtbar werden, nicht nur an der Tankstelle über den niedrigen Ölpreis freuen.

12. November 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rolf Morrien. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt