Walgreens Boots Alliance: Finanzinvestor will Pharmahändler schlucken

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Walgreens Boot Alliance: Finanzinvestor KKR will den Pharmahändler schlucken und peilt den größten Private-Equity-Deal aller Zeiten an. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Bislang handelt es sich noch um unbestätigte Gerüchte, doch die haben es in sich. Demnach will die US-Beteiligungsgesellschaft KKR offenbar den Apothekenriese Walgreens Boots Alliance schlucken und von der Börse nehmen. Sollte der von Konzernchef Stefano Pessina angestrebte Deal zustande kommen, wäre es der größte Buyout aller Zeiten.

Bislang führt der im Jahr 2007 durchgeführte Buyout des US-Versorgungsunternehmens TXU mit einem Volumen von 45 Milliarden Dollar die Rangliste an. Interessant: Auch damals war KKR involviert. Gemeinsam mit dem Konkurrenten TPG und Goldman Sachs übernahm der Beteiligungsmanager damals den texanischen Energiekonzern.

Walgreens Boots Alliance im Portrait

Dieses Mal dreht sich alles um den US-Konzern Walgreens Boots Alliance. Die Firma ist ein weltweit agierender Einzelhandelskonzern in der Drogeriebranche. Das Unternehmen ist mit über 9.000 Filialen unter den Marktführern in den Vereinigten Staaten. Die Apotheken des Unternehmens verkaufen verschreibungspflichtige sowie rezeptfreie Arzneimittel, Kosmetika, Hygieneprodukte, Haushaltswaren, Getränke und Lebensmittel.

Die Arzneimittel können sowohl im Laden als auch per Telefon, Internet oder Post erworben werden. Neben den Einzelhandelsfilialen gehören auch eigene Anlagen, Impfstellen, Spezialapotheken und Versandzentren zum Filialspektrum.

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Mögliches Deal-Volumen von über 70 Milliarden Dollar

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg sowie der Financial Times hat sich KKR bereits mit konkreten Übernahmeplänen an den Apothekenhändler gewandt und die Investmentbank Evercore in den Prozess mit eingebunden. Allein die Größe der Transaktion wäre beeindruckend: Walgreens hat einen Marktwert von etwa 56 Milliarden Dollar und 16,8 Milliarden Dollar Schulden. Damit ergibt sich ein Firmenwert von mehr als 70 Milliarden Dollar.

Im vergangenen Jahr gingen bei dem US-Konzern Umsätze in Höhe von 136,86 Milliarden Dollar durch die Bücher. Allerdings war der Gewinn rückläufig. Nach 5,02 Milliarden Dollar Nettogewinn blieben in 2018 „nur“ 3,98 Milliarden Dollar übrig. Damit lag die Gewinnspanne bei 2,91% und markierte das tiefste Niveau seit 2014.

Walgreens-Chef und KKR sind alte Bekannte

Offenbar soll die Triebfeder des Deals der Walgreens-Boss Stefano Pessina sein, der selbst 16% aller Anteile des Apotheken-Konzerns hält. Fremd sind sich die Parteien ohnehin nicht. In 2007 hatte sich Pessina bereits mit KKR zusammengetan, um Alliance Boots zu schlucken. Dieser Deal war damals auf dem Höhepunkt des Buy-out-Booms zustande gekommen. Im August 2012 stieg Walgreens dann bei Al­liance Boots ein.

Enorme Schuldenlast für Walgreens

Ob der Deal wirklich zustande kommt, steht allerdings noch in den Sternen. Immerhin wäre die Finanzierung eine richtige Mammutaufgabe. Wenn Walgreens bei dem Deal mehr als 50 Milliarden Dollar an Schulden aufgedrückt bekommt, wäre das eine Hausnummer. Vor allem weil Käufer für fremdfinanzierte Mega-Buyout-Transaktionen derzeit nicht gerade leicht zu finden sind. Kritiker halten ein solches Vorgehen auf dem Höhepunkt eines jahrelangen Kreditbooms für ausgesprochen riskant.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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