Wachstum im Sommerquartal – doch keine Rezession

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Denkbar knapp entgeht Deutschland einer technischen Rezession. Die Konjunktur kühlt sich ab, ein tiefer Sturz droht offenbar dennoch nicht. (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Das ist gerade noch einmal gutgegangen: Entgegen aller Erwartungen ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Sommerquartal doch nicht geschrumpft, sondern überraschend um 0,1 Prozent gewachsen, wie das Statistische Bundesamt mitgeteilt hat.

Damit ist Deutschland einer technischen Rezession knapp entgangen. Diese hätte nach volkswirtschaftlichen Maßstäben vorgelegen, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen gesunken wäre. Im zweiten Quartal des Jahres hatte das deutsche Bruttoinlandsprodukt einen Rückgang um 0,2 Prozent verzeichnet, während im Auftaktquartal noch ein Plus von 0,5 Prozent erreicht werden konnte.

Konjunktur kühlt sich ab

Nach dem Boom der vergangenen Jahre schwächt sich die Konjunktur damit zwar merklich ab, einen harten Einbruch und ein Abrutschen in eine tiefe Rezession fürchten dennoch die wenigsten. Hatte die deutsche Wirtschaft im Jahr 2018 noch um 1,5 Prozent zugelegt, rechnen die aktuellen Prognosen der Bundesregierung sowie von führenden Wirtschaftsinstituten für 2019 größtenteils mit einem Plus von 0,5 Prozent.

Dieser Trend dürfte sich im kommenden Jahr weiter fortsetzen. Es sind vor allem externe Faktoren, die die deutsche Konjunkturentwicklung belasten: Die Unsicherheiten rund um den sich hinziehenden Brexit-Prozess sowie die Handelskonflikte zwischen den USA und China, aber auch zwischen den USA und Europa belasten die globale Konjunktur, was sich wiederum auf die wichtigsten deutschen Industriezweige auswirkt.

Nicht nur die Automobilexporte, sondern auch Maschinenbauer und die chemische Industrie haben mit den internationalen Verunsicherungen zu kämpfen. Investitionen werden zurückgehalten, die Nachfrage wankt.

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Privater Konsum stützt Wirtschaftsleistung

Doch es gibt auch gute Nachrichten: In Deutschland herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Das kurbelt den privaten Konsum an, der wiederum die Konjunktur stützt. So hat die Binnennachfrage einen erheblichen Teil dazu beigetragen, dass die Wirtschaftsleistung in den Sommermonaten nicht noch stärker abgerutscht ist.

Zwar haben Konsumforscher zuletzt einen Stimmungsrückgang bei den privaten Konsumenten verzeichnet, doch das Weihnachtsgeschäft verspricht wieder ordentlich Geld in die Kassen der Einzelhändler zu spülen.

Internationale Konflikte entscheidend für weitere Entwicklung

Für 2020 rechnen die Wirtschaftsweisen, die Bundesregierung sowie zahlreiche weitere Wirtschaftsforscher weiterhin mit einem Abschwächen der Konjunktur, jedoch nicht mit einem substanziellen Einbruch. Die tatsächliche weitere Entwicklung wird wohl maßgeblich davon abhängen, wie die bereits genannten internationalen Konflikte – insbesondere der Brexit und die Handelsstreitigkeiten – sich weiterentwickeln werden.

Gerade das sich hinziehende Brexit-Drama sorgt für Verunsicherung: Denn erstens weiß niemand, wann es denn soweit sein wird – und zweitens ist völlig unklar, welche Folgen der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union tatsächlich haben wird. Da es bislang keinen entsprechenden Präzedenzfall gibt, sind die Konsequenzen des Brexits sowohl für das britische Königreich als auch für die verbleibenden 27 Staaten der EU vollkommen unabsehbar, genauso wie die damit verbundenen Auswirkungen auf die Konjunkturentwicklung in Deutschland und Europa.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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