VW-Aktie setzt zur Erholung an

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Winterkorn tritt zurück, die VW-Aktie erobert die Dax-Spitze – auch am Mittwoch beherrschte das Wolfsburger Drama das Börsengeschehen. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Nach zwei Tagen im freien Fall hat sich die VW-Aktie am Mittwoch etwas gefangen. Sie hatte seit Beginn des Abgasmanipulationsskandals rund 40 Prozent an Wert verloren und kostete weniger als die Hälfte des Hochs, das sie im Frühjahr markiert hatte.

VW-Aktie erobert Dax-Spitze

Am Mittwoch nun ging es für Volkswagen um 5,2 Prozent nach oben, womit sich der Autobauer die Dax-Spitze sicherte. Dabei dürften zwei Faktoren eine Rolle gespielt haben: Zum einen scheinen Anleger davon auszugehen, dass eine so starke Marke wie Volkswagen selbst einen heftigen Skandal einigermaßen überstehen wird und die Einstiegsgelegenheit gerade so günstig war wie schon lang nicht mehr.

Zum anderen verkündete der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn am Nachmittag seinen Rücktritt. Damit verlieren die Wolfsburger innerhalb weniger Monate nach Firmenpatriarch Ferdinand Piëch auch den zweiten großen Mann an der Spitze.

Winterkorn hat den Konzern sehr erfolgreich geführt, im ersten Halbjahr 2015 schaffte es VW erstmals, Toyota zu überholen und somit nach Zahlen zum weltgrößten Autobauer aufzusteigen – ein Ziel, das man sich in Niedersachsen für 2018 gesetzt hatte.

Personeller Neustart

Doch nun stehen die Zeichen auf Neustart, und das eben auch in struktureller und personeller Hinsicht. Aus VW-Kreisen hieß es, man wolle zügig einen Nachfolger für Martin Winterkorn präsentieren, womöglich noch im Laufe dieser Woche.

Der neue Konzernchef wird vor schwierigen Mammutaufgaben stehen, denn es wird wohl Jahre dauern, bis die juristischen Folgen des Skandals aufgearbeitet sind. Neben strafrechtlichen Ermittlungen verschiedener Behörden drohen auch zivilrechtliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldklagen, die gerade in den USA gerne mal teuer werden können.

Zudem werden wohl Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen. Die Rede war zuletzt von rund elf Millionen Autos weltweit, die betroffen sein könnten.

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Dax auf Erholungskurs

In Frankfurt setzte indes nicht nur die VW-Aktie, sondern auch der Dax insgesamt auf Erholung. Für den Leitindex ging es 0,4 Prozent aufwärts auf 9.612 Punkte. Positiv stach neben Volkswagen auch die Lufthansa-Aktie hervor, die sich um fast 4 Prozent verteuerte. Optimistisch gestimmte Analystenkommentare und der anhaltend niedrige Ölpreis sorgten für Auftrieb – die Airline profitiert von den gesunkenen Kerosinkosten.

Die VW-Konkurrenten BMW und Daimler platzierten sich mit leichten Aufschlägen im Mittelfeld der Dax-Werte. Sie rückten um 0,6 und 0,3 Prozent vor. Besser lief es für die zuletzt arg gebeutelten Energiekonzerne. Aktien von Eon und RWE verteuerten sich um 0,8 und 1,6 Prozent.

Nur wenige Werte rutschten in die Verlustzone, darunter die Commerzbank und die Deutsche Bank, deren Kurse um 0,3 beziehungsweise 0,8 Prozent nachgaben. Auch Dax-Neuling Vonovia verzeichnete erneut ein leichtes Minus von 0,3 Prozent.

Schlusslichter waren ThyssenKrupp mit einem Tagesverlust von 1,3 Prozent sowie Infineon, dessen Aktien um 2,1 Prozent nachgaben.

Euro-Zone auf gutem Weg, China schwächelt

Konjunkturdaten sorgten für insgesamt gemischte Grundstimmung am Parkett: Während sich die Euro-Zone weiter erholt, bleibt die chinesische Wirtschaftsentwicklung eher schwach und sorgt weiterhin für Bauchschmerzen.

Gerade aus Sicht der deutschen Anleger überschattet in dieser Woche aber der VW-Skandal bisher alle anderen börsenrelevanten Nachrichten.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.