VW Aktie: Prozesse beginnen, Anleger flüchten

Gleich mehrere große Prozesse gegen den VW Konzern starten in diesem Herbst. Die VW Aktie schwächelt, Anleger gehen in Deckung. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Ungewöhnliche Umstände verlangen ungewöhnliche Maßnahmen. Einen Betrugsskandal im Ausmaß der Dieselaffäre von Volkswagen, bei dem zigtausende Kunden in Deutschland, Europa und darüber hinaus durch die Machenschaften eines Konzerns geschädigt wurden, gibt es – glücklicherweise – nicht allzu oft.

Dass an Kunden in den USA aufgrund der dort üblichen horrenden Schadensersatzzahlungen, die Einzelpersonen durch Gerichte zugesprochen werden, in außergerichtlichen Einigungen hohe Summen ausgezahlt wurden, während Autokäufer hierzulande oftmals leer ausgehen, erschien vielen als himmelschreiende Ungerechtigkeit.

Abgasskandal führt zu Musterfeststellungsklage

Nun wurde praktisch als direkte Reaktion auf den Abgasskandal in Deutschland das juristische Werkzeug einer Musterfeststellungsklage eingeführt. Dabei kann anhand weniger Einzelfälle ein Verfahren durchexerziert werden, das einen grundsätzlichen Anspruch auf Schadensersatz feststellt oder eben nicht feststellt. Dieses Urteil wiederum dient dann als Grundlage für die Einzelklagen der geschädigten Verbraucher.

Im Falle von Volkswagen wird die Musterfeststellungsklage nun zum ersten Mal eingesetzt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wird gemeinsam mit dem ADAC die Klage gegen Volkswagen führen, das Verfahren dürfte in wenigen Wochen beginnen. Mit einem endgültigen Urteil wird jedoch erst in einigen Jahren gerechnet, von 2022 ist dabei mitunter die Rede.

Der Klage anschließen können sich zunächst nur Kunden, die Dieselfahrzeuge eines bestimmten Motorentyps gekauft haben. Sie könnten selbst dann Schadensersatzansprüche zugesprochen bekommen, wenn sie ihr Fahrzeug in der Zwischenzeit weiterverkauft haben.

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Dass es nun schnell gehen muss, hängt auch mit Verjährungsfristen zusammen. Noch in diesem Jahr müssen die betroffenen Kunden klagen, sonst verfallen etwaige Ansprüche. Volkswagen verweist unterdessen auf Urteile zugunsten des Autobauers beziehungsweise der Händler und weist damit Ansprüche auf Schadensersatz zurück.

VW Aktie: Auch Anleger klagen gegen Volkswagen

Nicht nur mit Autokäufern trifft sich der VW-Konzern zurzeit vor Gericht, um die Manipulation der Dieselfahrzeuge aufzuarbeiten. Auch von Seiten der Aktionäre läuft eine Klage unter Federführung der Sparkassen-Tochter Deka Investment.

In diesem zweiten Verfahren geht es in erster Linie darum, festzustellen, wer wann was wusste – und wann entsprechende Informationen an die Anleger hätten weitergegeben werden müssen. Nachdem der Skandal durch US-Behörden im September 2015 aufgedeckt wurde, rauschte die VW Aktie massiv in den Keller. Etliche Anleger fuhren hohe Verluste ein – und wollen hierfür nun ebenfalls entschädigt werden.

Zwar hat sich der Aktienkurs zwischenzeitlich wieder etwas erholt und auch die Absatzzahlen der ersten Monate des laufenden Jahres deuteten darauf hin, dass Volkswagen die schlimmste Krise überwunden haben dürfte. Doch zuletzt gingen Anleger wieder in Deckung. Die VW Vorzugsaktie, die im Dax gelistet ist, hat in den vergangenen sechs Monaten gut 10 Prozent an Wert verloren.

Zuletzt wurde das Papier für unter 140 Euro gehandelt. Vor dem Skandal war es einmal mehr als 250 Euro wert gewesen. Den Sprung über die 200-Euro-Marke jedoch hat die Aktie in den vergangenen drei Jahren kein einziges Mal geschafft, und auch jetzt sieht es nicht danach aus, als würde er in nächster Zeit gelingen. Dafür sind die Unwägbarkeiten aktuell schlichtweg zu groß.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.