Währungskrieg – Reloaded

FED gegen EZB. Trump gegen Draghi. USA gegen die Eurozone – das Wettrennen um die schwächere Währung ist aufs Neue entbrannt.

Einige Zeit war dieses Thema vom Tisch und es musste schon sehr genau gesucht werden, um dazu Nachrichten-Meldungen zu finden.

Jetzt erhält es neuen Zündstoff; insbesondere aufgrund des starken US-Dollars.

Den Ersten beißen die Hunde

So müsste das Motto der internationalen Finanz-Jongleure lauten. Denn es gilt Letzter zu werden. Die schwächste Währung gewinnt.

Stark ist in diesem Zusammenhang ein negativ besetzter Begriff – und genau das ist das aktuelle Problem: der US-Dollar.

Seine Stärke macht dem Euro zu schaffen. Aktuell liegt der Wechselkurs bei 1,06 US-Dollar pro €. Im Frühling 2014 lag der Kurs noch bei rund 1,40 US-Dollar pro €.

Zum Vergleich: 2,5 Jahre später, also Ende Dezember 2016, wurden zwischendurch sogar Kurse um die 1,03 erreicht. Aus Euro-Sicht gibt es daran durchaus nichts zu beanstanden.

Oder haben Sie das Gefühl, dass die EU und die Euro-Länder auf einem guten Weg sind, die Banken-Probleme in den Griff zu bekommen – oder die Staatsverschuldung nachhaltig zu senken?

Das Einzige, was EZB-Chef Mario Draghi scheinbar im Stande ist zu leisten, ist die Währung weiter zu verflüssigen. Und genau dies hat er angekündigt– als Reaktion auf den starken US-Dollar.

Natürlich ist der Euro schon schwach genug. Doch die USA haben angekündigt ihrerseits das Problem „starker US-Dollar“ zu lösen. Das geht logischerweise nur, indem sie die eigene Währung schwächen.

Währungs-Beben im Anmarsch?

Sie erinnern sich vielleicht: Die US-Notenbank FED könnte die Leitzinsen im Jahr 2017 3x anheben – das erwartet zumindest Goldman Sachs.

Gleichzeitig kündigt Mario Draghi an, weiter Geld drucken zu lassen – für den Fall der Fälle.

Die USA wollen die eigene Währung auch schwächen. Von den bisher noch nicht erwähnten Währungs-Riesen haben China und Japan sicher auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Die Konstellation ist definitiv spannend, reiben sich hier doch große Mächte aneinander: Jeder reagiert auf jeden – das kennen Sie von der Plattentektonik:

Wenn sich die Kontinente verschieben – und sei es auch noch so langsam – resultiert daraus ein Erdbeben.

Die große Frage hierbei ist jetzt: Welchen Wert auf der Richterskala erreichen Euro, US-Dollar, Yen und Yuan, wenn die jeweiligen Notenbanken der Länder auf den roten Knopf drücken?

Für Währungshändler wird das Jahr 2017 sicherlich spannender als 2016. Da hatte sich der EUR/USD gerade einmal grob im Bereich von 1,05 – 1,15 bewegt.

Der USD/JPY (US-Dollar zu Yen) war mit 100 – 120 etwas agiler – wobei: dass wir im Jahr 2017 schon einen großen Knall am Währungsmarkt sehen, muss gar nichts mit den USA zu tun haben.

Es steht schließlich noch der BrExit an, und somit wird auch das britische Pfund vermutlich für einigen Wirbel sorgen.

Was Sie auf dem Schirm haben sollten

Unterm Strich gilt es für Sie zu wissen: Bei den Währungen von Euro-Zone, USA, Japan und China baut sich immer mehr Spannung auf.

Wie genau das Beben aussehen wird, wenn sich diese entlädt, ist jetzt schwer zu prognostizieren.

Derzeit sieht es zumindest so aus, als dass der US-Dollar vorerst nicht weiter an Stärke gewinnt. Die Höchstmarken zum Jahreswechsel wirken als Widerstand.

7. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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