Von wegen Witwen- und Waisenpapier

Mit Deutschlands zweitgrößten Energie-Konzern RWE, dem siebten deutschen Dividenden-Dauerläufer, beende ich meine kleine Serie der deutschen Dividenden-Könige.

Der Konzern schüttet seit 1949 ununterbrochen Dividenden aus.

Doch der Nimbus der Versorgungs-Unternehmen als Witwen- und Waisen-Papiere hat in den letzten Jahren sehr stark gelitten.

RWE zahlt für das Geschäftsjahr 2015 nur noch eine ganz kleine Dividende, Stammaktionäre gehen leer aus.

Strommarkt im Umbruch

Seit der Liberalisierung im Jahr 1999 befindet sich der Strommarkt im tiefgreifenden Umbruch. Der europäische Energie-Sektor wandelt sich grundlegend. Politische Eingriffe erschweren das Geschäft.

Außerdem führt der subventionierte Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland zu rückläufigen Margen und Einsatz-Zeiten konventioneller Kraftwerke.

All das hat massive Auswirkungen auf die Ertragslage. Um in diesem Umfeld zu bestehen, hat der Konzern umfangreiche Maßnahmen zur Kostensenkung und Erlös-Steigerung initiiert.

Schwierige Bedingungen…

Die schwierigen Rahmenbedingungen spürte RWE auch im Geschäftsjahr 2015. Dennoch hat der Konzern wichtige Etappen bei der Stärkung seiner Finanzkraft erreicht.

Die Netto-Schulden konnten um fast 1/5 auf 25,1 Mrd. € verringert werden. Ausschlaggebend dafür war der erfolgreiche Verkauf von RWE Dea, der inklusive Zinsen auf den Verkaufspreis mit 5,3 Mrd. € Buche schlug.

…aber Erfolge beim Effizienzsteigerungs-Programms

Bei der Umsetzung des laufenden Effizienzsteigerungs-Programms hat RWE Erfolge erzielt: Ende 2015 wurde bereits ein nachhaltiger Ergebnis-Effekt von 1,6 Mrd. €, 100 Mio. € mehr als geplant.

Daher will das Unternehmen zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung der operativen Schlagkraft einleiten.

Ihr Schwerpunkt liegt auf der konventionellen Stromerzeugung und dem britischen Vertriebs-Geschäft, das umfassend restrukturiert werden soll.

Insgesamt wird ein Ergebnis-Effekt von 2,5 Mrd. € angestrebt, der 2018 in voller Höhe zum Tragen kommen soll.

Umbau schreitet voran

Die Ende 2015 beschlossene strategische Neuaufstellung des Konzerns ist gut im Zeitplan.

Die neue Tochtergesellschaft, in der erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb im In- und Ausland gebündelt werden, wird am 1. April 2016 an den Start gehen.

Wie erwartet konnte RWE 2015 nicht an das operative Ergebnis des Vorjahres anknüpfen, erreichte aber seine Ertragsziele trotz ungünstiger Rahmenbedingungen im Energie-Sektor.

Der Rückgang des operativen Ergebnisses (EBITDA) um 2% im Vergleich zum Vorjahr auf 7,0 Mrd. € fiel sogar geringer aus als erwartet.

Zurückzuführen ist das auf Sonder-Effekte wie die Vollkonsolidierung des slowakischen Energie-Versorgers VSE seit Ende August. Unterm Strich fuhr RWE einen Verlust von 170 Mio. € ein.

Dividende adieu

Vor dem Hintergrund der drastischen Verschlechterung der Ertrags-Perspektiven in der konventionellen Stromerzeugung werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung am 20. April 2016 für das Geschäftsjahr 2015 vorschlagen, die Dividende für Stammaktien auszusetzen und auf Vorzugsaktien lediglich 13 Cent je Aktie auszuzahlen.

Das ist eine harte, aber notwendige Dividenden-Entscheidung, um die RWE zu stärken. Die Enttäuschung der Aktionäre dürfte groß sein.

21. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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