Vonovia und Deutsche Wohnen: Übernahme-Kampf wird härter

Der Übernahme-Kampf um die Deutsche Wohnen könnte ein juristisches Nachspiel haben. Zählt die Annahme-Bereitschaft von Wandelanleihen-Inhabern als Zustimmung? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Feindliche Übernahme-Versuche werden in den meisten Fällen abgewehrt. Im anglo-amerikanischen Raum geschieht dies häufig durch den Einsatz von Giftpillen. Wenn der Übernahme-Kandidat nicht gekauft werden möchte, wird durch die Androhung einer Kapitalerhöhung oder die Ausgabe von Gratisaktien der Bieter wieder verscheucht.

Was aber, wenn diese Giftpillen – wie in Deutschland – ausdrücklich verboten sind? Abwehrmaßnahmen gibt es dann so gut wie keine. Es ist zwar möglich, dem Bieter die Übernahme zu erschweren, aber sicher verhindert werden kann sie dadurch nicht.

Wertzerstörend: Deutsche Wohnen will Übernahme unbedingt verhindern

In der deutschen Immobilienbranche tobt aktuell ein Übernahme-Kampf. Branchenprimus Vonovia will die Nummer 2 in der Branche Deutsche Wohnen schlucken, um bis auf weiteres die unangefochtene Führungsrolle einzunehmen.

Der Übernahme-Kandidat will von den Avancen des Rivalen allerdings nichts wissen. Das vorgelegte Angebot sei zu niedrig, die Synergien zu optimistisch dargestellt und ein Zusammenschluss sei wertzerstörend. Deutsche Wohnen-Aktionäre sind besser beraten, wenn sie Ihre Anteile nicht abgeben.

Vonovia bangt um notwendige Zustimmung und senkt Annahme-Quote

Zu Beginn der Woche meldete Vonovia, dass die Offerte bisher von 22,5% der Deutsche Wohnen-Aktionäre angenommen wurde. Bis Dienstag wollte der Bieter eigentlich mindestens 50% der Anteile bekommen.

Auch wenn viele annahme-willigen Groß-Investoren bei feindlichen Übernahme-Angeboten erst in der letzten Minute ihre Anteile abgeben (für den Fall, dass noch Neuigkeiten aufkommen und um den Druck auf den Bieter Aufrecht zu erhalten), war es bis zur Annahme-Schwelle doch noch recht weit.

Vonovia fürchtete offenbar, dass nicht genug Aktionäre des Übernahme-Kandidaten das Angebot annehmen werden. Um nicht zu riskieren, dass der Deal platzt, entschied sich der Bieter, die Annahme-Schwelle auf rund 44% zu senken. Durch die Änderung wird die Annahme-Frist automatisch um 2 Wochen verlängert.

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Deutsche Wohnen feiert Etappensieg – kann sich aber nicht in Sicherheit wiegen

Das Management des Übernahme-Kandidaten feierte den kleinen Sieg und sah sich darin bestätigt, dass die Anleger das Angebot mehrheitlich ebenfalls als unzureichend erachten.

Doch der Etappensieg ist noch nicht das Ende des Rennens. Vonovia hat durchaus noch Chancen, dass es nach der Verlängerung dank Hedgefonds, die ihre Chance auf einen schnellen Deal wittern, reicht.

Denn per heute ist die Differenz zwischen aktuellem Aktienkurs und Wert der Offerte durchaus attraktiv – vorausgesetzt der Deal klappt.

Übernahme-Kampf mit juristischem Nachspiel?

Eigentlich ist es verwunderlich, dass sich die Vonovia mit 44% der Stimmen zufrieden geben will. Da der Bieter allerdings schon die Zusage von 6% der Wandelanleihen-Inhaber hat, ergibt die Annahme-Bedingung Sinn.

Die Deutsche Wohnen will den „Trick“ aber so nicht hinnehmen und droht damit, dass man die Inhaber nicht mit Aktien sondern in Bar bezahlen werde. Zur Begründung heißt es, dass Vonovia versuche, sich dem Votum der Aktionäre zu entziehen.

Vonovia hält dagegen und bezeichnet den Schritt als bewussten Versuch die Übernahme-Offerte zu vereiteln. Ob es rechtens ist, die Zusagen der Wandelanleihen als Zustimmung zu zählen, ist ebenso unklar wie der Ausgang des Übernahme-Kampfes.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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