Von den drei deutschen Automobilbauern macht Volkswagen den besten Eindruck

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Für den deutschen Autohersteller Volkswagen sprechen die Größe, die Fortschritte in der E-Mobilität und die solide Finanzierung. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Die VW-Ergebnisse des 1. Quartals waren von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt. Produktion und automobiler Einzelhandel waren nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Der Umsatz ging zwar nur um 8,3% zurück, der Gewinn brach jedoch um 86,1% ein. Auch das viel beachtete operative Ergebnis vor Sondereffekten lag mit 904 Mio. € gut 81% unter Vorjahresniveau. Der Absatz ging um ein Viertel auf 1,94 Mio. Fahrzeuge zurück.

Der Konzern ist aber nach wie vor solide finanziert. Die Nettoliquidität im Automobil-Bereich schrumpfte zwar seit Jahresbeginn um 3,5 Mrd. €, lag mit 17,8 Mrd. € aber noch auf einem hohen Niveau.  Die allgemeine Konjunkturschwäche, der technologische Umbruch in der Autoindustrie, die verschärften CO2-Vorgaben in der EU, der Dieselskandal und jetzt noch die Corona-Krise sind enorme Herausforderungen.

Elektrooffensive hat bei Volkswagen Priorität

Priorität hat neben der Sicherung der Liquidität die Elektrooffensive, in die der Konzern 33 Mrd. € in den kommenden Jahren investiert. 2023 sollen 1 Mio. und 2025 1,5 Mio. E-Autos produziert werden. Denn nur mit der Elektrifizierung kann VW mit seiner gesamten Fahrzeugflotte die CO2-Grenzwerte einhalten. Hoffnungsträger ist der ID.3, der im Sommer auf den Markt kommen soll.

Aufgrund der vielen Unsicherheiten hat VW auf eine neue konkrete Jahresprognose verzichtet, rechnet aber mit einem positiven operativen Ergebnis vor Sondereffekten. Das ursprüngliche Ziel einer bereinigten operativen Marge von 6,5 bis 7,5% ist jedenfalls in weite Ferne gerückt. Denn im 2.Quartal erwartet der Konzern rote Zahlen.  Dennoch dürfte VW aufgrund seiner Größenvorteile als ein Gewinner aus der Krise hervorgehen.

Unternehmensporträt

Die Volkswagen-Gruppe ist mit einer Produktion von fast 10 Mio. Autos der größte Hersteller Europas. Wichtigster Absatzmarkt ist Deutschland. Zum Konzern gehören die Pkw-Marken Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Seat, Skoda, Porsche und Volkswagen. Zudem bietet der Konzern Finanzdienstleistungen an. Die Sparte Nutzfahrzeuge mit den Marken Scania und MAN wurde unter dem Name Traton an die Börse gebracht.

BMW hatte nur auf den ersten Blick einen guten Jahresstart

Im 1. Quartal stieg der Umsatz um 3,5%, und der Gewinn lag nur knapp unter Vorjahresniveau. Allerdings belasteten im Vorjahr Rückstellungen von 1,4 Mrd. € die Gewinnentwicklung. Gründe für das Umsatzwachstum waren interne Konsolidierungsmaßnahmen und eine starke Finanz-Sparte. In der Auto-Sparte ging der Umsatz um 6,4% auf 18 Mrd. € zurück. Der Absatz schrumpfte um 20,6% auf 477.000 Fahrzeuge. Im 2. Quartal rechnet das Management mit roten Zahlen.

Schon im April brach der Fahrzeugabsatz um 44% ein. Entsprechend wurde auch bei den Jahreszielen zurückgerudert. In der Auto-Sparte wird nur noch eine operative Marge von 0 bis 3% erwartet. Im 1. Quartal waren es 1,3%. Auch Vorsteuerergebnis und Fahrzeugabsatz werden deutlich unter Vorjahresniveau liegen. Der freie Cashflow in der Auto-Sparte werde wegen des geringen operativen Ergebnisses und hoher Lagerbestände negativ sein.

Angesichts der negativen Entwicklung verschärft BMW den Sparkurs

Die Investitionen werden von 5,7 auf unter 4 Mrd. € zurückgefahren, die Entwicklungszeit neuer Modelle soll verkürzt und die Angebotspalette verkleinert werden. Daneben werden Arbeitsplätze abgebaut. Bis 2022 will der Konzern insgesamt 12 Mrd. € einsparen. Es gibt aber auch positive Nachrichten. Die verschärften Abgasgrenzwerte in der EU sind dank neuer E-Modelle erfüllbar, und die Finanzierung des laufenden Geschäfts ist mit liquiden Mitteln von 19 Mrd. € gesichert. Zudem wird seit Anfang März in China wieder produziert.

Unternehmensporträt

Die BMW Group gehört mit ihren Marken BMW, Mini und Rolls Royce zu den weltweit führenden Herstellern von Pkws des gehobenen Preissegments. Motorräder und Finanzdienstleistungen runden die Produktpalette ab. Der Konzern betreibt 28 Produktionsstätten in 13 Ländern sowie ein globales Vertriebsnetzwerk mit Vertretungen in über 150 Ländern.

Die Corona-Pandemie hat Daimler erheblich zugesetzt

Das 1. Quartal hat der Konzern mit einem Umsatzrückgang von 6,2% und unter dem Strich mit einer schwarzen Null abgeschlossen. Das operative Ergebnis brach um 78% auf 617 Mio. € ein. Der Absatz schrumpfte insgesamt um 17% auf 644.300 Fahrzeuge und in der Pkw-Sparte um 15% auf 470.600 Fahrzeuge. Die Aussichten sind düster. Nach 3 Gewinnwarnungen 2019 folgte jetzt die vierte. Anders als ursprünglich geplant werden Umsatz, Absatz und operatives Ergebnis im laufenden Jahr nicht die Vorjahreswerte erreichen.

Auch für 2021 strahlte das Management keinen Optimismus aus

Schon im 2. Quartal werde das ganze Ausmaß der Pandemie sichtbar, auch wenn die Produktion jetzt schrittweise wieder hochgefahren wird. Entsprechend rechnet der Konzern mit tiefroten Zahlen. Daimler steht vor gewaltigen Herausforderungen: Der Konzern muss Milliarden in die E-Mobilität, autonomes Fahren und in die Digitalisierung investieren sowie Altlasten wie den Dieselskandal bewältigen.

Zudem drohen 2021 Bußgelder, weil Daimler die CO2-Vorgaben der EU vermutlich verfehlen wird. Gleichzeitig müssen die Personalkosten bis 2022 um 1,4 Mrd. € gesenkt, die Investitionen in Sachanlagen gekürzt und die Modellpalette ausgedünnt werden. Daneben wird Druck auf die Zulieferer ausgeübt. Hinzu kommt die Sicherung der Liquidität. Der Konzern hat bereits einige Maßnahmen umgesetzt und sieht noch keinen Bedarf an staatlichen Finanzhilfen. Mit insgesamt 68 Mrd. € verfügbarer Finanzmittel ist Daimler solide aufgestellt.

Unternehmensporträt

Daimler ist ein weltweit führender Hersteller von Premium-Personenwagen und bei Nutzfahrzeugen weltweit die Nummer 1. Geschäftsfelder sind Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks, Daimler Financial Services sowie Vans und Busse.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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