Wall Street: Auf der Schwelle zum Licht?

Das kennen Sie gewiss auch: Tagelang oder auch wochenlang geht irgendwie alles daneben, nichts will richtig gelingen. Und dann, endlich: Erstmals verbuchen Sie wieder ein kleines Erfolgserlebnis.

In einer solchen Situation bemühen wir gerne den Satz vom „Licht am Ende des Tunnels“.

Genau dieses Gefühl überkommt mich, wenn ich mir die Charts wichtiger US-Indizes anschaue: An der Wall Street herrscht seit Ende Februar Tristesse.

Am 25. Februar wurde beispielsweise im S&P 500 mit 2.119,95 ein neues Jahreshoch generiert. Seither gab es 5 (!) Versuche, diese Marke nachhaltig zu überwinden:

  • Die beiden ersten Versuche scheiterten am 23. März (2.114,86) und am 15. April (2.111,91) schon kurz davor.
  • Der dritte Versuch misslang am 27. April: Zwar konnten wir ein marginal höheres Top registrieren, doch bei 2.125,92 war Schluss und der S&P 500 fiel erneut zurück.
  • Der aktuelle Monat brachte uns die Versuche 4 und 5: Am 4. Mai endete ein Rallyeversuch bei 2.120,95 und am 11. Mai bei 2.117,69.

Schwenkt da tatsächlich jemand eine Laterne?

Gestern nun schaffte der S&P 500 im 6. Anlauf ein neues Jahres- und Allzeithoch bei 2.131,78 Punkten. Und diesmal gelang es ihm sogar, mit 2.129,20 Zählern auch deutlich oberhalb des Februar-Tops zu schließen.

Ist der gestrige Handelstag mithin unser „Licht am Ende des Tunnels“? Stehen wir sozusagen auf der „Schwelle zum Licht“?

Schauen wir uns die aktuelle Charttechnik einmal genauer an. Zusätzlich habe ich in den gleich folgenden Chart noch die Indikatoren 50-Tage-Momentum und On-Balance-Volumen eingeblendet.

Wie Sie wissen, gibt Ihnen das Momentum Aufschluss über Schwung und Dynamik einer Kursbewegung. Mit dem On-Balance-Volumen (OBV) können Sie hingegen das Verhalten der Großinvestoren beurteilen: Denn dieser Indikator zeigt Ihnen, ob Geld in einen Markt hinein oder aus ihm heraus fließt.

s&p 500 mit momentum und on-balance-volumen-19-05-2015

Ende der Tristesse? S&P 500 auf der Schwelle zum Licht

Die beiden gelben Kreise machen schnell deutlich: Nicht nur der S&P 500 steht kurstechnisch (blauer Kreis) an dem Punkt, der über Licht und Dunkelheit entscheidet.

Das 50-Tage-Momentum tendiert bereits seit Ende Dezember 2014 abwärts. Mit dem gestrigen Handelstag erreichte der Indikator die seither gültige Abwärtstrend-Linie.

Ein praktisch identisches Bild liefert uns das On-Balance-Volumen: Auch hier finden wir einen Abwärtstrend seit Dezember des vergangenen Jahres vor. Aktuell notiert der Indikator exakt an dieser Trend-Linie.

Fazit

Auf einen wichtigen Aspekt sind wir bislang noch gar nicht eingegangen:

Der S&P 500 hat mit dem eingangs geschilderten Verlauf das Muster eines ansteigenden Dreiecks auf dem Chart hinterlassen (pinkfarbene Linien). Diese Kurs-Formation besitzt in der Charttechnik positiven Prognose-Charakter.

Der gestrige Handelstag nährt die Hoffnung, dass wir nun auch an der Wall Street endlich einmal aus dem Tunnel herausfinden, in welchem wir seit Ende Februar umherirren.

Somit steht der S&P 500 aktuell tatsächlich auf der Schwelle zum Licht: Nun muss der Index nur noch einen Schritt hinaus machen.

Das darf gerne auch ein großer werden!

19. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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