Während es bei Harley-Davidson weiter kriselt, läuft es bei Thorn Industries

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Während sich Thorn Industries in der Corona-Krise über eine gute Auftragslage freuen kann, geht es bei Harley-Davidson in die entgegengesetzte Richtung. (Foto: Alex Erofeenkov / shutterstock.com)

Während Fernreisen auf breiter Front abgesagt wurden, boomt der Camping-Tourismus. Thor Industries profitiert vom Fernweh der Menschen in Zeiten der Kontaktbeschränkungen.

Ein Wohnwagen ist das ideale Urlaubsvehikel, wenn man nur wenigen Menschen begegnen und trotzdem fremde Regionen entdecken will. Insofern löste die Corona-Krise einen Camping-Boom aus. Die Nachfrage nach Wohnwagen und Campern ist hoch. Dennoch war das 3. Quartal für Thor sehr herausfordernd. Die Produktion stand in den USA für 6 Wochen komplett still. Auch in Europa wurde mit einer stark verringerten Kapazität gearbeitet. Seit Mai werden die Werke unter Einhaltung strenger Hygienestandards langsam wieder hochgefahren. Die Fachhändler dürfen mittlerweile auch wieder öffnen und berichten von einer hohen Nachfrage.

Thor Industries freut sich über eine gute Auftragslage

Trotz Corona stieg der Umsatz in den ersten 9 Monaten um 5,2% auf 5,8 Mrd. $. Das Wachstum war Anfang des Jahres jedoch viel stärker und wurde durch das schwache 3. Quartal beinahe komplett aufgezehrt. Der Gewinn stieg um 152% auf 104 Mio. $. Die Steigerung ist jedoch vollständig auf die Übernahme von Hymer im vorigen Jahr zurückzuführen.

Thor wird von den Zinssenkungen der Zentralbank in den USA profitieren. Zum einen können sich durch bessere Finanzierungsbedingungen mehr Menschen ein Wohnmobil leisten. Zum anderen lassen sich die hohen Schulden aus der Hymer-Übernahme zu Tiefstzinsen besser schultern. Thor hält an der Dividende von 0,40 $ pro Aktie und Quartal fest und erwartet für das 4.Quartal und die kommenden Jahre eine steigende Nachfrage.

Unternehmensporträt

Thor Industries entstand 1980 durch die Übernahme des Wohnwagenbauers Airstream durch Wade Thompson und Peter Orthwein. Daraus entstand durch Expansion und Akquisitionen der weltgrößte Hersteller von Reisemobilen. Mit der Übernahme der Erwin Hymer Group im Jahr 2019 wurde auch der europäische Markt erschlossen.

Bei Harley-Davidson kriselt es schon seit einer Weile

Und jetzt sorgte im 1. Quartal die Corona-Pandemie trotz aggressiver Maßnahmen zur Kostensenkung für einen kräftigen Gewinneinbruch um 43,8% auf 69,7 Mio. $. Der Umsatz sank um 8% auf 1,1 Mrd. $. Covid-19 hat das Geschäftsumfeld dramatisch verändert, erklärte der Übergangschef Jochen Zeitz. Der frühere Puma-Chef macht den Job nur vorübergehend, bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist. Die Verkäufe litten unter Geschäftsschließungen und Ausgangsbeschränkungen. Auf dem US-Heimatmarkt und in Kanada wurden deutlich weniger Motorräder verkauft.

In den USA sank die Absatzrate auf den tiefsten Stand seit mehreren Jahren

Die Motorrad-Ikone hatte allerdings schon vor der Ausbreitung des Virus große Probleme – sie ächzte unter dem Handelsstreit der USA mit China und der EU, der zu hohen Einfuhrzöllen auf die Produkte geführt hat. Harley leidet zudem unter einer alternden Kundschaft und Konflikten mit Anhängern von Donald Trump.

Er hatte Harley wegen Produktionsverlagerungen ins Ausland attackiert, was zu Boykottaufrufen führte. Mit E-Motorrädern sollen jüngere Käufergruppen angesprochen werden, um so zurück in die Spur zu finden – das funktionierte bislang noch nicht. Zwischenzeitlich wurden Produktion und Auslieferung von Harleys erstem Elektro-Motorrads LiveWire wegen Qualitätsproblemen gestoppt. Seine Jahresprognose hatte der Konzern wegen der großen Ungewissheit aufgrund der Pandemie bereits im März zurückgezogen.

Unternehmensporträt

Das Unternehmen wurde 1903 von William S. „Bill“ Harley und Arthur Davidson als Harley-Davidson Motor Co. gegründet und ist hauptsächlich in zwei Geschäftsfeldern aktiv: im Motorrad- und Zubehörsektor und im Bereich der Finanzdienstleistungen, in dem den Kunden und Händlern Finanzprodukte angeboten werden. Über 1.000 Händler weltweit vertreiben die legendären Motorräder, die Bekleidungslinie „MotorClothes“ und Utensilien rund ums Bike.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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