Vorsichtiger Optimismus vor der Fed-Sitzung

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Heute will die US-Notenbank Fed den weiteren geldpolitischen Kurs in der Corona-Krise festlegen. Ein Grund für Zuversicht? (Foto: Paul Brady Photography / shutterstock.com)

Die Weltwirtschaft leidet an den Folgen der Pandemie. Und inzwischen sind sich die Ökonomen sicher, die Volkswirtschaften durchleben nicht mal eben einen kurzen Schwächeanfall. Die Gesundung wird schwieriger werden und länger dauern, als anfangs angenommen. Auch weil dem Patienten nach wie vor die einzig wirksame Medizin fehlt: die Kunden.

Regierungen und Zentralbanken sind als Therapeuten unterwegs und verabreichen immer neue Finanzspritzen. Wirklich Hoffnung gibt an der Börse aber nur die Reha, das heißt die Rückkehr zu normalem Handel und Wandel. Die politischen Entscheider erlauben diese Therapie aber als behandelnden Ärzte nur in ganz vorsichtigen Dosierungen. Umso gespannter schaut der Patient auf die Schmerzmittel. Heute will sich die Fed, die US-Notenbank, als Assistenzarzt versuchen und den weiteren, geldpolitischen Kurs in der Corona-Krise festlegen.

Asien zwischen Hoffnung auf US-Notenbank und Sorge um den Ölpreis

Asiatische Aktien legten am Morgen vorsichtig zu. Investoren pausierten vor der Sitzung der US-Notenbank, während die Ölpreise in der Hoffnung sprunghaft anstiegen, dass die Nachfrage wieder anziehen wird. Diese Hoffung beruht darauf, dass viele Länder einige der Beschränkungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus aufheben.

Japans Märkte waren wegen eines gesetzlichen Feiertags geschlossen.

Aktien an den chinesischen Festlandsbörsen stiegen in der Anfangsphase des Handels leicht an, wobei es in Shanghai um etwa 0,4% aufwärts ging, während die Papiere in Shenzhen im Schnitt um 0,5% zulegten. Der Hongkonger Hang-Seng-Index stieg ebenfalls um 0,8%.

Aktien in Australien stiegen um durchschnittlich 0,2% und in Südkorea um 0,3%.

Samsung warnt vor Gewinneinbruch im zweiten Quartal

Zahlen kamen in Südkorea von Samsung Electronics. Der Konzern hat im ersten Quartal einen Nettogewinn von gut 4 Milliarden Dollar gemacht. Dies lag jedoch unter dem von Refinitiv geschätzten Wert. Das Branchenschwergewicht warnte zudem, dass die Gesamterträge im zweiten Quartal im Vergleich zur Vorperiode wahrscheinlich zurückgehen werden. Auch hier werden Abstriche wegen Covid-19 gemacht. Die meisten Anleger haben diese schon mit einberechnet. Daher Aktien von Samsung Electronics etwa 0,2% im Plus.

Auch an den US-Börsen hat der Auftrieb gestern merklich nachgelassen. Hatte der Dow Jones Industrial im frühen Handel noch um 1,56 Prozent auf den höchsten Stand seit sieben Wochen zugelegt, so schmolz der Gewinn am Ende komplett ab. Der Dow schloss 0,13 Prozent niedriger auf 24.101,55 Punkten. Gegenwind kam von der Konjunktur: Die Verbraucherstimmung brach im April wegen der Corona-Krise auf den tiefsten Stand seit 2014 ein.

Der marktbreite S&P 500 verlor 0,52 Prozent auf 2.863,39 Zähler, während der Nasdaq 100 um 1,81 Prozent auf 8.677,60 Punkte zurückfiel. Der technologiegeprägte Index war allerdings in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich stark gestiegen.

Quartalszahlen der Krisenverlierer bremsen Zuversicht an den US-Börsen

Im Blick standen an der Wall Street gestern erneut zahlreiche Unternehmen, die durch die Corona-Pandemie belastet wurden. Und einige, die in der Krise gewinnen.

So dampfte etwa der Pharmakonzern Merck & Co seine Jahresziele wegen der Pandemie ein, die Aktie verlor am Ende des Dow Jones Index 3,3 Prozent. Konkurrent Pfizer hält indes bislang an den Prognosen fest, zudem fielen die Zahlen besser als befürchtet aus. Nach anfänglichen Gewinnen gab der Kurs dennoch um 1,1 Prozent nach.

Einen verlustreichen Tag erlebten die Papiere des Paketzustellers UPS . Dieser kappte wegen der Krise nicht nur die Prognose, sondern setzt auch die Aktienrückkäufe aus und fährt die Investitionen herunter. Der Kurs sackte um 6 Prozent ab.

