Wall Street: Ab Mittwoch wird es richtig spannend!

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Nachdem wir uns zuletzt dem TecDAX und dem MDAX gewidmet haben, schauen wir heute auf die Kleinen an der Wall Street. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Wenn Sie sich die Wall Street-Entwicklung der letzten 14 Tage anschauen, dann sind Sie vermutlich hin und her gerissen:

Erst geht es langsam und in der ersten Hälfte der letzten Woche derart heftig in den Keller, dass einem angst und bange wird. Dann folgt bis zum Wochenende eine kräftige Erholung, die einen Großteil der Abwärtsbewegung wieder kompensiert.

Und in dieser Woche? Auf, ab und wieder rauf. Ja was denn nun? Ein klarer Trend sieht doch wohl anders aus?

Nun die Lösung für diese Unentschlossenheit dürfte in dem unmittelbar vor uns liegenden Ereignis zu finden sein. Und nein: Es ist NICHT der Brexit!

Es geht wieder los!

Am Mittwoch ist es wieder soweit: Dann liefert der weltgrößte Aluminiumkonzern, Alcoa Inc., seine Geschäftszahlen für das im September beendete 3. Jahresviertel ab.

Dieses Ereignis ist der inoffizielle Auftakt zur US-Quartalsberichtssaison: Inoffiziell deshalb, weil tatsächlich auch vorher schon einige besonders schnelle Buchhaltungen die Zahlen ihrer Unternehmen zusammengestellt und veröffentlicht haben.

Dabei geht es weniger um die Zahlen von Alcoa, die natürlich auch eine gewisse Trendrichtung zum Auftakt erkennen lassen. Vielmehr ist es der Auftakt zu einer Börsenphase, an der die Wall Street in aller Regel von einer erhöhten Volatilität begleitet ist.

Diese Schwankungsbreite ist immer dann besonders ausgeprägt, wenn die tatsächlichen Ergebnisse der Aktiengesellschaften von den zuvor erstellten Prognosen der Analysten unerwartet stark abweichen: Im positiven Fall sehen wir dann eher steigende Notierungen und umgekehrt.

Doch die Quartalsberichtssaison soll hier und heute nicht unser Thema sein: Über die Einschätzungen und Erwartungen informiere ich Sie Anfang der kommenden Woche.

Wir blicken heute vielmehr auf einen Nebenschauplatz der Wall Street: Ähnlich dem TecDAX und dem MDAX, die wir zuletzt näher beäugt  hatten, ist der S&P 600 SmallCap ein US-Index, der nicht die Kursentwicklung von Standardaktien widerspiegelt.

Um im S&P 600 SmallCap aufgenommen zu werden, muss die Marktkapitalisierung des US-Unternehmens zwischen 450 Mio. USD und 2,1 Mrd. USD liegen. Die Kursberechnung des Index erfolgt gewichtet anhand eben der Marktkapitalisierung.

Wie gewohnt: Das große Ganze

Schauen wir also zunächst einmal auf einen Monats-Chart mit dem Relative-Stärke-Index:

S&P 600 SmallCap: Die Korrektur dürfte sich schon bald fortsetzen

Ein Unterschied zum TecDAX und MDAX springt sofort ins Auge: Im S&P 600 SmallCap liegt keine Divergenz (Abweichung) vor. Tatsächlich ist das Chartbild hier eindeutiger:

Der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2009 ist bereits im Dezember 2018 nach unten verlassen worden. Nach dem typischen Pull-Back (Rücksetzer) an die durchbrochene Trendlinie kam es allerdings nicht zu dem Kursrückgang, den wir erwarten konnten (blaue Ellipse).

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Die stattdessen erfolgte Seitwärts-Bewegung (bisher) erinnert an die Entwicklung im MDAX.

Weit klarer ist hier der 14-Monats-Relative-Stärke-Index: Hier wurde der Aufwärtstrend vom Jahresbeginn 2016 im September 2018 – also schon vor dem Index – klar durchschlagen.

Im bisherigen Jahresverlauf hat sich nun ein symmetrisches Dreieck ausgebildet (gelber Kreis): Diese Formation gilt als Trend bestätigendes Kursmuster. Der RSI sollte also bald weiter abrutschen.

Dann rücken als mögliche Auffangziele für den S&P 600 SmallCap die 3 von mir eingezeichneten Unterstützungen bei 750, 600 und 450 Punkten (Horizontalen) in den Fokus.

Und wie ist es um den Schwung bestellt?

Natürlich blicken wir zum Abschluss auch hier auf einen Tages-Chart mit dem 50-Tage-Momentum:

S&P 600 SmallCap: Die Zeichen stehen eher auf Sturm

In keinem der US-Indizes spiegelt sich die Unentschlossenheit klarer wider als im S&P 600 SmallCap: Hier verläuft die Entwicklung schon seit Jahresbeginn in einer breit angelegten Seitwärts-Bewegung.

Dabei sollte Ihr Augenmerk der Unterstützung bei 890 gelten: Ein Durchrutschen wäre als klares Verkaufssignal zu werten.

Anders als beim MDAX und TecDAX sehen wir im Momentum auch keinen längeren Abwärtstrend: Dieser kann allerdings durchaus in den nächsten Tagen noch ausgebildet werden:

Wird das Tief von Anfang Juni (gestrichelte blaue Linie; gelber Kreis) unterboten, dann würde die von mir schon einmal provisorisch eingezeichnete, gestrichelte rote Trendlinie aktiviert.

Fazit

Die sich in den letzten Tagen an der Wall Street im Auf und Ab der Indizes abzeichnende Unentschlossenheit könnte ab Mitte der kommenden Woche enden: Dann beginnt die Quartalsberichtssaison in den USA.

Der S&P 600 SmallCap spiegelt diese Unentschlossenheit ebenfalls sehr gut wider: Allerdings signalisiert Ihnen die heutige Analyse eher, dass Sie zunächst noch vorsichtig agieren sollten.

Tatsächlich sprechen die Chartbilder sowohl vom TecDAX und MDAX, als nun auch vom S&P 600 SmallCap nämlich eher für eine Fortsetzung der Korrektur.

Daher dürfte die Spannung an der Wall Street ab kommenden Mittwoch deutlich steigen! Und vermutlich endet dann auch die Unentschlossenheit.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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