VW-Aktie: Hürdenlauf in vielfacher Hinsicht

Der Volkswagen-Konzern steht dieser Tage extrem im Fokus der Medien.

Ich finde es bemerkenswert, dass diese Dinge ausgerechnet kurz vor der Morgen in Hannover stattfindenden Jahres-Hauptversammlung des Unternehmens an die Öffentlichkeit dringen:

Wie am Sonntag bekannt wurde, lässt sich der Rechtsdienstleister My-right.de von VW-Diesel-geschädigten deutschen Bürgern deren Rechtsansprüche abtreten. Das Ziel ist, auf diese Weise allein einen Vergleich mit dem Autokonzern anzustreben oder – bei Misslingen – gerichtlich gegen ihn vorzugehen.

Bislang sollen sich mehr als 100.000 VW-Geschädigte bei My-right.de registriert haben, um auf diesem Umweg eine – im Gegensatz zu den USA – in Deutschland gesetzlich nicht mögliche Sammelklage gegen Volkswagen zu führen.

Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Marktmanipulation

Gestern ließ die Staatsanwaltschaft Braunschweig aufhorchen: Aufgrund einer Strafanzeige der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) war ermittelt und „ein Anfangsverdacht auf Marktmanipulation bei Wertpapieren von Volkswagen“ festgestellt worden.

Im Fokus der Staatsanwaltschaft Braunschweig stehen der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn sowie ein weiteres früheres Mitglied des VW-Vorstands. Beiden Personen wird vorgeworfen, Börse und Anleger zu spät über die Abgas-Manipulationen informiert zu haben.

VW-Crash noch einmal aufgedröselt

Zur Erinnerung: Am 21. September 2015 wurden die Vorwürfe der US-Umweltbehörde publik gemacht, der VW-Konzern habe die Ermittlung von Abgaswerten für seine Diesel-Fahrzeuge in den USA mittels Software manipuliert.

Der damalige Volkswagen-Chef Winterkorn hatte die Irreführung am Tag zuvor in einer Erklärung zwar schon eingestanden. Die offizielle Ad-hoc-Mitteilung nach § 15 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) erfolgte indes erst am 22. September 2015.

Schauen wir uns dazu noch einmal die seinerzeitige Kursentwicklung etwas genauer an:

vw vz grafik 1-21-06-2016

VW VZ: Chronik des Abgasskandal-Crashs

Am 21. September 2015 verlor die VW-Vorzugsaktie (VZ) zeitweilig -22,8%. Als die Ad-hoc-Mitteilung am 22. September 2015 noch einmal alles bestätigte, raste die Notierung weitere bis zu -23,3% in den Keller.

Zu vermuten, dass Insider bereits am Freitag, den 18. September 2015, „Kasse gemacht“ hätten, laufen indes ins Leere: An diesem Tag gab die VW VZ-Aktie zwar um -3,2% nach, der DAX verlor jedoch ebenfalls bis zu -3,6% – und das aus gutem Grund:

An jenem 18. September 2015 war nämlich „Hexensabbat“. An diesem „großen“ Verfalls-Termin werden, neben den Optionen, zusätzlich die Futures fällig gestellt. An diesen Terminen sind starke Kursausschläge und überdurchschnittliche Umsätze „normal“.

Ich bin daher schon gespannt, was die Staatsanwaltschaft Braunschweig hier konkret ermittelt haben will. Wie Sie an den eingezeichneten Tagelinien ablesen können, war die VW-VZ-Aktie allerdings auch schon lange vor dem 18. September 2015 kein Investment!

Ist die VW-Aktie aktuell ein Investment wert?

Wichtiger als das derzeitige „Brimborium“ um VW erscheint mir indes, wie sich die aktuelle Charttechnik für die VW Vorzugsaktie darstellt. Konkret: Lohnt es sich zurzeit, in die VW-VZ-Aktie einzusteigen?

vw vz grafik 2-21-06-2016

VW VZ: Es stehen noch extrem hohe Hürden im Weg

Die rote Linie im Chart macht schnell deutlich, dass sich der DAX-Titel noch immer in einem Abwärtstrend bewegt. Weiterhin sehen Sie, dass in den vergangenen Monaten die Chart-Formation „ansteigendes Dreieck“ ausgebildet wurde:

Grundsätzlich ist dies erfreulich zu werten, da das ansteigende Dreieck eine positive Prognose-Kraft besitzt. Allerdings:

Oberhalb von 136 € warten gewaltige Hürden

Wenn der VW VZ-Aktie der Ausbruch über die Oberkante des Dreiecks bei 136,00 € gelingt, dann warten anschließend gleich 2 weitere Hürden: der Abwärtstrend seit März 2015 und die am 21. September 2015 gerissene, gigantische Abwärts-Kurslücke zwischen 142,90 € und 161,65 €.

Um der VW-VZ-Aktie derart viel Auftrieb zu geben, dass diese Hürden überwunden werden können, bedarf es schon einer sensationell guten Nachrichtenlage für das Unternehmen.

Ganz ehrlich: Aktuell habe ich diesbezüglich so meine Zweifel!

21. Juni 2016

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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