VW Aktie: Wenig Reaktion auf Audi-Drama

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Ein Streik in Ungarn legt das Audi-Werk in Ingolstadt lahm, die VW Aktie reagiert kaum. Der Fall zeigt die neue Macht der Niedriglohnländer. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Sie ist für international agierende Konzerne Fluch und Segen zugleich: die Globalisierung. Auf der einen Seite können Produktionsstätten in Regionen mit günstigeren Lohnstrukturen ausgelagert werden, auf diese Weise werden Kosten gespart. Auf der anderen Seite erlaubt der weltweite Handel den Verkauf eigener Waren in Gegenden am anderen Ende der Welt, was die Gewinnpotenziale ankurbelt.

Doch das dicht verwobene globalisierte Waren- und Dienstleistungsnetz hat auch seine Tücken – und die werden dann besonders deutlich, wenn es hakt. Wenn zum Beispiel Regulierungen oder Strafzölle erhoben werden, die die Exporte teurer machen und dadurch die Margen schmälern. Oder wenn Lieferketten bedroht sind, weil ein Glied in der Kette ausfällt oder streikt.

Wie ein Streik in Ungarn die Produktion in Ingolstadt lahmlegt

Letzteres war Anfang des Jahres bei Audi zu beobachten. Im ungarischen Motorenwerk Györ legten die mehr als 10.000 Beschäftigten für eine Woche die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft forderte unter anderem eine Lohnanhebung um 18 Prozent oder mindestens umgerechnet 238 Euro. Letztlich wurde eine Einigung erzielt – laut Gewerkschaftsangaben stimmte Audi der Lohnerhöhung zu, das Unternehmen selbst äußerte sich nicht dazu.

Doch der einwöchige Ausstand machte sich für die VW-Premiumtochter bemerkbar: Mit ein paar Tagen Zeitverzögerung standen auch an mehreren deutschen Produktionsstandorten die Bänder still – weil die Motoren aus Ungarn fehlten, konnten die Fahrzeuge nicht wie geplant montiert werden.

Von dem mehrtägigen Produktionsstopp waren neben dem Stammwerk in Ingolstadt auch das Porsche-Werk in Leipzig sowie zuletzt das Audi-Werk in Neckarsulm betroffen, wie das Unternehmen mitteilte.

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Dennoch zeigte man sich zuversichtlich, von einer größeren Krise sei man weit entfernt, zudem habe man teilweise umdisponieren können und habe in der Produktion das Tempo gedrosselt oder eben die Fertigung anderer Fahrzeuge vorgezogen, die nicht mit den Motoren aus Ungarn bestückt würden.

VW Aktie bleibt stabil

Tatsächlich dürfte sich der Ausfall in der Bilanz eher als kleinere Delle denn als riesiges Loch bemerkbar machen. Doch das Ganze hat auch gezeigt, welche Macht einzelne Werke oder Gewerkschaften innerhalb globalisierter Lieferketten mittlerweile haben.

Gerade in Regionen mit niedrigen Löhnen, in die viele Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Produktion ausgelagert haben, könnten dadurch Begehrlichkeiten geweckt und Nachholprozesse in Gang gesetzt werden. Unterm Strich allerdings ist die Fertigung in Osteuropa auch trotz allmählicher Lohnsteigerungen immer noch sehr günstig im Vergleich zu Standorten etwa in Deutschland.

Anleger reagierten kaum auf die Entwicklungen der vergangenen zwei Wochen, die im Dax gelistete VW Vorzugsaktie bewegte sich eher seitwärts, nachdem sie im Januar kräftig zulegen konnte. Innerhalb eines Monats notiert das Papier derzeit rund 5 Prozent im Plus bei knapp 149 Euro, auf Jahressicht liegt die VW Aktie damit jedoch noch gut 12 Prozent im Minus.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.