VW: Käufer ignorieren „Jahrhundertskandal“

Während viele Medien den VW-Abgas-Skandal aufbauschen, ignorieren die Autokäufer bisher die Negativ-Schlagzeilen. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Der VW-Abgas-Skandal hatte auch in dieser Woche die Börsenmedien im Griff. Es werden ganze Sonderseiten gefüllt, obwohl es in den vergangenen Tagen nur wenige neue Fakten gab.

Während in vielen US-Medien ein differenziertes Bild gezeichnet wird (Motto: VW bietet an sich gute Technik, hat aber betrogen), schießen deutsche Medien auf der Suche nach der ultimativen Super-Story oftmals über das Ziel hinaus. Um den riesigen Aufwand zu rechtfertigen, tauchen immer neue Schlagzeilen auf.

Einige „Höhepunkte“ aus den deutschen Medien: Über 100 Mrd. Euro Schaden für VW. VW ruiniert „Made in Germany“. VW zerstört weltweit das Image der deutschen Wirtschaft. VW ist der Untergang der deutschen Automobilwirtschaft.

Automobilbranche vor einer Revolution. Ist der VW-Skandal der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und eine globale Wirtschaftskrise auslöst?

Bei den meisten dieser Schlagzeilen frage ich mich: Welche Drogen haben die Autoren konsumiert, um auf einen solchen Unsinn zu kommen?

Starke Zahlen aus den USA

Gestern nach Börsenschluss wurden die neuen PKW-Absatzzahlen aus den USA veröffentlicht.

Da der VW-Skandal erst Mitte September in den USA aufgedeckt wurde, sind die Zahlen nur zum Teil aussagekräftig, aber gewisse Tendenzen lassen sich erkennen: Unabhängig vom VW-Skandal lässt sich sagen, dass der US-Markt sehr gut läuft und ein Glücksfall für die Autobauer und die Zulieferbetriebe ist.

Der große US-Markt legte im September zweistellig zu. Hält der positive Trend, werden in den USA im laufenden Jahr rund 18 Mio. Fahrzeuge verkauft. Das wäre der höchste Absatzwert seit dem Jahr 2000. Gute Konjunkturdaten, niedrige Benzinpreise, niedrige Zinsen und Kaufanreize der Autobauer sorgen für stark steigende Absatzzahlen.

Im September konnten alle deutschen Autobauer im US-Markt zulegen. Sogar VW schaffte ein Mini-Plus. Da der VW-Skandal erst in der zweiten Septemberhälfte aufgedeckt wurde, sind aber im 4. Quartal Bremsspuren beim Absatz zu erwarten. VW benötigt eine neue Strategie in den USA – aber das galt auch schon vor dem VW-Skandal.

Glück im Unglück könnte für VW sein, dass sich in den USA fast alle Negativ-Schlagzeilen auf den Mutterkonzern VW beziehen. Die VW-Tochtergesellschaften Porsche und Audi legten im September jeweils zweistellig zu.

Positive Signale aus China

Nicht zur „Untergangsstimmung“ der Medien bezüglich der Automobilbranche passen auch die neuesten Nachrichten aus China: Nachdem die chinesische Regierung zuletzt den PKW-Markt etwas gebremst hatte, steigt die Regierung jetzt wieder auf das Gaspedal.

China halbiert die Mehrwertsteuer auf Fahrzeuge, deren Motor nicht mehr als über 1,6-Liter-Hubraum verfügt. Das trifft bei BMW und Daimler nur selten zu, aber die Branche hofft, dass der Steuerimpuls den gesamten Markt wieder stärker anschiebt. Freuen können sich auf jeden Fall die Autozulieferer, die in China aktiv sind.

Fazit: Die ersten Zahlen zeigen, dass der VW-Skandal kaum messbare Auswirkungen auf die Volkswirtschaft hat. VW muss mit Strafen und Klagen rechnen, aber die Verkaufszahlen werden in der Branche auf dem hohen Niveau bleiben.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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