VW trotz Diesel-Skandal mit Rekordergebnis

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VW präsentiert Rekordergebnis. Wie geht es mit VW weiter und welche Belastungen kommen auf den Konzern noch zu? (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Negativ-Schlagzeilen in Serie und Rekordgewinne müssen sich nicht ausschließen, wie Sie jetzt im Schlussgong erfahren werden. Der Volkswagen-Konzern hat heute seine aktuellen Quartalszahlen vorgelegt und verdiente im 2. Quartal des laufenden Geschäftsjahres vor Sondereinflüssen, Zinsen und Steuern 5,6 Mrd. Euro, was einer Steigerung von satten 22,7% gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Damit übertrafen die Wolfsburger zugleich auch die Erwartungen der Analysten. Im Schnitt hatten die Experten im Vorfeld nur mit einem bereinigten operativen Gewinn von knapp 5 Mrd. Euro gerechnet. Beim Umsatz legte VW um 3,4% auf gut 61 Mrd. Euro zu.

Ursächlich für den Erfolg von VW im zurückliegenden Quartal waren vor allem ein weiter schwungvoller weltweiter Verkauf sowie insbesondere die hohe Nachfrage nach teuren und margenstarken Geländewagen (SUVs).

Sonderkosten belasten den Nettogewinn

In den Monaten April bis Juni dieses Jahres verbuchte VW für die Bewältigung der Dieselaffäre weitere 1,6 Mrd. Euro an Sonderkosten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte den Konzern im Juni mit einer Geldbuße von 1 Mrd. Euro belegt.

Darüber hinaus legte der weltweit führende Autokonzern 600 Mio. Euro für Rechtsrisiken im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Abgasmanipulation bei Dieselfahrzeugen zurück. Diese Sonderkosten sorgten dafür, dass VW unter dem Strich auf einen Nettogewinn von 3,3 Mrd. Euro kam, was allerdings noch immer einer Steigerung von 6,8% im Vergleich zum 2. Quartal des Geschäftsjahres 2017 entspricht.

Der neuerliche Rekordgewinn und ein üppiges Liquiditätspolster aus dem Kerngeschäft in Höhe von mehr als 26 Mrd. Euro sorgen dafür, dass der Volkswagen-Konzern die Belastungen aus dem Diesel-Skandal gut verkraften kann. Gleichwohl dürften noch weitere Aufwendungen in Milliardenhöhe auf den Konzern zukommen.

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Dazu könnten auch Schadenersatzforderungen von Investoren kommen, die im Zuge des Abgasskandals hohe Kursverluste erlitten hatten. Vor dem Oberlandesgericht in Braunschweig beginnt im kommenden Monat ein Musterverfahren, bei dem es um Ansprüche in Höhe von fast 4 Mrd. Euro geht.

Es steht ein schwieriges 2. Halbjahr bevor

Nach einem guten 1. Halbjahr wird das Unternehmen im 2. Halbjahr wohl kleinere Brötchen backen müssen. VW-Finanzchef Frank Witter sprach von einem „volatilen“ 2. Halbjahr, das wegen der neuen Abgasnorm WLTP zu erwarten sei.

VW-Chef Herbert Diess verwies zudem auf den drohenden Handelskrieg zwischen der EU, den USA und China: „Auch der wachsende Protektionismus stellt die global vernetzte Automobilindustrie vor große Herausforderungen.“

Dennoch mache ich mir um die finanzielle Zukunft des Volkswagen-Konzerns keine Sorgen. Daher halte ich es auch für angebracht, dass der Konzern die Opfer der kriminellen Abgasmanipulationen auch hierzulande (so wie in den USA bereits geschehen) angemessen entschädigt.

Geld genug ist nicht zuletzt aufgrund des jüngsten Rekordgewinns vorhanden. Es wäre eine Kundenbindungsmaßnahme für treue Stammkunden, die von VW enttäuscht wurden. Kurzfristig könnte diese Maßnahme den Aktienkurs belasten, aber mittel- und langfristig sind zufriedene Stammkunden eine größere Kursstütze.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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