Wahlkrimi im Wüstenstaat

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Entscheiden die 6 Wahlmänner aus Nevada über den künftigen Präsidenten? Auch 2 Tage nach der Wahl steht es Spitz auf Knopf. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Selten war eine US-Wahl so umstritten, so eng, so spannend und so zäh. Knapp zwei Tage nach dem eigentlichen Wahltag steht noch immer nicht fest, wer das Rennen gemacht hat.

270 Wahlmänner-Stimmen sind notwendig, um die Präsidentschaftswahl für sich zu entscheiden. Jeder US-Bundesstaat entsendet eine bestimmte Anzahl von Wahlmännern, in den meisten gilt das Prinzip: „The Winner takes it all“, also wer in einem Staat die Mehrheit der Wählerstimmen auf sich vereinen kann, bekommt alle Wahlleute aus diesem Staat zugesprochen.

Entscheidet sich die Präsidentschaft in Las Vegas?

Bis Donnerstagmittag deutscher Zeit steht es weiterhin Spitz auf Knopf, entscheidend könnte am Ende der Wüstenstaat Nevada sein, für den das Ergebnis gegen 18 Uhr erwartet wird. Hier liegt bislang Joe Biden in Führung, wenn auch nur knapp mit nicht einmal 8.000 Stimmen Vorsprung. Allerdings stehen die Chancen gut, dass Nevada demokratisch bleibt: Die noch fehlenden Auszählungen beziehen sich insbesondere auf den Raum Las Vegas, der üblicherweise mehrheitlich demokratisch wählt.

Ein weiterer Aspekt, der Biden in die Hände spielt: Bei den Stimmen, die nun im Nachgang noch ausgezählt werden, handelt es sich vor allem um solche, die per Briefwahl eingegangen sind – und die wird stärker von Wählern der Demokraten als der Republikaner genutzt.

Dieser Umstand ist der wesentliche Grund dafür, dass Donald Trump im Vorfeld der Wahl öffentlich Stimmung gemacht hat gegen die Briefwahl, sie ohne jeden Beleg für manipulationsanfällig erklärte und die Stimmabgabe erschwerte, indem er unter anderem die Post veranlasste, Briefkästen zu demontieren, vorrangig in solchen Bezirken, die demokratisch geprägt sind.

Dennoch ist es der amtierende US-Präsident, der dem politischen Gegner versuchte Wahlmanipulation vorwirft – und die Auszählung der Briefwahlstimmen gerichtlich stoppen lassen wollte. Zu Ende gezählt wird nun bekanntlich trotzdem, und von Stunde zu Stunde schmilzt Trumps Vorsprung in sich zusammen.

Keine eindeutige Entscheidung

In den verbleibenden Bundesstaaten trennen nur wenige Prozente, teils auch nur Nachkommastellen, die Kontrahenten voneinander. Egal wer gewinnt, es wird eine knappe Sache, und zumindest Trump hat bereits deutlich gemacht, dass er eine Niederlage nicht akzeptieren, sondern mit allen Mitteln dagegen vorgehen wird.

Es ist also jenes Worst Case Szenario eingetreten, das Beobachter befürchtet hatten: Es wird alles andere als eine klare Entscheidung, Gesellschaft und Wählerschaft sind gespalten wie selten zuvor.

Dass die Märkte zunächst dennoch gelassen reagierten und am Mittwoch nach dem Wahlabend sogar teils kräftig zulegen konnten, liegt wohl vor allem daran, dass neben dem Präsidenten auch Teile des Kongresses neu gewählt wurden. Hier zeichnet sich ein demokratisch dominiertes Repräsentantenhaus ab, während die Republikaner im Senat die Mehrheit behalten dürften.

Unabhängig davon, ob Trump also im Weißen Haus bleibt oder von Biden abgelöst wird: Der künftige Präsident wird nicht ohne Weiteres durchregieren können. Die von den Märkten gefürchteten Steuererhöhungen sind damit erst einmal nicht in Sicht.

Anleger sollten sich dennoch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn die kommenden Wochen dürften von Chaos geprägt sein. Diese Wahl ist noch nicht entschieden, und vielleicht wird sie sich auch noch nicht entscheiden, wenn alle Stimmen einmal ausgezählt sind.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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