Der Mischkonzern 3M profitiert dagegen in der Corona-Krise von einer starken Nachfrage nach Schutzausrüstung und schaffte deshalb im ersten Quartal einen Gewinnsprung. Trotz kassierter Jahresprognose griffen die Anleger zu – die Aktie stieg um 2,6 Prozent. Der Getränkehersteller Pepsico wartete mit guten Zahlen zum Jahresbeginn auf. Der Kurs legte um 1,4 Prozent zu.

Deutsche Anleger hoffen auf weitere Lockerungen

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt sind am Dienstag zuversichtlich geblieben. Der Leitindex Dax knüpfte an seinen starken Wochenauftakt an und legte weiter zu. Mit einem Plus von 1,27 Prozent auf 10.795,63 Punkte ging das deutsche Börsenbarometer aus dem Tag. Für den MDax ging es am Dienstag um 1,03 Prozent auf 22.817,07 Punkte nach oben.

Im Dax zogen einmal mehr die Papiere von Wirecard die Aufmerksamkeit auf sich. Der erhoffte Befreiungsschlag durch die KPMG-Sonderprüfung der Bilanz blieb aus. Analysten monierten zahlreiche offen gebliebene Fragen und nach wie vor rechtliche Unwägbarkeiten. Die Aktie brach um rund 26 Prozent ein, womit sich ein Großteil der kräftigen Erholungsgewinne seit dem Corona-Börsencrash wieder in Luft auflöste.

Lufthansa profitiert von Spekulationen über Rettungspläne

Die Anteilscheine von Lufthansa schwankten stark und stiegen schließlich um 2,1 Prozent. Mögliche umfangreiche Staatshilfen für die durch die Corona-Krise schwer angeschlagene Fluggesellschaft würden nicht nur positiv gesehen, hieß es am Markt. Zuvor hatte der “Business Insider” unter Berufung auf Quellen aus dem Konzern berichtet, dass die Bundesregierung rund neun Milliarden Euro in den Konzern pumpen werde. Später wurde außerdem bekannt, dass die Lufthansa auch die Insolvenz in Eigenverwaltung prüft. Erst am Donnerstag hatte der Konzern eingestanden, dass er sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der Krise retten könne.

Im MDax zogen die Papiere von Siltronic dank solider Zahlen zum ersten Quartal und einem erfreulichen Ausblick auf das laufende zweite Quartal um fast 10 Prozent an. Zudem hält der Waferhersteller trotz der Corona-Krise an der Dividende fest. Um sogar gut 13 Prozent ging es für die Anteile von ProSiebenSat.1 nach oben. Am Markt wurde auf Spekulationen über eine Übernahme durch Großaktionär Mediaset verwiesen. Diesem gehören bereits 24 Prozent an dem deutschen Medienunternehmen.

Massiver Gewinneinbruch bei Covestro – Bayer-Spinoff startet heutigen Zahlenreigen

Der Tag heute wird zunächst wieder von Zahlen geprägt sein. Am Morgen berichtete die einstige Kunststoffsparte von Bayer über einen herben Gewinneinbruch. Aber immerhin hat Covestro im ersten Quartal noch einen knappen Gewinn erzielt. Neben dem schon vorher harten Konkurrenzkampf vermiesten nun die Shutdowns das Geschäft. Unter dem Strich blieben in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 20 Millionen Euro hängen und damit fast 90 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Von Volkswagen und Daimler wird heute morgen nichts Besseres zu erwarten. Die Stuttgarter meldeten am Morgen wegen der Corona-Krise einen Umsatzeinbruch im ersten Quartal, unterm Strich ist Daimler aber noch immer profitabel. Nach Börsenschluss kommen dann noch die Zahlen der Deutschen Börse. International wartet man auf Amazon, Apple, Ebay und Facebook, auf GlaxoSmithKline, General Electric, Mastercard, Microsoft, Qualcomm, AstraZeneca und auch Barclays.

Durchwachsene Aussichten wecken Anleger-Vorsicht

Zur Wochenmitte stehen außerdem neben den deutschen Importpreisen die Verbraucherpreise an. Für die Inflationsrate wird ein deutlicher Rückgang von 1,4 auf 0,6% erwartet.

In den USA stehen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im Fokus. Volkswirte erwarten, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal um 4,0% geschrumpft ist. Daneben werden die persönlichen Konsumausgaben und die schwebenden Hausverkäufe gemeldet. Am Abend veröffentlicht die US-Notenbank die Ergebnisse ihrer Sitzung.

In den Banken ist man vor Handelseröffnung zuversichtlich. Der DAX wird leicht höher bei 10.832 Punkten erwartet.

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Von: Marcus Schult. Über den Autor

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