Vorsicht vor Betrug: Kaufen Sie keine Übernahme-Kandidaten nach Telefon-Tipps

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Im Übernahme-Sensor erfahren Sie regelmäßig, was gerade in der Gerüchteküche herumgereicht wird, wie die Abläufe einer Übernahme sind und worauf Sie bei einer Übernahme-Chance unbedingt achten sollten. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Im Übernahme-Sensor erfahren Sie regelmäßig, was gerade in der Gerüchteküche herumgereicht wird, wie die Abläufe einer Übernahme sind und worauf Sie bei einer Übernahme-Chance unbedingt achten sollten.

Aktuell boomt das Übernahme-Geschäft in Deutschland und den USA, dementsprechend groß ist das Interesse an Übernahme-Kandidaten. Angesichts der erstklassigen Voraussetzungen, um am Übernahme-Geschäft mitzuverdienen, wundert mich das nicht.

Die Frage ist allerdings: Wie kann ich als Privatanleger das Übernahme-Geschäft für mich nutzen?

Übernahme-Kandidaten können auch nach Abgabe einer Erstofferte noch attraktiv sein

Sie kennen es: Die Nachrichtenportale sind voll mit Meldungen, dass ein Großkonzern wieder einmal einen kleineren Konkurrenten schlucken will. Es dauert dann nicht lange und die Aktie schießt 20% nach oben. Statt sich zu ärgern, dass Sie an dem Deal nicht beteiligt sind, ist es sinnvoller, sich zu fragen: „Gibt es vielleicht noch eine Chance nach den 20%-Anstieg?“

Nicht selten steigen Aktien nach einem ersten Übernahme-Vorstoß weiter – wie Sie vielleicht vor kurzem beim Automobil- und LKW-Zulieferer Grammer gesehen haben. Teilweise lohnt sich sogar noch der Einstieg, wenn der Deal schon gelaufen ist und das Unternehmen bereits mehrheitlich vom Bieter kontrolliert wird.

Verallgemeinert werden kann die Aussage jedoch nicht. Wie immer an der Börse, muss auch im Übernahme-Geschäft genau hingeschaut werden.

Finger weg, wenn Übernahme-Chance bereits voll eingepreist

Manchmal kursieren Übernahme-Gerüchte am Aktienmarkt, die zu abstrusen Kursreaktionen führen. Machen Gerüchte zu der Möglichkeit einer Übernahme die Runde, steigt der Kurs des Übernahme-Kandidaten dann über den Preis vergleichbarer Deals.

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Wer blind zugreift, nur um bei einem späteren Deal unbedingt dabei zu sein, zahlt dann Lehrgeld. Trotz Übernahme kommt es dann zu einem Verlust.

Sicher: Es ist nicht immer genau vorhersehbar, welcher Übernahme-Preis am Ende bezahlt wird, doch mehr zu zahlen als den Durchschnittspreis vergleichbarer Deals ist höchst riskant. Prüfen Sie vor Ihrem Einstieg genau die Sachlage und was überhaupt noch für eine Kurschance bestehen kann.

Maximale Vorsicht bei „heißen“ Telefontipps

Leider wird im Übernahme-Geschäft auch viel Unwahres erzählt. Nicht selten wird in diversen Internet-Foren eine Übernahme-Story konstruiert, um dem Aktienkurs zu pushen.

Richtig kriminell kann es dann bei Penny-Stocks (Aktienkurs unter 1 Euro) werden. Unter dem Vorwand, dass eine Übernahme kurz bevorsteht, werden ahnungslose Privatanleger in Unternehmen gelockt, die nur wenige Millionen wert sind.

Durch die künstliche Nachfrage explodiert der Kurs, die Betrüger steigen aus und Sie bleiben auf einen Verlust sitzen, der manchmal sogar 90% übersteigt. Sie halten dann eine wertlose Hülle in den Händen.

Wenn Ihnen unaufgefordert „heiße“ Übernahme-Tipps zu Pennystocks (häufig telefonisch aus dem Ausland!) genannt werden, dann ist absolute Vorsicht geboten. Einige Betrüger haben sogar schicke Webseiten, um sich zu tarnen. Wenn Sie nach den „Tipps“ auch noch unter Kauf-Druck gesetzt werden, ist es fast immer ein Fall für die Kripo.

Gier ist gefährlich! Fragen Sie sich, welches Interesse eine unbekannte Person daran haben könnte, Ihnen kostenlos heiße Tipps zu nennen. Wenn Sie auf etablierte Übernahme-Kandidaten mit einer Marktkapitalisierung von 200 Mio. Euro oder mehr setzen, die täglich rege gehandelt werden, umgehen Sie dieses Problem.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.