VW – Vorzugsaktie oder Stammaktie

WestLB verzockt sich bei Wette auf VW-Aktien

Hoch gepokert und verloren: Banker machen aus dem geplantem Megagewinn bei Volkswagen einen Millionenverlust. Eine Geschichte von VW Stammaktien, Vorzugsaktien, Hebelwirkung und Gier.

Gerade einmal vier Wochen ist es her. Mein Kollege und Nebenwerteanalyst Rolf Morrien berichtete über Unernehmensinsider, die in großem Stil Stammaktien und Vorzugsaktien von Fuchs Petrolub kauften.

Interessant war zu diesem Zeitpunkt: Die Insider kauften weit mehr der billigeren und dafür weniger liquiden Stammaktien. Notiert ein Unternehmen mit beiden Aktiengattungen an der Börse, ist die richtige Wahl oft schwer. Der Unterschied Stammaktie-Vorzugsaktie läßt sich in Geld messen.

Gewinnstrategie der WestLB-Banker ging nicht auf

VW Stammaktie oder Vorzugsaktie – einige clevere WestLB-Banker haben vor ein paar Tagen offensichtlich geglaubt, eine hundertprozentig sichere Gewinnstrategie an der Börse gefunden zu haben. Grundannahme: Kurse von Stamm- und Vorzugsaktien eines Unternehmens laufen nicht zu weit auseinander.

Das ist im Prinzip auch richtig, bestätigt auch Börsenprofi Rolf Morrien. Denn: Da Stamm- und Vorzugsaktien den gleichen Anteil am Unternehmen repräsentieren, sollte der faire Wert der Aktien auch fast identisch sein. Sinnvoll für Anleger wäre daher der Kauf der billigeren Aktiengattung bei großen Kursdifferenzen. Genau das haben die Banker auch gemacht.

Das Problem war jedoch: Den Bankern reichte der Kursgewinn bei den Vorzugsaktien nicht. Die Banker wollten noch mehr, und haben sich verzockt.

Leerverkauf ist riskante Wette

Maximale Gewinne mit einfachen Mittel, das war der Plan. Die Strategie, die laut Parkettgeflüster den Spitzengewinn bringen sollte: Die teureren VW-Stammaktien wurden leer verkauft – Leerverkauf = Aktien verkaufen ohne sie zu besitzen – und die günstigeren VW-Vorzüge wurden gekauft. Bei einer Angleichung der Kurse hätte diese Strategie den Gewinn weit nach oben gehebelt.

VW-Rechnung ohne Porsche gemacht

Das hatten die Banker bei ihrer riskanten Wette jedoch nicht bedacht: Porsche legt überraschend ein Übernahmeangebot für VW vor. Da nur die Stammaktien Stimmrecht haben, steigen die Stammaktien um 22 Prozent. Die Vorzugsaktien steigen dagegen “nur” um 15 Prozent. Die Differenz zwischen den Stammaktien und den Vorzugsaktien ist also größer geworden, statt wie erwartet weiter zu schrumpfen.

Ergebnis: Obwohl die von der WestLB favorisierten Vorzugsaktien zweistellig gestiegen sind, sitzt die Bank auf Buchverlusten von 100 Millionen Euro. Börsenprofi Rolf Morrien sagt dazu: “Wenn die WestLB einfach nur die günstigeren Vorzüge gekauft hätte, ohne zu zocken, hätte der VW-Deal einen hohen Millionengewinn abgeworfen.” Doch die Gier nach noch höheren Gewinnen war wohl zu groß. Am Ende steht der Verlust.

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23. April 2007

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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