Von Ratingen nach China

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Mode ist ein zyklisches Geschäft. Das weiß man auch in Ratingen. Esprit ist längst nicht mehr das, was es war. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Was bedeutet für Sie Esprit? Für mich bedeutet das das gewisse Etwas. Vielleicht eine Mischung aus Stil und Extravaganz? Bevor ich mich an dieser Stelle in Wortklaubereien verliere, komme ich besser auf ein Thema, von dem ich definitiv mehr Ahnung habe: Die Aktie des Bekleidungsproduzenten Esprit. Obwohl Esprit vielen von uns ein Begriff ist und die Marke auch in unseren Einkaufszentren eine Rolle spielt, geht es für die Aktie seit Jahren nur bergab.

Warum und ob das auch so bleibt? Ich erkläre es Ihnen! Doch zunächst zum Unternehmen: Haupt- und Verwaltungssitz des Unternehmens ist Hongkong. Der Sitz der Europazentrale befindet sich in Ratingen, Nordrhein-Westfalen. Von hier aus entwirft Esprit pro Jahr und Sparte 6 Kollektionen. Das Unternehmen ist in 40 Ländern aktiv. Derzeit betreibt Esprit 510 eigene Filialen und 2.797 Shop-in-Stores. Deutschland ist mit einem Umsatzanteil von rund 35% wichtigster Absatzmarkt.

Radikalkur für Esprit

Die 9-Monats-Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres zeigen keine Erholung bei Esprit. Der Umsatz lag mit 9,9 Mrd HK$ 16,5% niedriger. Über Gewinnzahlen dieser Periode schweigt das Unternehmen. Klar ist nur, dass sich der Verlust im 1. Halbjahr mit 1,8 Mrd HK$ fast verdoppelt hat. Esprit schrumpft drastisch. Von dieser Entwicklung sind alle Märkte, Produktkategorien und Vertriebswege betroffen. Der starke Umsatzrückgang ist nicht nur Folge des schlechten Geschäfts, er wird vom Management im Rahmen der Restrukturierung beschleunigt.

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Der neue CEO Anders Kristiansen baut den Konzern radikal und mit unklarem Ausgang um. Alle unrentablen Geschäfte werden geschlossen, allein im 1. Halbjahr fielen 12% der Verkaufsfläche dieser Kürzung zum Opfer. Die Restrukturierung wirkt sich auf die gesamte Unternehmensstruktur aus: Das Personal im Management wurde halbiert, 40% der Verwaltung werden den Konzern verlassen müssen. Die Unternehmenszentrale in Europa, aber auch der Hauptsitz in Hongkong werden drastisch verkleinert. Die Minimalisierung des Personals wird auch zu einer Minimalisierung der Mode führen.

Hoffnung auf dem chinesischen Markt?

Esprit plant das Sortiment auf einen Bruchteil des heutigen zu reduzieren. Dabei will sich der Hersteller auf wenige Basics, die in wenigen Farben verfügbar sind, konzentrieren. Parallel zu diesen Kürzungen läuft auch eine kleine Expansion: Ein neu geschaffenes Team konzentriert sich ausschließlich auf den chinesischen Markt. Trotzdem sehen wir bei der Aktie keine Fantasie. Der Kernmarkt wird vernachlässigt und wie das Geschäft in China läuft, ist nur schwer absehbar. Die Aktie ist für uns ein klarer Fall von „Finger weg!“. Esprit hat dieser Wert auf keinen Fall!


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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