Vorsicht bei geschlossenen Fonds

Ich investiere gerne in transparente und kostengünstige Produkte (ein Grund weshalb ich ETFs mag). Geschlossene Fonds kommen daher für mich nicht in Frage. Und wenn Ihnen Ihr Bankberater einen solchen Fonds noch so wärmstens empfiehlt, kann ich Ihnen nur zu größter Vorsicht raten.

Weitaus höhere Gebühren als bei offenen Fonds

Vor allem wegen der immensen Gebühren sollten Sie sich eine Investition in geschlossene Fonds gut überlegen. Neben dem Ausgabeaufschlag und Managementgebühren, die Sie bereits von offenen Fonds kennen, verlangen sie zum Teil Beratungshonorar (für den Vermittler), Erfolgsbeteiligung und Abrechnungsgebühren. Das summiert sich auf. Die Gesamtkostenquote liegt damit locker im zweistelligen Prozentbereich, einige Fonds bringen es auf 20 oder gar 30%.

Und jetzt rechnen Sie einmal nach: Bei einer Kostenquote von 20% fließen nur 80% Ihrer Einlage tatsächlich in die Investition. Allein um diese Kosten wieder reinzuholen, brauchen Sie eine Rendite von 25%. Kein Wunder, dass der Großteil der geschlossenen Fonds am Laufzeitende weit unter den (viel zu optimistischen) Renditeprognosen der Anbieter liegt. Eine vernünftige Rendite zu erzielen ist mit einem solchen Fonds kaum möglich.

Geschlossene Fonds als Provisions-Goldesel

Der Grund, warum geschlossene Fonds zu den Lieblingen von Bankberatern und provisionsabhängigen Vermittlern zählen, liegt nicht an der Attraktivität der Geldanlage. Hier gibt es einfach die höchsten Provisionen zu kassieren, oftmals bis zu 10% des angelegten Geldes.

Verkauf statt Beratung

Und das führt zu einer provisionsgesteuerten „Beratung“, bei der es sich ohnehin eher um ein Verkaufsgespräch handelt. Viele Bankberater erhalten eine Menge Druck von „oben“. Einziges Ziel: Möglichst viel Provision machen. Gewinnmaximierung lautet das wichtigste Gebot, leider (zu) oft auf Kosten der Kunden.

Provisions-Abzocke: Anlagehorizont 100. Lebensjahr

Ein Beispiel von einem Fall aus der Praxis, der vor Gericht landete: Eine  Bank verkaufte einer 90-jährigen vermögenden Kundin einen geschlossenen Immobilienfonds. Die Laufzeit betrug zehn Jahre, eine vorzeitige Kündigung war (wie üblich) nicht möglich.

Sollte die Dame ihr 100. Lebensjahr erreichen, könnte sie sich möglicherweise (oder auch nicht) über ein hübsches Sümmchen freuen. Erben sind jedenfalls keine vorhanden.

Sie werden mir zustimmen: Das ist schon ein starkes Stück! Aber dieses Mal hatten die Provisionsgeier das Nachsehen: Das Gericht verdonnerte die Bank zur Rückabwicklung der Anlage und Zahlung von Verzugszinsen.

Solche anlegerfreundlichen Urteile machen hoffentlich die Runde, dann überlegen es sich die „Berater“ demnächst zweimal, ob sie ihren Kunden wirklich zwecks Provisionsmaximierung vollkommen ungeeignete Produkte aufschwatzen wollen.

Sie sollten jedenfalls aber trotzdem auf der Hut sein, wenn Ihnen bei einer „kostenlosen Beratung“ ein intransparentes Finanzprodukt angepriesen wird.

12. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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