Vor dem Brexit ist vor dem Brexit…

Brexit Flaggen London – shutterstock_442357747 Zoltan Gabor

Jo-Jo an den Börsen. Die Politik-Kralle bleibt zu! Was damit gemeint ist, das verrrät Ihnen Michael Sturm! (Foto: Zoltan Gabor / Shutterstock.com)

Die geplante Brexit-Wahl im britischen Unterhaus hatte Ihre Schatten vorausgeworfen! Denn genau vor der Nacht zum Dienstag markierte der DAX sein bisheriges Jahrestief.

Dass die Wahl von May abgesagt wurde, konnte keiner ahnen. So gab es dann in erster Reaktion eine Erleichterungsrally, die den Index bis knapp an den Widerstand bei 11.000 Punkten heranführte.

Das anschließende Vertrauensvotum innerhalb der Partei überstand die Premierministerin zwar, aber über 100 Gegenstimmen lassen vermuten, dass May Schwierigkeiten haben wird, die verschobene Brexit-Wahl zu gewinnen. Da ist noch viel Überzeugungsarbeit notwendig, um einen „harten Brexit“ zu vermeiden.

Tja, so kann es gehen, wenn nicht alle Wahlberechtigten zur Urne schreiten. Denn Auslöser des ganzen Brimboriums ist das Brexit-Referendum in der britischen Bevölkerung im Juni 2016 gewesen. Und da haben bekanntlich die vorwiegend proeuropäischen jüngeren Wähler gepennt anstatt zu wählen. Was sie damit Europa und vor allem sich selber angetan haben, das wird wohl kaum jemand erahnt haben.

Man kann nur hoffen, dass May genügend Unterhaus-Delegierte hinter sich versammeln kann und zumindest ein geordneter Austritt mit Vertrag zustande kommt. Ansonsten wäre das Chaos perfekt!

Viele Unsicherheiten also auch weiterhin für die Börse und diese mag Unsicherheiten überhaupt nicht!

Betrachten wir den kurzfristigen 1-Monatschart vom DAX-Index:

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Jo-Jo mit hohen Ausschlägen!

Im kurzfristigen 1-Monats-Chartbild vom DAX-Index ist die hohe Volatilität des Marktes deutlich zu erkennen.

Nach dem ebenfalls uneindeutig zweideutigen China-USA-Handelsfrieden brachen die Kurse nach einer scharfen Rally noch schärfer ein. Es scheint mittlerweile Programm in der Politik zu sein, heute Hüh und morgen Hott zu sagen. Das kann natürlich kein Markt auf Dauer verkraften.

Die Geschädigten sind wie immer die braven Anleger. Gut analysiert, richtig investiert und dann kommt wieder irgendein politischer Hammer. Ich frage mich manchmal, wer diese Entscheider gewählt hat? Und da sind wir wieder beim Wählen! Ich kann nur jeden mündigen Bürger dazu aufrufen, für seine Zukunft einzutreten und wählen zu gehen!

Zurück zum Chartbild:

Nach dem Vor-Brexitwahl-Einbruch ist jetzt die Zone zwischen 11.000 und 11.200 Punkten (schraffierte Zone) als Widerstandszone zu werten. Da muss der DAX drüber, um eine Bodenbildung fortzuführen. Ein zweiter Test der Tiefststände ist aber nicht auszuschließen.

Betrachten wir das mittelfristige Chartbild vom DAX-Index:

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Ausrutscher nach unten?

Sie erkennen im mittelfristigen 1-Jahres-Chartbild den Abwärtstrend, den der DAX-Index mustergültig befolgte (roter Trendkanal).

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BrExit kommt: Darauf müssen wir uns alle einstellenAb heute wird es ernst beim BrExit: Der offizielle Antrag zum EU-Austritt Großbritanniens ist jetzt auf dem Weg. Hier erfahren Sie mehr dazu. › mehr lesen

Charttechnische Musterwiederholung !

