Währungen: Gewinner und Verlierer der Pfund-Schwäche

In dieser Woche hat die britische Regierung zum 1. Mal halbwegs konkrete Vorstellungen genannt, wie der geplante EU-Austritt (BrExit) aussehen könnte.

Da die Regierung die Tür für Verhandlungen geöffnet hat und neben den bekannten Drohungen (Steuerkrieg gegen die EU) auch versöhnliche Töne anschlug, erholte sich am Devisenmarkt die britische Währung.

Doch das war nur eine kleine Gegenbewegung, wenn Sie die längerfristige Wertentwicklung betrachten.

Das Britische Pfund hat seit dem BrExit-Votum im vergangenen Sommer deutlich an Wert verloren. Das hat Folgen für die Wirtschaft, nicht nur in Großbritannien.

An dieser Stelle möchte ich auf die Folgen des schwachen Pfunds eingehen.

Für deutsche Unternehmen, die stark auf Käufer aus Großbritannien angewiesen sind, ergeben sich durch die Pfundschwäche z. B. Nachteile, da ihre Produkte in Pfund teurer und somit weniger stark nachgefragt werden.

Insgesamt gingen die deutschen Exporte nach Großbritannien im 3. Quartal 2016 um 8% zurück.

Dennoch erwarten nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft 90% der deutschen Firmen zunächst keine bedenklichen Auswirkungen aufgrund der Schwäche des Britischen Pfunds.

Lediglich 2 – 3% der befragten Konzerne sehen stark negative Konsequenzen für Investitionen und Beschäftigung.

Britische Konsumenten leiden unter Pfundschwäche

Für britische Konsumenten wird der Einkauf importierter Güter teurer.

Zwischen dem Hersteller Unilever und der britischen Supermarktkette Tesco führte dies bereits zum Streit, da Unilever für Waren bis zu 10% mehr Geld verlangte.

Tesco protestierte und strich den bei Briten sehr beliebten Brotaufstrich Marmite aus dem Sortiment.

Der medienwirksam geführte „Marmite-Krieg“ ist zwar inzwischen beigelegt, doch das grundsätzliche Problem steigender Preise bleibt den Briten erhalten.

Ausländische Touristen profitieren

Wenn Sie demnächst eine Reise nach London planen, zählen Sie dagegen zu den Gewinnern des schwachen Britischen Pfunds.

Denn durch die Schwäche der britischen Währung erhalten Sie in Großbritannien derzeit für die gleiche Euro-Menge mehr Waren und Dienstleistungen als noch vor 1 Jahr.

Auf der anderen Seite werden für britische Touristen Reisen ins Ausland teurer, da sie außerhalb Großbritanniens für die gleiche Menge Britische Pfund weniger Waren und Dienstleistungen erhalten als zuvor.

Das führte u. a. dazu, dass die Billigfluglinien Ryanair und Easyjet ihre Gewinnpläne eindampfen mussten.

Britische Exporteure zählen zu den Gewinnern

Ein Segen ist die Pfund-Schwäche dagegen für britische Exporteure.

Denn britische Exporteure profitieren davon, dass ihre Waren und Dienstleistungen im Ausland billiger werden, was grundsätzlich die Nachfrage antreibt.

Der Export-Effekt gilt als wichtiger Grund dafür, dass sich die britische Wirtschaft bislang (seit dem BrExit-Votum) wacker hält.

Im Jahres-Vergleich wuchs sie im 3. Quartal 2016 um 2,2% – und damit so stark wie seit Frühjahr 2015 nicht mehr. Bislang sind viele britische Exporteure daher bester Stimmung.

Doch Achtung: Wenn es im Zuge des EU-Austritts zu Handels-Beschränkungen kommt, wird es ein böses Erwachen für viele britische Exporteure geben.

Fazit

Wenn eine einzelne Währung schwächelt, hat das für eine Volkswirtschaft positive und negative Folgen.

Kritisch wird es besonders dann, wenn mehrere Länder gleichzeitig ihre Währungen abwerten wollen (Abwertungs-Wettlauf). In diesem Fall kann das gesamte Papiergeld-System wackeln.

Daher meine Empfehlung: Setzen Sie nicht zu stark auf Papiergeld (und Geldforderungen). Mit ausgewählten Sachwerten (Immobilien, Aktien, Edelmetalle) schützen Sie sich gegen Währungs-Turbulenzen.

19. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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