Währungsreform 1948 – die gleichen Fehler werden wieder gemacht

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Die Einführung der D-Markt hatte massive Folgen für die Sparguthaben in Deutschland. Viele Menschen verloren direkt nach dem Krieg einen Großteil ihres Vermögens. (Foto: macgyverhh/Shutterstock)

Am Ende der Euro-Krise könnte einmal mehr eine Währungsreform stehen. Das ist für viele Menschen ein Schreckgespenst. Und die älteren Leser unter Ihnen können sich an die große Währungsreform 1948 noch gut erinnern.

Doch viele Bundesbürger wissen kaum noch was damals geschah und welche massiven Auswirkungen das auf die Vermögen vieler Deutscher hatte. Aus diesem Grund werde ich Ihnen heute diesen Wendepunkt der deutschen Geschichte noch einmal näher bringen.

Denn eins ist klar für mich: An entscheidenden Wendepunkten wird sich die Geschichte weiderholen. Es ist also mehr als sinnvoll zurückzuschauen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Wirtschaft in Deutschland weitgehend am Boden. Das Geld hatte seinen Wert durch Inflation und Kriegszerstörung verloren. Deshalb waren die Preise größtenteils staatlich festgelegt.

Weil sich die Produktion unter diesen restriktiven Bedingungen nicht lohnte, reduzierte sich das Warenangebot weiter, und es bildete sich ein Schwarzmarkt mit hohen Preisen.

Unter Führung der USA entschlossen sich die Westmächte, im Westsektor eine neue Währung zu begründen, um die Tauschmittelfunktion wiederzubeleben.

Erstaunlich war, dass die neuen Geldscheine ab November 1947 nicht in Europa, sondern in den USA gedruckt und vom 11. bis 15. Juni 1948 heimlich auf die elf Landeszentralbanken verteilt wurden.

Die Aktion verlief weitgehend im Geheimen, da erst am Abend des 18. Juni 1948 die Einzelheiten des Geldumtauschs bekannt gegeben wurden. Es bestand also keine Möglichkeit für die Sparer, sich auf den Währungsschnitt einzustellen.

1948: Das war ein Währungsschnitt aber keine Währungsreform

Ab dem 20. Juni 1948 war die Reichsmark plötzlich ungültig, womit auch alle Schulden des Reiches erloschen. Die Anleger, die ihr Vermögen dem Staat anvertraut hatten, mussten deshalb kräftige Verluste verbuchen!

Hier zeigte sich der Nachteil von Geldforderungen gegenüber Bargeld, da Bargeld deutlich leichter und zu besseren Konditionen umgetauscht werden konnte.

Jeder Einwohner erhielt im Austausch gegen sechzig Reichsmark sechzig D-Mark. Darüber hinaus wurden Bankguthaben und anderes Buchgeld in einem deutlich schlechteren Verhältnis umgetauscht als Bargeld.

Fatalerweise hatte aber auch diesmal niemand aus der Geschichte und damit dem Geldwesen gelernt, denn es handelte sich gar nicht um eine Währungsreform (also die Einführung eines wirklich anders funktionierenden Geldes), sondern lediglich um einen Währungsschnitt (also den Ersatz des vorher gescheiterten Geldes durch ein genauso falsch konzipiertes Zahlungssystem).

Dabei dauert es immer einige Jahrzehnte, bis die Folgen dieses Fehlers sichtbar werden.

Und genau das ist jetzt, Anfang des 21. Jahrhunderts, der Fall. Wer die Vergangenheit kennt, sieht heute die gleichen prinzipiellen Abläufe – wie den krankhaften Börsenboom –, die schon Ende der 1920er Jahre zum Zusammenbruch führten.

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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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