VW: Traton-Börsengang in den Startlöchern

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VW will die Nutzfahrzeugsparte Traton noch in diesem Sommer an die Börse bringen. Die Voraussetzungen sind alles andere als ideal. (Foto: Evannovostro / shutterstock.com)

Nach den vielen Börsengängen im zurückliegenden Jahr zeichnet sich schon jetzt ab, dass das Börsenjahr 2019, was Neuemissionen angeht, ein deutlich schlechterer Jahrgang wird. Vor einem Jahr hatten zu diesem Zeitpunkt bereits 6 Börsenneulinge den Gang aufs Parkett gewagt und dabei insgesamt 6,4 Mrd. Euro eingenommen.

Mit Siemens Healthineers und der Fondsgesellschaft DWS waren darunter echte Schwergewichte. Im Herbst folgte noch der Bremsen-Spezialist Knorr-Bremse.

Doch mit der scharfen Abwärtsbewegung im 4. Quartal 2018 kam auch das Neuemissionsgeschäft in Deutschland praktisch zum Erliegen. Der dänische Arzneimittel-Importeur Abacus Medicine, der eigentlich am vergangenen Freitag sein Börsendebüt in Frankfurt feiern wollte, hat den Börsengang bereits zum 2. Mal verschoben.

Nur Frequentis, ein Anbieter von Kommunikationssystemen, schaffte es bislang auf das Frankfurter Börsenparkett, allerdings nur in den geringer regulierten General Standard. Im Prime Standard gab es noch keinen einzigen Börsenneuling.

Traton-Börsengang voraussichtlich im Juli

Das soll sich jetzt ändern. Denn die VW-Tochter Traton steht in den Startlöchern. Am Montag kündigte der Autobauer den Börsengang seiner Nutzfahrzeugsparte, in der das Lkw- und Busgeschäft von Scania und MAN gebündelt ist, offiziell an. Der ursprünglich für März geplante Börsengang war zunächst verschoben worden, soll jetzt aber voraussichtlich im Juli über die Bühne gehen.

Koordiniert wird die Transaktion von den Konsortialbanken Deutsche Bank, JP Morgan, Goldman Sachs und Citi. Die Traton-Aktien sollen neben der Frankfurter Börse auch in Stockholm gelistet werden. Der Hintergrund: Das zu Traton gehörende Unternehmen Scania war früher an der schwedischen Börse notiert.

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Größter Börsengang in diesem Jahr

Durch das Doppellisting steigen die Chancen, dass die Emission zumindest halbwegs erfolgreich verläuft. Angesichts des derzeit nach wie vor schwierigen Marktumfelds muss Traton dennoch deutlich kleinere Brötchen backen. Noch im März war in Finanzkreisen erwartet worden, dass VW ein Aktienpaket von 25% verkauft und einen Börsenwert von 15 Mrd. Euro anstrebt.

Jetzt wird nur noch mit dem Verkauf von 10 bis 15% der Traton-Aktien gerechnet. Dabei werden voraussichtlich nur rund 2 Mrd. Euro erlöst werden, deutlich weniger als ursprünglich erwartet. Damit ist Traton für deutsche Verhältnisse aber noch immer ein großer Börsengang, aller Voraussicht nach sogar der größte in diesem Jahr.

Eine Kapitalerhöhung ist aufgrund der starken Bilanz von Traton übrigens nicht vorgesehen. Alle angebotenen Aktien sollen aus dem VW-Bestand bereitgestellt werden.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Börsendebüt sind nicht ideal

Der Autobauer VW wird auch künftig die Traton-Mehrheit halten. Durch den Börsengang soll die Tochter aber mehr Handlungsspielraum und Zugang zu den Kapitalmärkten erhalten. Das IPO sei die Grundlage für weiteres Wachstum, so Traton-Chef Andreas Renschler. Der Unternehmenslenker hat ein klares Ziel, nämlich die Schaffung eines Global Champions der Transportbranche.

Die genauen Bedingungen für den Traton-Börsengang stehen bislang noch nicht fest, dürften aber in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Eines lässt sich schon jetzt sagen: Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Börsendebüt sind alles andere als ideal.

Insgesamt ist das Marktumfeld schwierig. Und insbesondere Unternehmen aus dem Fahrzeugsektor haben bei Anlegern derzeit einen schweren Stand. Daher rechne ich eher mit einem verhaltenen Börsenstart der Traton-Aktie.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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