Vorsicht vor plötzlichen Aktientipps per Fax

Gestern rieb ich mir im Büro verwundert die Augen: Da lag ein Fax mit einem heißen Aktien-Tipp vor mir.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass diese Art der Werbung mittlerweile ausgestorben ist. Aber dem ist wohl nicht so.

Und der Text erinnerte an die schlimmsten Auswüchse bei solchen dubiosen Empfehlungen zur Zeit des Internet-Hypes. Damals nutzten windige Empfehlungsdienste die allgemeine Euphorie rund um den Aktienmarkt, um unwissende Anleger in unbekannte Aktien zu treiben.

Das Spiel lief immer gleich ab: In kurzer Zeit wurde für ein Unternehmen die Werbetrommel gerührt. Der Kurs an der Börse konnte dabei mit niedrigem Volumen rasch oben gezogen werden. Wenn dann die Masse der Anleger einstieg, verkauften die Altaktionäre ihre Bestände und machten Kasse.

Bedenken Sie: Oft handelte es sich um Firmen, die erst kurz vor diesen Aktionen zu 1 Cent an die Börse kamen. Der Kurs stieg dann oft bis auf 0,50 Euro. Und dann erfolgten die Verkäufe und die Altaktionäre hatten sich die Taschen gefüllt.

Nun dachte ich, dass diese Art der Werbung mittlerweile eben nicht mehr zu finden ist. Doch der Blicks ins Fax belehrte mich eines Besseren. Dieses Mal geht es um die Underseas Research & Recovery Ltd. . Diese Aktie „wird Börsengeschichte schreiben“, heißt es in dem Fax vom Hotstock-Depot.com.

Und der Grund für die herausragende Stellung dieser Aktie steht ganz unten auf der Seite: „Mit der Aktie von Underseas Research & Recovery können Sie nur Gewinne machen. Verlust und Risiko sind völlig ausgeschlossen.“

„Die Aktie bei der man nur gewinnen kann und das ohne Risiko“ – Das gibt es nicht

Damit würde diese Aktie allerdings Börsengeschichte schreiben: Denn eine Aktie bei der man nur Gewinne machen kann und Risiko ausgeschlossen ist, kenne ich nicht. Spätestens jetzt müssten bei jedem fundierten Anleger die Alarmglocken klingeln.

Doch diese Story ist anders: Direkt nach der FAX-Aktion vom Wochenende meldete sich das Unternehmen direkt am Montag zu Wort. Unter der Überschrift „Underseas warnt vor falschen Faxen zum Aktienkauf“ wehrt sich das Unternehmen gegen die in dem Fax angekündigten Entwicklungen.

„Die betrügerischen Fax-Schreiben enthalten falsche und irreführende Behauptungen über das Unternehmen Underseas, die aktuelle Geschäftsentwicklung und den Ausblick.

Weder existieren das in den Fax-Schreiben behauptete Übernahmeangebot durch ein großes Softwareunternehmen, noch die in den Raum gestellte Kaufempfehlung für die Aktie von einem deutschen Finanzinstitut“, heißt es weiter in der Mitteilung.

Und diese beiden Punkte stachen bei dem Fax auf jeden Fall heraus: So soll ein offizielles Übernahmeangebot von Microsoft für das Unternehmen vorliegen – und das für 8,50 Euro pro Aktie. Das ist genauso aus der Luft gegriffen wie ein Einstieg der Frankfurter Sparkasse bei Underseas Research & Recovery.

Die Story auf dem Fax klingt so unglaubwürdig, dass es eigentlich gar nicht der Meldung des Unternehmens bedurft hätte.

Mein Rat an Sie kann daher nur lauten: Wenn Sie Aktienempfehlungen per Fax erhalten in denen unglaubliche Entwicklungen in sehr kurzer Zeit – in diesem Fall waren es 2.000% Gewinn in zwei Wochen – gemacht werden, kann es nur heißen: Finger weg. Hinter solchen „heißen Tipps“ steht Methode und Sie als Privatanleger ziehen auf jeden Fall den Kürzeren.

6. Dezember 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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