VW-Skandal: Dank Charttechnik kein Problem

Der DAX 30 taucht heute Morgen zeitweilig unter die Marke von 9.800 Punkten ab.

Dafür ist insbesondere die Vorzugsaktie von Volkswagen verantwortlich, die, während ich diese Zeilen schreibe, fast -20% im Minus notiert.

Die US-Umweltbehörde hat dem Autobauer vorgeworfen, die Ermittlung von Abgaswerten für seine Diesel-Fahrzeuge in den USA mittels Software manipuliert zu haben.

Der VW-Konzern hat die Irreführung bereits eingestanden. Dem Autohersteller drohen nun Straf- und (ich nenne es mal:) „Wiedergutmachungszahlungen“.

In den Medien werden Summen von 18 Mrd. USD herumgereicht. Ich halte das für eine sehr vorsichtige Einschätzung. Denn:

Noch kaum absehbare finanzielle Folgen für den VW-Konzern

Dem VW-Konzern drohen nicht allein Strafen durch US-Behörden wegen der Wettbewerbsverzerrung: Das Unternehmen muss ebenfalls mit Regressforderungen durch betroffene amerikanische VW-Kunden rechnen, die nun ihrerseits Steuernachzahlungen aufgrund einer „zu niedrigen“ Abgas-Einstufung zu erwarten haben.

Auch dürfte es Klagen wegen irreführender Verkaufspraktiken hageln. Gerade in diesem Punkt sind die USA mit Sammelklagen schnell „dabei“.

Gigantischer Image-Schaden

Ganz und gar nicht einschätzbar ist indes der Image-Schaden, der Volkswagen nun ins Haus steht: Die Absatz-Bilanz in den USA dürfte ab Oktober für das Wolfsburger Unternehmen empfindliche und äußerst schmerzhafte Einbrüche widerspiegeln.

Zur Stunde wird davon ausgegangen, dass VW USA hier allein und eigenmächtig manipuliert hat, um den Verkauf von VW-Modellen zu fördern. Dennoch werfen diese Vorgänge natürlich die Frage auf, ob VW nicht auch im Rest der Welt, also in seinen anderen großen Absatzmärkten China und Europa manipuliert hat?

Firmenchef Winterkorn wird vermutlich nicht mehr lange tragbar sein. Und plötzlich bekommt der im April gescheiterte Machtkampf zwischen Winterkorn und dem daraufhin zurückgetretenen Aufsichtsratschef Ferdinand Pièch nachträglich ein „G’schmäckle“:

Pièch hatte – eigenmächtig und deshalb nicht tragbar – Winterkorn wegen falscher Modellpolitik auf dem US-Markt, einer fehlenden Kleinwagen-Strategie und der erzielten Minimal-Rendite durch Porsche-Chef Müller ersetzen wollen.

Hat Pièch schon damals von den Vorgängen bei VW USA gewusst?

Charttechnik rät schon seit April zum Ausstieg

volkswagen vorzugs-aktie-21-09-2015

Volkswagen Vorzugs-Aktie: Großinvestoren steigen schon seit April massiv aus

Wenn Sie die Charttechnik als Analyse-Instrument nutzen, dann dürfte Sie der heutige Kurseinbruch der Aktie nicht getroffen haben: Denn eigentlich sollten Sie in der VW-Aktie nicht investiert sein:

Das On-Balance-Volumen (OBV) verknüpft die börsentäglichen Umsätze mit den börsentäglichen Kursveränderungen. Das bedeutet: Hohe Umsätze führen bei starken Kursveränderungen zu kräftigen Ausschlägen bei diesem Indikator.

Aus diesem Grund eignet sich das OBV so hervorragend zur Einschätzung des Großinvestoren-Verhaltens. Im oben abgebildeten Wochen-Chart sehen Sie, dass diese Anlegergruppe bereits seit Ende April (blauer Balken) massiv aus der VW Vorzugs-Aktie ausgestiegen ist.

Der Kursverlauf selbst hat Mitte April ein Verkaufssignal generiert, als der seit dem Jahr 2009 bestehende Aufwärtstrend nach unten durchschlagen wurde.

Fazit

Auch wenn Ihnen der heutige Kurseinbruch wie eine Steilvorlage zum „Schnäppchen“-Einstieg erscheinen mag: Angesichts der von mir dargelegten Unwägbarkeiten scheinen mittel- und langfristig noch deutlich niedrigere VW-Kurse unvermeidbar.

Das gilt nicht nur bezüglich der Strafzahlungen, sondern auch wegen des Image-Schadens und den damit gewiss einhergehenden Absatzeinbußen – nicht nur in den USA.


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21. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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