VW Aktie taumelt abwärts

Bußgeld, Verhaftung, Strafzölle – die VW Aktie steht massiv unter Druck. Derweil arbeitet Volkswagen an der Digitalisierung des Vertriebs. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Die Digitalisierung kommt – und sie hinterlässt ihre Spuren nicht nur beim Einzelhandel von Schuhen und Oberbekleidung, sondern absehbar auch in der Autobranche.

Bislang war der Weg zum Händler obligatorisch, wenn ein Kunde ein Neufahrzeug erwerben wollte. Ein Auto per Mausklick einfach online zu bestellen, ist zwar vereinzelt schon möglich, bislang jedoch nicht die Regel. Das könnte sich bald ändern.

Digitalisierung der Vertriebswege

Volkswagen arbeitet derzeit an einer breit angelegten Offensive mit dem deutschen Händlerverband. Demnach sollen die Vertriebswege in den kommenden Jahren umgestellt und digitalisiert werden. Für die Umrüstung stellt der VW-Konzern seinen Vertragspartnern Millionen zur Verfügung, allerdings muss die vollständige Digitalisierung denn auch bis 2020 umgesetzt werden. Entsprechende Verträge sollen bereits im Herbst abgeschlossen werden, die Verhandlungen sind dem Vernehmen nach weit fortgeschritten.

Mit dem Schritt versucht der Hersteller einer möglichen Konkurrenz durch etablierte Onlinehändler wie beispielsweise Amazon zuvorzukommen. Dass der Internetgigant in naher Zukunft auch im Autohandel mitmischen könnte, darüber wird bereits seit Monaten diskutiert. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis es soweit ist.

Das haben auch die Vertragshändler erkannt und sich wohl nicht zuletzt deswegen auf die Gespräche mit dem VW-Konzern eingelassen, denen man anfangs eher skeptisch gegenüberstand.

VW wird den Dieselskandal nicht los

Für Volkswagen ist das Projekt richtungsweisend: Seit dem Chefwechsel im Frühjahr wird in Wolfsburg einiges umgekrempelt. Dass neben der Konzernstruktur auch die Vertriebswege auf den Prüfstand gestellt werden, ist da nur folgerichtig.

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Dennoch schafft es Volkswagen nicht, den Dieselskandal so richtig loszuwerden. Kaum dass es zwischenzeitlich aufwärts ging, verhagelte die Nachricht über die Verhaftung eines Audi-Managers die Stimmung, auch an der Börse.

Da half es auch wenig, dass Volkswagen mit der Akzeptanz des Bußgeldes, das die deutschen Behörden verhängt hatten, eine weitere Baustelle in der Aufarbeitung des Skandals abhaken konnten.

VW Aktie im Keller – Anleger fürchten US-Zölle

Hinzu kommt ein unberechenbarer US-Präsident, der es neuerdings zu seinem Hobby auserkoren hat, mit Strafzöllen um sich zu werfen – diverse Produkte aus etlichen Ländern sind bereits betroffen, und auch die Automobilindustrie hat reichlich Grund zu zittern.

Von einem Aufschlag um bis zu 25 Prozent ist die Rede – und die Unterhändler auf europäischer Seite machen den hiesigen Herstellern kaum Hoffnung darauf, die Maßnahme noch abwenden zu können. Ein solcher Schritt dürfte nicht nur die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Europa weiter belasten, sondern sich auch in den Bilanzen von Volkswagen und Co. niederschlagen, die Jahr für Jahr zahlreiche Fahrzeuge in die Vereinigten Staaten exportieren.

Die VW Aktie jedenfalls steht seit einigen Wochen wieder massiv unter Druck. Sie hat auf Monatssicht rund 15 Prozent an Wert eingebüßt und kostete zuletzt noch etwa 145 Euro.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.