VW: Der Prozess um Ex-Porsche-Chef Wiedeking – Teil 1

Erfahren Sie heute im 1. Teil dieser Serie die Hintergründe und Details zur geplatzten VW-Übernahme durch Porsche. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Der DAX schaffte heute zum 1. Mal seit September wieder den Sprung über die Marke von 10.200 Punkten.

Das Tagesplus von knapp 1% wurde von guten Quartalszahlen und neuen Übernahmen getragen.

Eine gescheiterte Übernahme wird in den nächsten Tagen und Wochen für Schlagzeilen sorgen.

Am morgigen Donnerstag beginnt der Prozess gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

Dieser dürfte der breiten Öffentlichkeit spätestens seit dem spektakulären Übernahme-Versuch von VW durch den von ihm damals geführten deutlich kleineren Sportwagen-Bauer Porsche im Jahr 2008 bekannt sein.

Vor Gericht muss sich Wiedeking ab morgen wegen ihm vorgeworfener Kursmanipulationen verantworten. Auch der ehemalige Porsche-Finanzvorstand Holger Härter steht unter Anklage.

Bevor ich im 2. Teil der kleinen Schlussgong-Serie auf Details zum morgen beginnenden Prozess eingehe, möchte ich Ihnen die Hintergründe noch einmal kurz schildern.

Denn: Schließlich liegen die Geschehnisse schon einige Jahre zurück.

Die Anfänge der geplanten VW-Übernahme durch Porsche

Im September 2005 gab Porsche Pläne für einen Einstieg bei VW bekannt und sicherte sich zunächst 20% der VW-Stammaktien.

Im Juni 2007 bündelte der Sportwagen-Hersteller die damals knapp 31% der VW-Stammaktien in einer Europäischen Aktiengesellschaft mit dem Namen Porsche Automobil Holding SE.

Am 6. Oktober 2008 verkündete der damalige Porsche- Chef Wendelin Wiedeking, dass Porsche den Anteil von VW nicht nur auf 50%, sondern sogar auf 75% der Stammaktien ausbauen will.

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Gleichzeitig gab er bekannt, dass Porsche seinen Anteil bereits auf 42,6% aufgestockt hat und zusätzlich 31,5% in Form von Optionen zur Kurssicherung hält.

Diese Nachricht löste damals einen Kurssprung der VW-Aktie auf über 1.000  € aus (aktueller Kurs: 100 €). Leerverkäufer hatten sich mit geliehenen Aktien verspekuliert und sorgten dadurch für einen sogenannten Short-Squeeze.

Denn sie mussten sich um jeden Preis mit VW-Aktien eindecken und das Angebot an VW-Aktien war extrem knapp.

Dadurch kam der völlig verrückte Kurssprung der VW-Aktie zustande. VW war für einige Minuten das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt.

Im Januar 2009 sicherte sich Porsche die Mehrheit an Volkswagen. Der Anteil an VW lag zu diesem Zeitpunkt bei 50,76% der Stammaktien.

Porsche verabschiedet sich von den Übernahmeplänen

Am 6. Mai 2009 begrub Porsche dann jedoch die waghalsigen Pläne zur Übernahme des wesentlich größeren VW-Konzerns. Die beiden Autobauer wollten fortan einen integrierten Autokonzern bilden.

Diese Entscheidung trafen die Familien Porsche und Piech als Porsche-Eigner zum damaligen Zeitpunkt in Salzburg

Im Juli 2009 triumphierte VW schließlich endgültig über Porsche. Porsche-Chef Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter mussten gehen und Porsche sollte unter das Dach von VW schlüpfen.

Das Hauptproblem der Stuttgarter: Durch den waghalsigen Versuch der VW-Übernahme hatte Porsche einen Schuldenberg von 11,4 Mrd. € angehäuft.

Am 20. August 2009 wurde bekannt, dass Wiedeking nach dem Übernahme-Drama ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten ist. Auch gegen Ex-Finanzchef Holger Härter wurde fortan ermittelt.

Ausblick: Am Freitag erfahren Sie im 2. Teil weitere Hintergründe zu diesem packenden Wirtschaftskrimi. Außerdem werde ich auf die Erkenntnisse des 1. Prozesstages eingehen.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.