VW Aktie: Verhaftung bei Porsche – wie geht es weiter?

Die VW Aktie hatte seit März wieder Fahrt aufgenommen, legt jetzt aber den Rückwärtsgang ein. Ermittlungen bei Porsche belasten den Kurs. (Foto: Evannovostro / shutterstock.com)

Gerade erst schien es, als hätte der Volkswagen Konzern das Schlimmste überstanden.

Seit Bekanntwerden des Skandals um systematisch manipulierte Abgaswerte in Dieselfahrzeugen im Herbst 2015 standen die Wolfsburger lange unter Druck – und mit ihnen die VW Aktie, die in den Keller rauschte und sich zwischenzeitlich im Wert mehr als halbierte.

Nun aber gab es wieder positive Meldungen: Die gröbsten Rechtsstreitigkeiten vom Tisch – vor allem in den USA, wo es gerne schnell mal teuer wird vor Gericht –, eine gute Geschäftsbilanz für 2017 und neue Absatzrekorde zu Beginn des laufenden Jahres ließen die VW Aktie zuletzt wieder ansteigen.

Absatzrekorde in Q1

So konnte das Unternehmen im ersten Quartal mehr als 2,6 Millionen Fahrzeuge weltweit ausliefern – ein Plus von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der März ging sogar als bester Monat der Konzerngeschichte überhaupt in die Annalen ein mit 1,04 Millionen verkauften Fahrzeugen.

Während das Absatzplus im Heimatmarkt Deutschland mit 3 Prozent eher moderat ausfiel und wohl noch von der hierzulande stark debattierten Dieselaffäre belastet wird, hat man VW in den USA offenbar bereits verziehen: Nach hohen Geldstrafen legte der Absatz dort im Auftaktquartal 2018 um fast 10 Prozent zu. China stach unterdessen erneut als wichtigster Einzelmarkt hervor mit einem Plus von 13,4 Prozent in Q1.

Der Kurs der VW Aktie hatte seit März auch wieder deutlich an Fahrt aufgenommen und zeitweise um bis zu 15 Prozentpunkte zugelegt. Umso härter schlugen nun die Nachrichten ein rund um Razzien, Betrugsvorwürfe und Ermittlungen bei der VW-Tochter Porsche.

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Ermittlungen bei Porsche – auch gegen aktives Vorstandsmitglied

Der ehemalige Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz sitzt in Untersuchungshaft, insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft bei dem Luxusautohersteller gegen drei Personen – darunter erstmals auch gegen ein aktives Vorstandsmitglied, das jedoch nicht namentlich genannt wurde.

Insgesamt durchkämmten die Ermittler im Rahmen einer großangelegten Razzia zehn Standorte, betroffen waren neben Porsche auch solche von Audi, da Porsche selbst keine Dieselmotoren herstellt, sondern diese von der Konzernschwester bezieht.

Abgasmanipulation und verbotene Werbung wird den Verdächtigen vorgeworfen, die Ermittlungen dauern noch an. Ob und gegen wen letztendlich Anklage erhoben werden wird, ist jedoch noch offen. Die beteiligten Staatsanwaltschaften gaben zuletzt an, in diesem Jahr nicht mehr mit einer diesbezüglichen Entscheidung zu rechnen. Offenbar sind die Ermittlungen komplex und nehmen noch einige Zeit in Anspruch.

VW Aktie erneut unter Druck

Für Volkswagen bedeutet das, dass die Dieselaffäre auch in den kommenden Monaten und wohl noch Jahren immer wieder aufgekocht werden dürfte. Das mediale Interesse ist groß, zumal von Seiten der Politik Konsequenzen erwogen und beispielsweise Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in einigen deutschen Innenstädten diskutiert werden.

Wie sehr solche Negativschlagzeilen der VW Aktie nach wie vor zusetzen können, haben die vergangenen Tage gezeigt: Anleger strichen lieber schnell die jüngsten Gewinne ein, anstatt den Kaufempfehlungen zahlreicher Analysten zu folgen, die ihre Einschätzungen nach Vorlage der Absatzzahlen oftmals bekräftigt hatten. Die VW Aktie fiel innerhalb weniger Tage von knapp 179 auf zuletzt nur noch 171 Euro zurück.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.