Walgreens senkt Angebots-Preis für Rite Aid um über 20%

Das Übernahme-Geschäft ist immer für Überraschungen gut.

Meistens sind sie positiv und die Anleger freuen sich über ein Übernahme-Angebot, dass eine gewinnbringende Prämie auf den Aktienkurs erhält.

Es gibt aber auch ab und zu negative Überraschungen.

Vielleicht erinnern Sie sich an die Aixtron-Übernahme:

Der Deal war quasi schon gelaufen, doch dann wurde plötzlich eine bereits erteilte Genehmigung zurückgenommen und am Ende platzte sie.

In den USA kam es zu Wochenbeginn ebenfalls zu einer der seltenen Negativ-Überraschungen:

Walgreens Boots Alliance, eine Drogerie-Kette hat den Übernahme-Preis für den kleineren Rivalen Rite Aid deutlich abgesenkt.

Rite Aid: Vom Pleite-Kandidaten zum begehrten Übernahme-Kandidaten

Rückblick: Im Oktober 2015 verständigten sich Walgreens und Rite Aid auf eine 9,4 Mrd. Dollar schwere Übernahme.

Die mit 13.100 Filialen größte US-Drogerie- und Apotheken-Kette erhoffte sich große Kosten-Vorteile durch den Deal, der auch einen Konkurrenten mit 4.600 Geschäftsstellen eliminiert hätte.

Walgreens legte für Rite Aid 9 Dollar je Aktie auf den Tisch. Der Angebots-Preis enthielt eine Prämie von über 40% auf den Aktienkurs des Übernahme-Kandidaten.

Rite Aid – einst Pleitekandidat mit einem Aktienkurs nahe der 0 – handelte einen sehr vorteilhaften Deal aus, hieß es seinerzeit.

Wettbewerbs-Behörden befürchten zu starke Marktstellung der neuen Drogerie-Kette

Bereits bei Angebots-Abgabe war jedoch nicht jeder Anleger von einem reibungslosen Deal überzeugt.

Die ohnehin hohe Konzentration in dem Markt würde durch die Übernahme noch größer und ein Deal könnte am Widerstand der Wettbewerbs-Behörden scheitern wurde befürchtet.

Analysten zeigten sich zwar mehrheitlich überzeugt, dass die Übernahme-Genehmigung am Ende unter Auflagen einzuholen ist, doch es blieb eine Rest-Ungewissheit.

Die beiden Unternehmen beruhigten die Anleger und stellten einen Plan vor, wie die Genehmigung eingeholt werden könnte. Nach Ablauf von 1 Jahr sollte die Übernahme dann in trockenen Tüchern sein.

Nach Verkauf von 865 Geschäftsstellen: Markt erwartete Deal-Abschluss

Im weiteren Verlauf der Übernahme schwankte die Aktie je nach Information über den Stand des Deals deutlich.

Stieg die Zuversicht über den Deal-Abschluss stieg auch die Aktie, wich die Zuversicht, ging es in die andere Richtung.

Erst als Rite Aid und Walgreens nach Gesprächen mit den Behörden einen Plan zur Ausräumung der Wettbewerbs-Bedenken vorstellte, der den Verkauf von 865 Geschäftsstellen an den Konkurrenten Fred’s beinhaltete, wurden die Schwankungen geringer und die Aktie kletterte Richtung Angebotspreis.

Aktie verliert nach Zweifel über Deal-Abschluss 16%

Eigentlich dachten Investoren, Analysten und vermutlich auch Rite Aid und Walgreens, dass der Verkauf eine Deal-Genehmigung nach sich zieht, doch dies entpuppte sich als Irrtum.

Denn die Behörden waren nach intensiver Prüfung der veränderten Marktbedingung immer noch der Ansicht, dass das Duo eine marktbeherrschende Stellung innehaben würde.

Walgreens und Rite Aid waren dadurch nicht mehr in der Lage, die bis vergangenen Freitag verlängerte Frist zum Abschluss der Transaktion einzuhalten.

Da der Walgreens-Chef eine weitere Verlängerung ausschloss, drohte der Deal zu Platzen.

Die Aktie, die in Annahme eines zeitnahen Deal-Abschlusses nicht einmal mehr 5% unter dem Angebotspreis notierte, geriet entsprechend stark unter Druck.

Neuer Übernahme-Preis über 20% tiefer

Gestern dann die Hiobsbotschaft und ein Kursrückgang um weitere 16%.

Die Übernahme platzte zwar nicht endgültig, doch nur weil Walgreens in der Lage war, den Angebotspreis zu drücken. Der Deal zu den bisherigen Konditionen ist tot.

Neu wurde vereinbart, dass in Abhängigkeit der zusätzlich zu veräußernden Geschäftsstellen der Angebotspreis auf 6,50 Dollar – 7 Dollar je Aktie sinkt – mind. 2,1 Mrd. Dollar weniger als ursprünglich ausgehandelt.

Das Walgreens jetzt weniger zahlt liegt daran, dass durch den zusätzlichen Verkauf von Filialen die Attraktivität des Zusammenschlusses sinkt.

Rite Aid wollte die Transaktion Aufrecht erhalten, da nach zuletzt schwachen Geschäftszahlen ein Kursabsturz auf unter 5 Dollar je Aktie befürchtet wurde.

Ob die Übernahme jetzt wie vereinbart stattfinden kann, ist fraglich. Die Rite Aid-Aktie notiert aktuell bei 5,70 Dollar und damit rund 14% unter dem Mindest-Übernahmepreis von 6,50 Dollar.

Dies zeigt, dass weiterhin Skepsis herrscht, dass es diesmal klappt. Wir bleiben, wie gewohnt, für Sie am Ball.

1. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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