VW Aktie: Gibt es Anlass zur Hoffnung?

Die VW Aktie rutscht immer tiefer ins Minus, doch Analysten wittern bereits den Turnaround. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Es sind zwei Marken, die in den vergangenen Jahren vor allem für Negativschlagzeilen gesorgt haben: Volkswagen und BER. Nun tun sich die beiden Pannenkönige zusammen – zumindest zeitweise.

Denn Volkswagen braucht dringend einen Parkplatz. Einen richtig großen Parkplatz, es geht um zehntausende Fahrzeuge, die zwischengelagert werden müssen. Da kommt das brachliegende Gelände des Berliner Nicht-Flughafens den Wolfsburgern gerade recht.

VW hinkt hinterher

Medienberichten zufolge hat der VW-Konzern größere Flächen angemietet, um dort Autos zwischenzuparken, die aufgrund der neuen, ab 1. September obligatorischen WLPT-Abgastests noch auf ihre Zulassung warten und wohl erst mit einiger Verzögerung ausgeliefert werden können.

Dem BER kommen die zusätzlichen Einnahmen gerade recht, und auch bei VW dürfte man froh sein, das Problem zügig gelöst zu haben. Denn man ist in Wolfsburg sowieso schon spät dran mit der WLPT-Umrüstung.

Lediglich eine Handvoll Fahrzeuge aus dem Hause VW genügen bislang den neuen Standards, BMW und Daimler haben hier schon wesentlich mehr Modelle nachgerüstet. In Wolfsburg begründet man die Verzögerungen mit den Zusatzbelastungen, die durch den Dieselskandal entstanden waren: Erst einmal habe man sich schließlich um Zulassungsverfahren für die betroffenen Dieselfahrzeuge kümmern müssen, dadurch seien die entsprechenden Abteilungen ausgelastet gewesen. Da kann schon mal was liegenbleiben.

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Diess krempelt den Laden um

Nun aber macht Herbert Diess, vormals VW-Markenchef, seit dem Frühjahr VW-Vorstandsvorsitzender, Druck: Fahrzeuge nachrüsten, Konzern umstrukturieren, Markensegmente zusammenfassen, Vertriebswege digitalisieren, Image aufpolieren – das volle Programm. Diess will sein Unternehmen fit machen für die Zukunft und den Dieselskandal so schnell wie möglich abhaken. Statt der Negativschlagzeilen sollen Erfolgsstorys her.

Doch das ist gar nicht so einfach, denn die juristische Aufarbeitung der Dieselaffäre dürfte sich noch über einige Jahre hinziehen und immer wieder auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Neue Entwicklungen wie das kürzlich von Seiten der deutschen Behörden verhängte Milliardenbußgeld oder auch die Verhaftung von Audi-Markenchef Rupert Stadler machen Diess immer wieder einen Strich durch die Rechnung.

VW Aktie: Kursschwäche als Kaufgelegenheit?

Anleger hatten zuletzt jedenfalls so gar keine Lust mehr auf die VW Aktie. Massenweise trennten sie sich von dem Papier, das auf Monatssicht um rund 15 Prozentpunkte abgerutscht ist und zum Wochenauftakt nur noch gut 140 Euro kostete.

Immerhin: Analysten sind da weniger pessimistisch. Sie werten die jüngste Kursschwäche mehrheitlich als günstige Kaufgelegenheit und raten dazu, sich mit dem Papier einzudecken. Die mit den Kaufempfehlungen einhergehenden Kursziele lagen dabei zuletzt stets jenseits der 200 Euro.

Offenkundig trauen die Analysten Herbert Diess zu, das Ruder beim Riesentanker VW herumzureißen und das Unternehmen in eine bessere Zukunft zu führen. Inwieweit Anleger dieser Einschätzung folgen, bleibt jedoch abzuwarten. Zuletzt ging es stetig abwärts.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.