Vorreiter für eine bargeldlose Gesellschaft

Indien ist Vorreiter für eine bargeldlose Gesellschaft. Die Regierung führt das Land ins Chaos und enteignet die Bürger auch von Sachwerten. (Foto: Africa Studio / shutterstock.com)

Der Kampf vieler Regierungen für die Abschaffung des Bargelds geht mit der Einschränkung von Sachwerten einher.

Indien ist Vorreiter für eine bargeldlose Gesellschaft

Wir haben Ihnen bereits aufgezeigt, dass der indische Premierminister Narendra Modi eine Überraschungsreform durchführte: Die Teilabschaffung – man könnte auch sagen die Zwangsverknappung – des Bargelds.

Dadurch verlor quasi über Nacht 86 Prozent des Bargelds, das in Indien im Umlauf war, seinen Wert.

Die bislang geltenden 500- und 1.000-Rupien-Scheine wurden einfach als ungültig erklärt und sollten so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen werden.

Mit einer Frist bis zum 31. Dezember 2016.

Ein Land im Chaos

Welch eine Ironie: Nur staatliche Tankstellen und Apotheken durften ausnahmsweise noch ein paar Tage länger große Banknoten annehmen.

Die Folgen davon waren absehbar: Davor kam es zu Verkehrsstaus und langen Schlangen.

Schnell ging Tankstellen und Apotheken das Wechselgeld aus. Dabei kam es zu heftigen Auseinandersetzungen.

Die Inder wurden quasi staatlich dazu gezwungen, weniger Bargeldzahlungen und dafür mehr bargeldlos zu bezahlen.

Die kleinen und normalen Leute verlieren

Die Verlierer waren und sind eindeutig die kleinen Geschäfte und die Straßenhändler. Sie verloren viele Kunden, weil sie keinen bargeldlosen Zahlungsverkehr durchführen konnten.

Denn sie hatten die notwendigen Geräte nicht dazu. Beispielsweise erwog in Delhi der Obst- und Gemüsemarkt den Betrieb sogar einzustellen.

Mit der Begründung, weil die Leute kein Bargeld mehr besitzen. Und in Mumbai, verzehnfachten sich die Preise für Salz.

Auch die Wirtschaft verliert

Indien steht wohl weiter vor einer massiven Konsum-Depression, die wiederum auf die Wirtschaft überspringen und ausbremsen kann. Noch in diesem Jahr wird ein Rückgang von einem Prozent des BIP erwartet.

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Außerdem könnten 400.000 Arbeitsplätze vernichtet werden. Darunter auch Unternehmen, die Luxusgüter herstellen und verkaufen sowie im Immobilien- und Bausektor.

Auch die Textil- und Bekleidungsindustrie könnte schwer in Mitleidenschaft gezogen werden.

Und wissen Sie warum?

Weil gerade diese sich einer hohen Zahl an Tagelöhnern, die normalerweise bar bezahlt werden, bedient.

Mit Denunzation und staatlicher Überwachung gegen Goldbesitzer

Doch das alles war nur ein Teil der perfiden Agenda zur Zwangsverknappung von Bargeld. Auch Sachwerte mussten madig gemacht werden, um diese ebenfalls einzuschränken.  Vor allem jene von Edelmetallen (Gold und Silber).

So erschwert bis heute die indische Regierung die Möglichkeit der Flucht ins Gold. Und zwar mit Denunzation.

Steuerbehörden wiesen Juweliere an, alle Kunden zu melden, die größere Beträge in das gelbe Edelmetall umtauschen wollten.

Wenn sie dieser Aufforderung nicht nachkommen wollten, dann drohte ihnen die Installation staatlicher Überwachungskameras, um ihre Geschäfte einzusehen und die entsprechenden Kunden identifizieren zu können.

Die große Enteignung der Steuersünder

Mit diesen Maßnahmen schlug die indische Regierung zwei Fliegen mit einer Klappe:

Einerseits bekam sie die Kontrolle über die (Privat-)Gold-Verkäufe. Und andererseits statuierte sie eine indirekte aber hochwirksame Strafe gegen alle Steuersünder.

Denn diejenigen, die bislang ihre Einnahmen nicht versteuert hatten, konnten ihr Bargeld jetzt nicht einfach zur Bank bringen, auf ein Konto einzahlen oder umtauschen.

Denn diesen drohten Steuerstrafverfahren. So verloren Steuersünder über Nacht ein Großteil ihres Geldes.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.