Vor der Übernahme durch Microsoft: LinkedIn zeigt Stärke

US-amerikanische Investoren sind gnadenlos:

Werden die Erwartungen an die Quartalszahlen oder der Ausblick auf das nächste Quartal verfehlt, reagieren sie mit starken Verkäufen.

Anstatt langsam die Luft aus dem Ballon herauszulassen, wird der Ballon zum platzen gebracht.

Kursstürze von über 10% sind während der Berichts-Saison völlig normal geworden. Heute zersägt es die Aktie des Shoppingsender-Inhabers QVC, Liberty Interactive.

Obwohl die Erwartungen erfüllt wurden, reichte die Äußerung des Chefs, dass das 3. Quartal „holprig“ verlaufen könnte für einen 16%-Absturz.

In Deutschland sind solche heftigen Reaktionen noch nicht alltäglich – aber sie haben zugenommen. Im SDAX verliert heute z. B. die GfK-Aktie 20% an Wert.

Die 2. Prognose-Kürzung innerhalb weniger Monate war offenbar mehreren Investoren dann doch zu viel des Guten.

Quartalszahlen treten bei laufenden Übernahmen in den Hintergrund

Dass es auch anders geht, zeigen Aktien von Übernahme-Kandidaten – genauer gesagt, von Unternehmen, die gerade übernommen werden.

Wenn die Geschäfte deutlich schlechter laufen als der Markt erwartet hat, dann geht das oft spurlos an der Aktie vorbei. Denn bei Cash-Offerten steht der Übernahme-Preis ja schon fest.

Das Risiko, dass die Geschäfts-Entwicklung schlechter ausfällt als man angenommen hatte, geht mit der Kaufvertrags-Unterschrift auf den Käufer über.

Anders herum: Fallen die Zahlen viel besser aus, gewinnt die Aktie auch nicht hinzu. Unerwartet starke Quartals-Ergebnisse waren nach einer Einigung noch nie der Grund für eine plötzliche Angebots-Aufstockung.

LinkedIn pulverisiert Analysten-Schätzungen

Gestern Abend gab das Karriere-Netzwerk LinkedIn nach Börsenschluss aktuelle Geschäftszahlen bekannt.

Das Unternehmen hat vor wenigen Wochen ein 26 Mrd. Dollar schweres Übernahme-Angebot vom Microsoft-Konzern erhalten. Den Aktionären bietet der Software-Riese 196 Dollar je Aktie in bar.

Die Aktie ging gestern mit 192 Dollar aus dem Handel und liegt heute Morgen im frühen New Yorker Handel immer noch bei etwa 192 Dollar.

Man könnte annehmen, dass die Zahlen unspektakulär ausgefallen wären – doch das waren sie nicht. Nur aufgrund der laufenden Offerte läuft der Kurs seitwärts.

Die Zahlen waren bärenstark und lagen deutlich über den Erwartungen. So konnte der Umsatz um 31% auf 933 Mio. Dollar gesteigert werden.

Die zentrale Größe „operativer Gewinn“ stieg auf 1,13 Dollar je Aktie – Analysten hatten gerade einmal 0,78 Dollar erwartet.

Zahlen zeigen, warum 50% Übernahme-Prämie nicht zu viel waren

Die starken Zahlen zeigen, dass der schwache Geschäfts-Verlauf im 4. Quartal 2015 ein Ausrutscher war.

Damals wurden die Markterwartungen weit verfehlt – und ohne laufende Übernahme passierte dem Aktienkurs das, was allen passiert, die nicht planmäßig abliefern: Ein Kurssturz setzte ein.

Für Microsoft war das vielleicht der perfekte Türöffner. Der Software-Riese bot zwar fast 50% Übernahme-Prämie auf den Aktienkurs – doch mit 196 Dollar je Aktie lagt das Angebot gute 20% unter dem Jahreshoch der LinkedIn-Aktie.

Nach der Deal-Ankündigung musste das Management aufgrund der hohen Prämie dennoch viel Kritik einstecken, dass die Übernahme zu teuer ist. Nach den starken Geschäftszahlen dürften die kritischen Stimmen leiser werden.

5. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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