Vossloh weiter neben der Spur

Bei Vossloh droht die Dividende erneut zu sinken. Das könnte an der komplizierten Eigentümer-Situation liegen. Wir liefern Hintergründe. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Bahn-Ausstatter Vossloh bewegt sich derzeit wie auf Schienen – es macht nicht den Anschein, als könne das Unternehmen den Kurs ändern. Kürzlich schwor man beim Unternehmen seine Aktionäre erneut auf eine niedrigere Dividende ein. Bereits für das Geschäftsjahr 2012 mussten Anteilseigner eine Kürzung von 2,50 € je Aktie auf 2,00 € hinnehmen. Jetzt könnte es weiter bergab gehen. Grund sind schlechte Ergebnisse.

Vossloh wurde 1888 als Schmiede gegründet und ist heute ein weltweit operierender Spezialist für Bahntechnik. Kerngeschäftsfelder sind die Bahn-Infrastruktur (Weichen, Schienenbefestigungen) sowie Schienenfahrzeuge und Elektrobusse, in denen der Konzern eine weltweit führende Marktposition besitzt. Zur Vossloh-Gruppe gehören rund 90 Gesellschaften in 30 Ländern.

Probleme im operativen Geschäft

Vossloh hat im 1. Halbjahr erneut schwer enttäuscht. Der Umsatz ist zwar um 8,8% gestiegen, weil das China-Geschäft wieder angesprungen ist. Das operative Ergebnis hat sich aber um mehr als die Hälfte auf 12,5 Mio € halbiert. Unter dem Strich ist der Konzern sogar in die roten Zahlen gerutscht. Einziger Lichtblick ist die Auftragslage. Vossloh hat Aufträge im Wert von 618,3 Mio € erhalten und kann jetzt einen Auftragsbestand von 1,54 Mrd € vorweisen.

Während das Geschäft mit Produkten und Dienstleistungen rund um die Schiene (Rail Infrastruktur) mit einem Zuwachs von 20,5% auf 426,6 Mio € überzeugte, bereitet das Geschäft mit Schienenfahrzeugen und Fahrzeugkomponenten (Transportation) Probleme. Anhaltende Verzögerungen bei einzelnen Projekten führten zu einem Umsatzrückgang von 10,4% auf 195,7 Mio €.

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Zusätzlich belasteten Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe im Zusammenhang mit einer Schadensersatzklage die Ergebnisentwicklung in dieser Sparte. Vossloh hatte aber zunächst nicht mitgeteilt, welcher Kunde für welches Projekt Schadensersatz fordert. Auf jeden Fall sind nach dem schwachen Halbjahres-Zahlenwerk die früher genannten Jahresziele nicht mehr erreichbar.

Neuausrichtung schwierig

Vossloh hat zum wiederholten Mal Vertrauen verspielt. Zudem sind zwei Großaktionäre mit unterschiedlichen Interessen nicht förderlich für die Geschäftsentwicklung. Namentlich geht es dabei um die Gründerfamilie Vossloh und Heinz-Hermann Thiele.

Thiele hält mit 25,1% der Aktien eine Sperrminorität.Angesichts dieser schwierigen Eigentumssituation wird es für Vossloh schwer, das Unternehmen auf ein neues Gleis zu setzen. Für Privatanleger sollte Vossloh eine Mahnung sein. Ist die Eigentümer-Situation schwierig, fällt es meist auch schwer, einen Konzern neu auszurichten. Dass der Dividenden-Kürzung von vor einem Jahr nun höchstwahrscheinlich ein weiterer Schnitt folgt, ist daher keine Überraschung.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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