Von wegen Witwen- und Waisenpapier

Mit Deutschlands zweitgrößten Energiekonzern RWE, dem 7. deutschen Dividenden-Dauerläufer, beenden wir unsere kleine Serie. Der Konzern schüttet seit 1949 ununterbrochen Dividenden aus.

Doch der Nimbus der Versorgungsunternehmen als Witwen- und Waisenpapiere hat in den letzten Jahren sehr stark gelitten. Zudem sind Versorger streng reguliert und haben nur geringe Wachstumsaussichten.

Strommarkt im Umbruch

Seit der Liberalisierung im Jahr 1999 befindet sich der Strommarkt im tiefgreifenden Umbruch. Der europäische Energiesektor wandelt sich grundlegend. Politische Eingriffe erschweren das Geschäft. Außerdem führt der subventionierte Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland zu rückläufigen Margen und Einsatzzeiten konventioneller Kraftwerke.

All das hat massive Auswirkungen auf die Ertragslage. Um in diesem Umfeld zu bestehen, hat der Konzern das Programm „RWE 2015“ gestartet. Es sieht umfangreiche Maßnahmen zur Kostensenkung und Erlössteigerung vor.

Schwierige Bedingungen

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist das Geschäftsjahr 2014 für die RWE ganz gut gelaufen. Die Ertragsziele wurden erreicht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel mit 7,1 Mrd. € sogar deutlich besser aus als geplant.

Dass RWE nicht an das operative Ergebnis des Vorjahres anknüpfen konnte, liegt daran, dass dieses noch einen positiven Sondereffekt aus der Gaspreisrevision mit Gazprom enthielt. Darüber hinaus hat sich die Erosion der Kraftwerksmargen im vergangenen Jahr fortgesetzt.

Es hätte schlimmer kommen können

Hinzu kam der extrem milde Winter, der für Umsatzeieinbußen im Gasvertrieb sorgte. Ergebnisstützend wirkte sich hingegen das Effizienzsteigerungsprogramm aus, bei dessen Umsetzung RWE schneller vorangekommen ist als erwartet: Mit einem Nettoergebniseffekt von 1,4 Mrd. € wurde die eigene Zielvorgabe für 2014 sogar übererfüllt.

Das Gesamtziel von 1,5 Mrd. € soll daher bereits 2015 erreicht werden – zwei Jahre früher als ursprünglich geplant. Das  Ziel eines ausgeglichenen Haushalts wurde auch früher erreicht und so konnten die Investitionen und die Dividende bereits 2014 aus dem eigenen Cashflow finanziert werden.

Umbau schreitet voran

Der Konzern steht unter großem Druck. Doch der notwendige Umbau ist bereits weit fortgeschritten. Bestes Beispiel hierfür ist RWE Generation: Aus ursprünglich drei eigenständigen Erzeugungsbereichen wurde innerhalb von zwei Jahren ein europäischer Stromproduzent geformt.

Die Vertriebskompetenz wurde in der im Januar 2014 gegründeten RWE Retail gebündelt, um RWE noch wettbewerbsfähiger zu machen.

Prognose bestätigt

Die Krise der konventionellen Stromerzeugung wird auch weiterhin die Ertragslage von RWE prägen. Im laufenden Geschäftsjahr wird es RWE wohl nicht gelingen, das operative Ergebnis auf dem Niveau von 2014 zu halten.

Es wird voraussichtlich zwischen 6,1 und 6,4 Mrd. € liegen. Das nachhaltige Nettoergebnis wird sich voraussichtlich auf 1,1 bis 1,3 Mrd. € belaufen.

Stabile Dividende

Das nachhaltige Nettoergebnis für das Geschäftsjahr 2014 lag bei 1,3 Mrd. € und ist die Basis für die Dividendenberechnung. Der Hauptversammlung am 23. April wird eine Dividende von 1 € je Aktie vorgeschlagen. Macht beim aktuellen eine stramme Dividendenrendite von 4,2%. Zahltag ist der 24.04.2015.

16. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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