VW Aktie: Was tun, was soll ich nur tun…?

Wenn Sie kurz nach Bekanntwerden des Skandals VW-Aktien kauften, dann haben Sie ein echtes Problem. Hier meine Lösung. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Gestern erhielt ich von einem Chartanalyse-Trends-Leser eine eMail, deren Fragen (und meine Antworten darauf) Sie gewiss auch interessieren werden:

„Sehr geehrter Herr Sommer, leider habe ich Ihren kostenlosen Newsletter erst vor wenigen Tagen entdeckt. Ich sage bewusst ‚leider‘, weil Sie bereits am 21. September vor einem Schnäppcheneinstieg in VW gewarnt hatten. Dieser vermaledeite Tag hat mich seither ein kleines Vermögen gekostet, da ich im großen Stil VW-Aktien zum Kurs von 140,50 Euro gekauft habe.

Inzwischen habe ich bereits knapp 30% meines Kapitaleinsatzes verloren. Nun mache ich mir große Sorgen, dass es bei der VW-Aktie vielleicht noch weiter abwärts gehen könnte.

Ich bin sehr gespannt, wie Sie die künftige charttechnische Entwicklung der VW-Aktie einschätzen. Vielleicht können Sie mir auch einen Rat geben, was ich in meiner gegenwärtigen Lage tun sollte? Ich könnte mir gut vorstellen, dass Ihre Antworten darauf auch andere Chartanalyse-Trends-Leser brennend interessieren würden. Für Ihre Mühe vielen Dank im Voraus!“

Lernen Sie aus Ihren Fehlern!

Dieser Bitte komme ich selbstverständlich gerne nach. Gestatten Sie mir jedoch vorab einige allgemeine Anmerkungen:

Klar: Hier wurde Kardinalfehler begangen. Daran ist nun einmal nichts mehr zu ändern. Was Sie jedoch ändern können, ist, aus den Fehlern zu lernen!

Setzen Sie nie wieder auf Abwärtstrends!

Aktien bewegen sich in Trends. Wenn Sie Chartanalyse-Trends schon länger abonniert haben, dann haben Sie diese simple Börsenweisheit gewiss schon häufig gelesen. Allerdings kann man diesen Satz auch nicht oft genug wiederholen.

Dabei ist es eigentlich ganz simpel: Wenn Sie Geld mit Aktien verdienen möchten, dann geht dies ausschließlich dann, wenn Sie teurer verkaufen, als Sie gekauft haben.

Nun können Sie sich sicherlich die Frage selbst beantworten, ob die Wahrscheinlichkeit für Kursgewinne in einem Abwärtstrend oder in einem Aufwärtstrend höher ist.

Wenn ein Aktienkurs derart massiv abstürzt, wie dies bei der VW-Aktie (nicht nur) am 21. September der Fall war – bis zu -23% im Handelsverlauf – dann können Sie getrost davon ausgehen, dass spätestens mit diesem Vorgang ein Abwärtstrend begonnen hat.

Auch sollten Sie sich einmal bewusst machen, wie viel Verkaufs-Power es bedarf, um eine DAX-Aktie wie VW an einem Tag derart unter Druck zu setzen: Immerhin wechselten bis zum 21. September (im 50-Tage-Durchschnitt) pro Handelstag VW-Aktien im Volumen von 250 Mio. Euro den Besitzer.

Darum warne ich immer und immer wieder so massiv vor den sogenannten „Schnäppchenkäufen“: Mit einem solchen Kursabsturz sind weitere Kursverluste in aller Regel „vorprogrammiert“.

Das Fatale an einem Abwärtstrend ist jedoch: Sie wissen zu Beginn NIE, wo die Talfahrt der Aktie enden wird.

Schrauben Sie Ihre Gier zurück!

Ein weiterer Punkt ist die Gier: Bei vielen Privatanlegern triumphiert offensichtlich die Gier über die Vernunft. Wie oben bereits geschrieben, ist schon der Denkansatz „was stark fällt, muss auch ebenso kräftig wieder steigen“ grundlegend falsch.

Zudem wurde hier ein weiterer Anlagegrundsatz verletzt: „Setze nie alles auf eine Karte!“ Ich selbst habe gegen diese Regel in meinen Anfangsjahren viele Male verstoßen. Und ich kann Ihnen versichern, es hat mich im wahrsten Wortsinn einen Haufen „Lehrgeld“ gekostet.

Charttechnik ist eindeutig – negativ!

Meine charttechnische Einschätzung zur VW-Aktie ist einfach und schnell dargelegt: Auch ich weiß nicht, ob der Kurs des Autobauers noch weiter fallen wird. Angesichts des bestehenden Abwärtstrends ist die Wahrscheinlichkeit dafür jedoch sehr hoch:

volkswagen vorzugs-aktie-22-10-2015

Volkswagen Vorzugs-Aktie: Alle Trends weisen klar abwärts

Die 3 eingezeichneten Tagelinien sprechen bereits Bände: Alle Trends – kurz-, mittel- und langfristig – weisen abwärts. Und noch schlimmer: Der Kurs der VW-Aktie notiert unter allen Tagelinien!

Was tun, was soll ich nur tun…?

Wie geht man am besten damit um, wenn man in eine solche Lage geraten ist? Meine Empfehlung ist simpel, aber dafür ausgesprochen wirksam.

Am wichtigsten ist: Sie überlassen dabei die Entscheidung dem Markt, ob Sie nun verkaufen sollten oder nicht. Das ist deshalb so bedeutsam, weil Sie als Anleger in einer solchen Lage regelmäßig zu blockiert sind, um zu handeln. Der psychologische Druck des ständig vor Augen geführten Verlustes lähmt einen.

Daher hier mein Rat, den Sie übrigens auch auf jede andere Aktie Ihres Portfolios anwenden können:

Suchen Sie sich am Wochenende den Tiefstkurs der gerade beendeten Handelswoche heraus. Bei VW wären das in der vergangenen Woche 101,10 Euro gewesen.

Platzieren Sie dann vor Beginn der anstehenden Handelswoche eine Stop-Loss-Order mit einem Limit das leicht unter dem Vorwochentief liegt, also hier beispielsweise 100,50 Euro oder 100,00 Euro. Dann warten Sie einfach ab, was passiert:

In diesem Fall wären Sie gleich am Montag ausgestoppt worden, da der Kurs direkt unter das Verkaufslimit rutschte.

Wird Ihre Position nicht ausgestoppt, wiederholen Sie die oben geschilderte Prozedur: Tiefstkurs der letzten Woche raussuchen, Limit für die Stop-Loss-Order entsprechend anpassen.

Auf diese Weise bleiben Sie solange investiert, wie die Aktie sich aufwärts bewegt. Wenn Sie ausgestoppt werden, hat der Markt das für Sie so entschieden.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.