VW-Aktie: Kann Matthias Müller die Probleme lösen?

Matthias Müller wird wohl neuer Vorstandsvorsitzender in Wolfsburg. Kann der Porsche-Chef den Absturz der Volkswagen-Aktie aufhalten? (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Es ist aktuell wahrscheinlich der schwierigste Job in der gesamten Auto-Branche. Nachdem sich Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals nur noch wenige Tage im Amt halten konnte, rückt nun aller Voraussicht nach der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller ans Steuer des Wolfsburger Großkonzerns.

Somit erfüllt sich nun mit etwas Verspätung wohl doch noch der Plan des ehemaligen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der Müller bereits im Frühjahr auf dem Höhepunkt des Machtkampfes mit Ex-Vorstandschef Winterkorn ins Spiel gebracht hatte. Damals lehnte Müller noch ab – für den neuen Posten sei er mit seinen 62 Jahren zu alt.

Dennoch ist wohl auszuschließen, dass Piëch sich nun über den neuen Mann an der VW-Spitze freuen dürfte, hat sein Lebenswerk Volkswagen in den vergangenen Tagen doch großen Schaden genommen.

VW-Aktie: Absturz nach Aufstieg an die Spitze

Für Volkswagen kommt der Skandal zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Erst im Sommer konnte sich das Unternehmen erstmals an die Spitze der größten Autobauer weltweit setzen – und der Angriff auf die Erzrivalen Toyota und General Motors schien sich bereits Jahre vor dem eigentlichen Plan für das deutsche Unternehmen auszuzahlen.

Wie hoch der Schaden für den Volkswagen-Konzern nun am Ende ausfallen wird, ist bislang noch nicht abzusehen. Neben der drohenden Milliardenstrafe durch die US-Behörden rollt inzwischen eine Klagewelle von Käufern auf VW zu, die den Konzern weitere Milliarden kosten dürfte.

Inzwischen fordern auch hierzulande Politiker Entschädigungen für die betrogenen Käufer. So sagte NRW-Justizminister Tomas Kutschaty in einem Interview mit der Rheinischen Post, Verkehrsminister Alexander Dobrindt müsse „einen verbindlichen Rahmen mit VW vereinbaren, wie die Betroffenen entschädigt werden müssen.“

Finanziell dürfte Volkswagen die Krise allerdings mit reinem Blechschaden überstehen, hatte man doch erst 2014 Rekordgewinne von mehr als 12 Milliarden Euro eingefahren. Schwerer dürfte allerdings der Imageschaden wiegen. Vor allem auf dem so wichtigen US-Markt droht den Konzernmarken Volkswagen und Audi nun ein dickes Absatzminus.

Besonders bitter ist dies, weil parallel zur Bekanntgabe des Skandals das neue US-Modell des VW Passats vorgestellt wurde, der die Konkurrenz von Ford und GM auf ihren Heimatmärkten stark unter Druck setzen sollte.

Porsche SE kauft deutschen Mittelständler PTVDie Beteiligungs-Gesellschaft Porsche SE kauft einen mittelständischen Software-Entwickler. Lesen Sie in diesem Beitrag die Details. › mehr lesen

Matthias Müller soll VW-Aktie wieder nach oben führen

Nun soll Matthias Müller das Ruder herum reißen und das Vertrauen in die Marke wieder herstellen. Genug Erfahrung besitzt er auf jeden Fall. Bereits in den 1970er Jahren trat Müller in den VW-Konzern ein, damals noch als Lehrling bei Audi. Bereits 1984 wurde ihm dann eine Führungsposition im EDV-Bereich des Unternehmens angeboten: der Beginn des steilen Aufstiegs, oftmals eng verbunden mit dem Namen Martin Winterkorn.

Dieser ernannte Müller 2002 zunächst zum Chefkoordinator der Marken Audi, Seat und Lamborghini, 5 Jahre später dann zum Generalbevollmächtigten in Wolfsburg. 2010 war der Aufstieg Müllers dann perfekt. Nach der Übernahme der Porsche AG im Jahr zuvor wurde Matthias Müller am 1. Oktober 2010 zum Vorsitzenden der Sportwagenmarke ernannt.

Mit neuen Produkten wie dem SUV Macan konnte Müller dort beachtliche Erfolge erzielen. Für 2014 gab der Sportwagenhersteller Rekorde bei Auslieferungen, Umsatz und Gewinn bekannt. Das Unternehmen hofft nun, dass Müller diese Erfolgsgeschichte im Gesamtkonzern fortsetzen kann, eventuell auch mit harten Maßnahmen.

Börse reagiert positiv auf Müller

An der Börse wurde die Personalie Matthias Müller gut aufgenommen. Seit dem absoluten Kurstief am Mittwochmorgen konnte die VW-Aktie bis Freitagmittag wieder gut 12 % gewinnen. Innerhalb der vergangenen Woche ist der Kurs dennoch um fast 30 % gefallen.

Ein Einstieg ins Wertpapier bleibt aktuell jedoch weiterhin risikobehaftet, weil immer noch nicht alle Details des Skandals und der möglichen Folgen bekannt sind. Auch beim Namen Markus Müller bleibt ein Restrisiko: 2009, als die Manipulationen in den Vereinigten Staaten begannen, war Müller für die Konzernstrategie der Wolfsburger verantwortlich.

Martin Winterkorn wird Berichten zufolge derweil weiterhin als Vorsitzender der Muttergesellschaft Porsche Automobil Holding und aus Aufsichtsratschef der Audi AG in der Führungsetage der Wolfsburger bleiben. Den Posten von Müller bei Porsche soll derweil der bisherige Produktionsvorstand Oliver Blume übernehmen.

Sind die Personalien dann geklärt, starten in Wolfsburg die Aufräumarbeiten. Genug zu tun gibt es für den neuen Chef allemal.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Felix Reinecke
Von: Felix Reinecke. Über den Autor

Felix Reinecke war in der Vergangenheit als Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen tätig und verstärkt seit 2011 das Team von GeVestor.