Währungsreform: Euro erwartet den harten Schnitt

Der Börsenmonat Mai neigt sich dem Ende zu.

Der neue Börsenmonat Juni bietet ein heißes Thema: Die Wahl in Griechenland.

Schon jetzt beeinflussen Wahlprognosen die Börsenstimmung.

Wenn die Spar-Gegner in den Umfragen dominieren, fällt der DAX, wenn die Reformkräfte (das sind ausgerechnet die Parteien, die Griechenland vorher ins Elend gestürzt haben) eine Mehrheit in den Umfragen haben, erholt sich der Aktienmarkt.

Der Markt will eine Entscheidung, die Währungsunion steht auf dem Spiel.  Der Countdown läuft.

Währungsreform Euro: 3 Vorschläge, wie die Krise gelöst werden kann

Der Griechenland-Austritt ist die kleine Lösung. Es gibt jedoch auch schon Pläne, wie die gesamte Währungsunion aufgelöst werden könnte.

So hat der britische Politiker und Unternehmer Lord Simon Wolfson einen Geldpreis in Höhe von 300.000 Euro zur Verfügung gestellt. Gewinner wird die Person, die den besten Vorschlag macht, wie die Euro-Zone aufgelöst werden kann. 5 Teilnehmer haben die Endrunde erreicht.

Hier im Schlussgong stelle ich die 5 Lösungsvorschläge vor. Im April habe ich Ihnen bereits den Gewinner des Trostpreises vorgestellt.

Ein elfjähriger Schüler aus den Niederlanden hatte einen Rettungsplan für Griechenland entworfen.

Im Mai habe ich Ihnen die ersten beiden großen Pläne vorgestellt, heute folgen im Schnelldurchgang die Pläne 3 bis 5.

Währungsreform: Geheimakte Euro-Auflösung

Neil Record, Gründer und Chef von Record Currency Management, befürchtet ein Chaos an den globalen Finanzmärkten, wenn der Euro zerbricht und neue, nationale Währungssysteme in Notaktionen gegründet werden müssen.

Daher lautet seine Kernaussage: Die Währungsreform muss über Nacht kommen und der Plan muss heimlich ausgearbeitet werden.

Es muss einen fließenden Übergang von Währungssystem A zu Währungssystem B geben. Es darf keine Übergangs- und Diskussionsphase geben.

Die Ideallösung wäre, so Neil Record, wenn das größte und wirtschaftlich stärkste Euro-Land (also Deutschland), den Plan heimlich entwickelt. Dafür müsste eine streng vertraulich arbeitende Expertengruppe gegründet werden.

Record gibt aber zu, dass das nur eine theoretische Lösung ist. Die anderen EU-Partner würden niemals eine rein deutsche Lösung akzeptieren.

In der Praxis soll es daher einen Kompromiss geben: Das zweitstärkste Land, Frankreich, wird zusätzlich mit ins Boot geholt. Dann würde das Misstrauen etwas sinken und die Task Force wirkt etwas demokratischer.

Praxistauglichkeit: Ich halte es für fast unmöglich, dass eine deutsch-französische Arbeitsgruppe über Monate heimlich arbeiten kann. Da das Verhältnis der beiden Länder spätestens seit dem Regierungswechsel in Frankreich angespannt ist, würde ein „Maulwurf“ die Pläne verraten.

Sobald das passiert, setzt genau das ein, was Record um jeden Preis vermeiden will: Chaos an den Finanzmärkten und der freie Fall des Euro am Devisenmarkt.

Hart-Euro und Weich-Euro

Catherine Dobbs, heute Investorin, früher Fondsmanagerin, hat einen ganz anderen Plan.

Ihr Vorschlag: Der Euro soll aufgeteilt werden. Zukünftig soll es eine Art Hart-Euro und eine Art Weich-Euro geben.Bei der Umstellung werden alle Länder gleich behandelt. Jedes Land bekommt den gleichen Anteil Hart- und Weich-Euro.

Da sich die internationalen Investoren auf den Hart-Euro konzentrieren würden, wäre hier eine Aufwertung zu erwarten. Wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland könnten auf diesen Hart-Euro setzen.

Die schwachen Euro-Länder, die dringend eine Abwertung brauchen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden, würden sich auf den Weich-Euro konzentrieren.

Der Vorteil: Da alle Länder im Euro-System bleiben, könnte eine Kapitalflucht und ein Banken-Sturm verhindert werden.

Praxistauglichkeit: Es ist unklar, wie der Markt auf die Euro-Aufspaltung reagieren würde. Der Plan könnte jedoch als Kompromisslösung mehrheitsfähig sein. Die Fallhöhe ist relativ gering.

Jede harte Lösung (völlige Auflösung des Euro) könnte im Extrem-Fall größere Krisen auslösen.

Währungsreform Euro: Problem völlig überschätzt

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt Jonathan Tepper, Gründer und Chef des Forschungsinstituts Variant Perception.

Tepper ist nicht nur Ökonom, sondern auch Historiker. Er hat daher nicht zuerst den Blick in die Zukunft gerichtet, sondern zunächst historische Parallelen gesucht. In seiner Studie hat Tepper die Auflösung von 69 Währungsgemeinschaften untersucht.

Das Ergebnis: Die Folgen waren in vielen Fällen relativ harmlos. Oft gab es nur eine kurze Schockstarre und dann hat das Wirtschaftssystem wieder gearbeitet.

Die Währungsreform erfordert Opfer, Unternehmen und ganze Staaten könnten kurzfristig in die Pleite abrutschen, aber auch diese Art der Marktbereinigung sei im Regelfall schnell verdaut worden.

Der historische Rückblick zeigt: Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Jonathan Tepper tritt daher für einen schnellen und harten Schnitt ein. Je schneller die Lösung, desto schneller kann sich auch die Wirtschaft wieder erholen.

Praxistauglichkeit: Tepper arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten.

Wenn 80% der Währungsauflösungen relativ erfolgreich waren, spricht der Verstand für eine schnelle Lösung. Aber was ist, wenn die Euro-Auflösung ausgerechnet zu den wenigen schweren Problemfällen wird? Die Fallhöhe ist hier relativ hoch.

Eine gesunde Volkswirtschaft übersteht auch Währungsreform des Euro

Dennoch müssen wir Tepper für seinen historischen Rückblick dankbar sein. Er nimmt den Crash-Propheten zumindest teilweise den Wind aus den Segeln.

Die vielen Musterfälle (69) zeigen, dass die Reform/Auflösung einer Währungsunion kein Weltuntergang ist. Währungen haben immer nur eine begrenzte Haltbarkeit.

Die Personen, die nach dem Euro-Aus (oder der Reform) einen Krieg in Europa erwarten, oder davon ausgehen, dass Europa zu einer wirtschaftlichen Wüste wird, dramatisieren die Lage und sorgen für eine unnötige Panik.

Wenn ein Land eine gesunde wirtschaftliche Basis hat, ist eine Währungsreform ein Schockerlebnis, aber kein Untergang. Wir sollten langsam zur Sachlichkeit zurückkehren. Es lohnt sich, dem Euro eine letzte Chance zu geben, aber wenn das nicht funktioniert, muss die Währungsunion aufgelöst werden.

Mehr zum Thema: Der Euro zeigt sich renitent

31. Mai 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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