Ich hatte Ihnen hier an dieser Stelle bereits ein paarmal das auffällige Konsolidierungsmuster mit seinem Wiederholungscharakter eingezeichnet.

Und es wurde bisher fast schon unheimlich 1:1 deckungsgleich verfolgt. Es zeigt Ihnen aber auch, dass die 11.000 nicht die wichtige untere Umkehrmarke sein muss. Sondern es läuft auf etwa 10.800 Punkte hinaus. Diese wurde am Montagabend nach unten gebrochen. Mittlerweile hat der DAX sie aber schnell wieder erreicht und ist sogar ein gutes Stück darüber angestiegen.

Das bedeutet, die 10.600 am Montagabend könnten ein Ausrutscher gewesen sein. Um das zu bestätigen muss der DAX aber wieder über die 11.000 steigen und anschließend die 11.200 knacken. Möglich ist das, zumal das Bild im längerfristigen Chartbild ebenfalls eine Übertreibung nach unten signalisiert.

Dies sehen Sie im Langfristchartbild vom DAX-Index:

 

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

Übertreibung!

Im langfristig völlig intakten Bullenmarkt (übergeordneter dunkelblauer Trendkanal) erkennen Sie einen weiteren langen Innentrend (grüne Linien). Dieser hat seit 2011 mit nur einer einzigen Ausnahme Bestand. Das war die Übertreibung nach oben im 1. Quartal 2015 (schwarze Spitze). Ansonsten wurde jeweils bei Erreichen der Obergrenze wie auch der Untergrenze eine Trendumkehr eingeleitet und der grüne Trend 10 Jahre lang befolgt!

Die untere Begrenzung des grünen Trends hat in 2011, 2012 und 2016 vier Mal auf den Punkt die Wende vorhergesagt.

Auch wenn im Chartbild jetzt die Unterseite merklich unterschritten wurde, ist es gut möglich, dass der Index hier eine Wende einleiten kann. In langfristigen Chartabbildungen sind einige Unschärfetoleranzen zu beachten. Da kann es auch mal um +-200 Punkte drüber oder drunter gehen, ohne dass die Langfristeinschätzung fehlinterpretiert werden muss.

Sollte die Wende kommen, dann können Sie mit einer Rally an die obere Begrenzung des mittelfristigen Abwärtstrendkanals (roter Trend) rechnen. Sollte die Untergrenze aber auch zum Wochenschluss noch deutlicher unterschritten werden, dann muss neu bewertet werden.

FAZIT:

Die Börsen bleiben in den Krallen der Politik gefangen!

Ob Handelskonflikt USA/China oder der Brexit, auf die börsennotierten Unternehmen wird je nach Nachrichtenlage teilweise ohne fundamentalen Hintergrund eingeschlagen. Das birgt aber auch ein hohes Kurssteigerungspotenzial, wenn sich die politischen Wolken lichten.

Zwar ist das aktuell noch nicht unbedingt sichtbar, aber die Historie lehrt es: Politische Börsen haben kurze Beine! Grund: Politische Themen lösen sich meist irgendwann auf. Wenn sie Ihren Schrecken verlieren, dann weicht die Unsicherheit und der Weg nach oben wird frei.

Das bedeutet, wieder einmal ist es nur die Politik, welche die Kurse bestimmt! Das mag man finden wie man will, aber wir müssen uns eben eingliedern.

Achten Sie also auf die Nachrichtenlage in Bezug auf USA/China und Brexit.


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Michael Sturm
Von: Michael Sturm. Über den Autor

Tauchen Sie ein in die neue Dimension des Handelns an der Börse. Mit seinen Börsendiensten 30-Prozent-Trader und 5-Minuten-Trader arbeiten mehr als 2 Jahrzehnte Erfahrung und geballte Leidenschaft für die Finanzmärkte für Ihr Depot. Seine ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Trading-Strategien sind dabei stets geprägt von Michael Sturms Motto: Gewinnen mit Verstand und ruhiger Hand!