Volkswagen will in seiner Produktion eine radikale Änderung einführen

In den vergangenen 14 Monaten hat Volkswagen überwiegend unschöne Schlagzeilen produziert:

Es ging um Manipulations-Software, geschönte Abgaswerte, systematische Vertuschung und schließlich Milliarden-Zahlungen in den USA.

Nun aber gibt es eine Meldung aus dem riesigen Automobil-Konzern, die geradezu revolutionär anmutet:

Die Premium-Tochter Audi will offenbar die Produktions-Mechanismen rigoros umkrempeln und künftig auf Fließband-Arbeit verzichten.

Das wäre ein absolutes Novum in der Automobil-Industrie, die seit der Erfindung eben jenes Fließband-Prozesses durch Henry Ford ihre Produktions-Effizienz gerade darauf aufbaut.

In Ingolstadt hat man sich nun aber etwas Neues ausgedacht, und das erscheint bei näherer Betrachtung durchaus zukunftsfähig: die modulare Montage.

Audi: weg vom Fließband?

Dabei nimmt nicht mehr jedes Fahrzeug den Weg über das komplette Produktions-Fließband mit all seinen Zwischenstationen.

Stattdessen soll es Montage-Inseln geben, die gezielt angesteuert werden – und zwar nur dann, wenn die dort einzubauende Komponente für das Einzelfahrzeug auch tatsächlich benötigt wird.

Damit will man bei Audi dem Umstand Rechnung tragen, dass die meisten Kunden inzwischen individuelle Ausstattungs-Varianten bestellen und eben nicht mehr ein Fahrzeug dem anderen gleicht, wie es zu Anfangszeiten der Fließband-Produktion noch der Fall war.

Von der Umstellung der Montage-Arbeiten verspricht sich der Konzern eine höhere Effizienz, schnellere – und somit höhere – Produktions-Kapazitäten sowie sinkende Kosten.

Bei einer Veränderung des jeweiligen Modells muss dadurch nicht mehr der gesamte Produktions-Prozess gestoppt und umgestellt werden.

Nein, es kann an einer Stelle weitergearbeitet werden, während an anderer Stelle etwas Neues entsteht.

VW-Aktie braucht neuen Schub

Noch handelt es sich dabei um ein Insel-Projekt, ein gewagtes Experiment; immerhin werden damit Strukturen über den Haufen geworfen, die sich seit 100 Jahren etabliert und bewährt haben.

Allerdings sind die veränderten Kunden-Ansprüche und der Export von Autos rund um den Globus durchaus gute Argumente, festgefahrene Mechanismen zu überdenken und sich für die Zukunft fit zu machen.

Gelingt die Umstellung, könnte das neue Verfahren Schule machen, sowohl innerhalb des VW-Konzerns als auch möglicherweise bei der Konkurrenz.

Neuen Anschub könnte die Branche jedenfalls gut gebrauchen. Das gilt auch mit Blick auf die Aktien der 3 im DAX gelisteten Automobil-Hersteller.

BMW, Daimler und Volkswagen zählen im laufenden Jahr zu den Verlierern im Leitindex, wobei das Minus der VW-Aktie etwas moderater ausfällt als das der beiden Konkurrenten, deren Anteilsscheine jeweils 2-stellig verloren haben.

Analysten haben sich nach dem Drama-Jahr inzwischen wieder mit Volkswagen versöhnt; sie rechnen der VW-Aktie mittlerweile deutliches Aufwärts-Potenzial aus.

Die Kursziele der jüngsten Studien mit Kaufempfehlung – und davon gab es zuletzt eine ganze Menge – bewegen sich im Rahmen zwischen 140 € (HSBC) und 180 € (UBS).

Zuletzt kostete das Papier rund 125 €.

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2. Dezember 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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