VW: Verhaftung des Audi-Chefs belastet VW-Aktie

Details und Hintergründe zur spektakulären Verhaftung des Audi-Chefs Rupert Stadler und wie es jetzt weitergehen kann. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Die internationalen Aktienmärkte leiden weiterhin unter dem Handelsstreit. Da US-Präsident Donald Trump mit der harten Haltung Punkte im Wahlkampf sammeln will, kann sich der Konflikt theoretisch bis zur Wahl im Herbst hinziehen.

Auf der anderen Seite wählt China die Vergeltungsschläge ganz gezielt so aus, dass speziell typische Trump-Wähler finanziell von den Strafzöllen getroffen werden. Trump muss sich also die Frage stellen, ob seine Wähler die harte Haltung höher gewichten als eigene finanzielle Einbußen. Daher kann es auch passieren, dass es plötzlich über Nacht eine Einigung gibt und die Aktienkurse wieder nach oben schießen.

In Deutschland belastet in dieser Woche zusätzlich eine spektakuläre Verhaftung das Klima an der Börse. Ursprünglich hatte ich für heute angekündigt, dass Sie erfahren, welche Termine und Regeln über den Auf- und Abstieg in der Indexfamilie (DAX, MDax, SDax und TecDax) entscheiden. Aus aktuellem Anlass verschiebe ich dieses Thema jedoch auf morgen. Heute beschäftigen wir uns stattdessen mit der Verhaftung des Audi-Chefs Rupert Stadler.

Als erster Manager der obersten Führungsebene von Volkswagen ist gestern Audi-Chef Rupert Stadler im Zusammenhang mit der Dieselabgasaffäre des Wolfsburger Autokonzerns in Untersuchungshaft genommen worden.

Details und Hintergründe

Der 55-Jährige Stadler, der seit 2007 (als Nachfolger von Martin Winterkorn) an der Spitze von Audi steht, wurde gestern Morgen in Ingolstadt verhaftet. Der Grund für die Verhaftung: Verdunklungsgefahr. Mit der Festnahme soll verhindert werden, dass Stadler auf andere Beschuldigte oder auf Zeugen Einfluss nimmt.

Obwohl Audi für mangelnde Fortschritte bei der Aufklärung der Dieselabgasaffäre immer wieder in die Kritik geraten war, galt es bis zuletzt als sehr unwahrscheinlich, dass Stadler abberufen wird. Schließlich konnte er sich stets der Rückendeckung der Eigentümerfamilien Porsche und Piech sicher sein. Nun werden die Karten allerdings neu gemischt.

Heute wurde bekannt, dass der Niederländer Bram Schot, der seit 2017 Vertriebsvorstand von Audi ist, zumindest erst einmal Übergangs-Chef werden soll.

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Was bedeutet die Nachricht für Audi?

Eine der großen Fragen lautet, was die Nachricht der Inhaftierung von Stadler für Audi bedeutet? Hier gehen die Meinungen weit auseinander: Einige Analysten sind der Meinung, dass das Image von Audi dadurch kaum weiteren Schaden nehmen wird; zumindest dann nicht, wenn keine weiteren Verfehlungen hinzukämen.

Andere Analysten und Marktbeobachter sind hingegen der Ansicht, dass das Image von Audi dadurch weiteren Schade nehmen würde und dass womöglich der Absatz von Audi dadurch ein Stück weit einbrechen könnte. Bislang jedenfalls ist der Absatz von Audi trotz des Skandals nicht eingebrochen.

VW-Aktie unter Druck

An der Börse sorgte die Nachricht der Verhaftung von Audi-Chef Stadler für Unruhe. Die VW-Aktie war gestern in einem schwachen Gesamtmarkt größter Tagesverlierer im DAX und gab um 3,1% auf 156,06 Euro nach. Heute ging es weiter abwärts für die VW-Aktie.

Damit notiert das Papier derzeit gut 20% unter dem Jahreshoch von rund 190 Euro. Allerdings entwickelte sich die VW-Aktie trotz des aktuellen Rücksetzers in den vergangenen 12 Monaten nach wie vor besser als der DAX.

Was jetzt passieren sollte

Aus meiner Sicht sollte die Dieselaffäre nun endlich zu einem Abschluss gebracht werden. Im September dieses Jahres jährt sich die Aufdeckung des Dieselskandals bereits zum 3. Mal. Was mit Stadler passiert, wird sich zeigen. Ich hoffe aber, dass die Ereignisse dieser Woche bei Audi zu einem Umdenken führen. Es müssen unbelastete Manager an die Spitze rücken.

Auch bei der Audi-Mutter VW ist nach wie vor nicht alles aufgearbeitet. Das sollte sich ebenfalls ändern. Da VW über einen großen Kassenbestand verfügt und Vermögenswerte in dreistelliger Milliardenhöhe besitzt, ist das peinliche Aussitzen, um Kosten zu sparen, der falsche Weg. VW hat Mist gebaut und muss dafür zahlen. Das wäre ein Neuanfang, der auch viele Kunden versöhnen würde.

Damit könnte weiterer Schaden von der deutschen Automobilindustrie abgewendet werden und die Unternehmen könnten endlich die Vergangenheit abhaken und sich komplett auf Gegenwart und Zukunft konzentrieren.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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