Vor Euro-Einführung: Die Angst vor der deutschen Übermacht

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Im Vorfeld der Euro-Einführung wollte vor allem Frankreich die Währung auch als Druckmittel einsetzen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Vorgeschichte des Euro ist äußerst spannend.

Der Blick zurück auf einige maßgebliche Ereignisse lohnt sich auf jeden Fall, um die aktuellen Probleme der Gemeinschaftswährung zu verstehen.

Denn eins ist klar: Schon bei der Gründung wurden viele Fehler gemacht, die uns heute so extrem belasten. Vor allem die politischen Hintergründe führten in die falsche Richtung.

So berichtete der langjährige Spitzenbeamte im Auswärtigen Amt Wilhelm Schönfelder dem britischen Journalisten David Marsh, dass bereits Ende der 1980er Jahre, als über französische Atom-Kurzstreckenraketen – welche nur auf deutschem Gebiet explodieren konnten und deshalb Deutschland gefährdeten – geredet wurde, die Franzosen die “deutsche Atombombe” ins Spiel brachten.

Da Deutschland über keine eigenen Atomwaffen verfügt, erklärte Mitterrands engster Berater Jacques Attali, dass damit die D-Mark gemeint sei. Frankreich hielt also die D-Mark für genauso bedrohlich und unkontrollierbar, wie wenn Deutschland eigene Atomwaffen gehabt hätte.

Vor dem Ministerrat erklärte der französische Staatspräsident Mitterrand am 17. August 1988: “Die Deutschen sind ein großes Volk, das gewisser Attribute der Souveränität entbehrt und einen verminderten diplomatischen Status genießt.

Deutschland gleicht seine Schwäche durch seine ökonomische Stärke aus. Die Deutsche Mark ist gewissermaßen ihre Atomstreitmacht.”

Die Währungsunion wurde also von vornherein als Mittel gesehen, um die deutsche ökonomische Stärke einzudämmen. Bundesbankpräsident Pöhl hielt noch Ende der 80er Jahre eine Währungsunion für eine Aufgabe von hundert Jahren.

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Erst als die Wiedervereinigung Deutschlands anstand, konnten die ausländischen D-Mark-Gegner das für politischen Druckaufbau nutzen. Speziell Frankreich hatte Angst vor einem wirtschaftlich noch stärkeren Deutschland und drängte auf die Währungsunion.

Weiter bekräftigte Mitterrand seine Absicht, dass Deutschland sich auf die “Einkreisung” in Europa gefasst machen müsse. Diesem politischen Druck gab dann die deutsche Regierung nach und stimmte dem Euro-Projekt zu.

Der Vertrag von Maastricht – ein Versailles ohne Krieg?

Beschlossen wurde die Einführung des Euros endgültig 1992 in einem Vertrag, der in Maastricht geschlossen wurde. Den Weg zum Euro dachten sich dabei die Verantwortlichen als einen Weg in drei Hauptstufen, sowie einer vorhergehenden Vorbereitungsphase:

Ende 1995 verabschiedete der Europarat das Einführungsszenario. Am 1.1.1997 wurden die rechtlichen Rahmenvorschriften für den Euro und die Europäische Zentralbank festgelegt.

Anfang 1998 erfolgte die Entscheidung über die Teilnehmerländer, und im Verlauf des Jahres 1998 wurden die Rechtsvorschriften erlassen, sowie die Entscheidung über das geldpolitische Instrumentarium der Europäischen Zentralbank gefällt.

Am 1.1.1999 erfolgte die Festlegung der Wechselkurse, die Europäische Zentralbank übernahm die Kontrolle über die Geldpolitik, und Geldüberweisungen zwischen Banken wurden aufgrund der Euro- Verrechnungseinheit durchgeführt. Am 1.1.2002 wurden alle nationalen Währungen durch Ausgabe von Euro-Bargeld abgeschafft.

Das ist jetzt genau 10 Jahre her, aber aktuell steht das Modell der europäischen Gemeinschaftswährung zur Diskussion. So muss das klare Urteil zum Jubiläum lauten.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.