Wall Street: Das gefällt mir gar nicht!

Wall Street – shutterstock_490246324 Kamira

Mehr durch Zufall bin ich über ein ausgesprochen unschönes Muster gestolpert. Das sollten Sie sich unbedingt anschauen! (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Die Aktienmärkte zeigten sich gestern gut erholt von dem Kurseinbruch an der Wall Street am vergangenen Freitag.

US-Präsident Donald Trump hatte – wieder mal – den Handelsstreit mit China durch neues Ge-Twitter eskaliert. Die unmittelbare Folge: Ein Abschlag von -3% in den wichtigen US-Indizes.

Es war übrigens der höchste Tagesrückgang im Dow Jones seit dem 21. Dezember 2018. Dazu zeige ich Ihnen heute eine hoch interessante Grafik, über die ich mehr durch Zufall gestolpert bin.

Was ich da allerdings gesehen habe, hat mir gar nicht gefallen!

Handelsstreit: Es hat sich rein gar nichts verbessert!

Verweilen wir zuvor noch ein wenig beim Thema Handelsstreit. Klären wir doch einmal genauer, was denn nun eigentlich geschehen ist.

Am Freitag hatte China Zollanhebungen auf Importe aus den USA angekündigt. Das erzürnte Trump dermaßen, dass er via Twitter lospolterte und seinerseits mit Anhebungen bereits bestehender und erst jüngst für den 1. September 2019 verhängter Strafzölle drohte.

Ergebnis: Der US-Aktienmarkt verlor am Freitag rund -3%.

Am Wochenende ruderten dann beide Seiten zurück: Vermutlich wegen des gleichzeitig stattfindenden G7-Gipfels. Plötzlich signalisierten Trump und China Gesprächsbereitschaft und verbreiteten Optimismus, dass eine baldige Einigung erreicht werden könne.

Ergebnis: Der US-Aktienmarkt gewinnt am Montag rund +1%.

Erkennen Sie das Muster? Eskalation des Handelsstreits – Finanzmärkte unter Druck – Zurückrudern beider Seiten – Finanzmärkte erholen sich. Bis zur nächsten Eskalation!

Mal ehrlich: Das hatten wir doch schon diverse Male? Geändert hat sich am Ende indes rein gar nichts! Machen Sie sich das bitte klar:

Die Wall Street-Erholung von gestern basierte schlicht und ergreifend auf dem Prinzip Hoffnung. Es gibt NULL Veränderung in der Faktenlage. Keine Seite nahm Ihre angedrohten Strafzoll-Anhebungen zurück!

DAS sollten Sie im Hinterkopf behalten!

Schauen wir mal auf die Volatilität

Doch kommen wir nun zu dem, was ich Ihnen eigentlich zeigen möchte.

Als ich mich fragte, wann wir zuletzt einen Tagesverlust von -3% an der Wall Street hinnehmen mussten, entsann ich mich eines von mir in meiner Chart-Software entwickelten Indikators.

Blende ich diesen Indikator in einem Tages-Chart ein, dann zeigt er Ihnen die Volatilität – also die Schwankungsbreite – eines jeden Handelstages in Prozent an.

Wichtig dabei ist: Sie sehen damit die Ausschläge in Prozent – dabei ist gleichgültig, ob diese zu einem Anstieg oder einem Abschlag im Dow Jones führten.

So begann der Herbst-Crash 2018

Als ich mir diesen Tages-Chart näher anschaute, fiel mir etwas auf, das ich Ihnen unbedingt zeigen möchte. Schauen wir dazu mal auf die folgende Grafik:

Dow Jones: Mit ersten größeren Rückschlägen begann der -20%-Crash 2018

Wie gesagt: Den letzten Tagesrückgang in dieser Größenordnung verzeichneten wir am 21. Dezember 2018 mit einem Minus von -3,8%.

Wesentlich bedeutsamer ist indes, was ich Ihnen mit der gelben Ellipse markiert habe: Es zeigt Ihnen den Beginn des Herbst-Crashs 2018!

Von Mai bis in den September des vergangenen Jahres hinein blieb die Volatilität nahezu durchgängig unter der 1,5%-Marke. Nur 3x gab es leicht höhere Ausschläge, die jedoch nicht über 1,9% hinausgingen.

Bis Mitte Dezember 2018 blieb die Volatilität dann auf einem signifikant erhöhten Niveau – der Dow Jones pendelte in dieser Phase unentschlossen auf und ab (gelbes Rechteck).

Dann brach der US-Leitindex ab Mitte Dezember nach unten weg.

Wiederholt sich 2018?

Und nun schauen Sie, was in den letzten Wochen geschehen ist: Von Mitte Januar 2019 bis Ende Juli eine gemäßigte Schwankungsbreite, die nur 2x hauchdünn über die 2%-Marke sprang.

Und dann plötzlich, seit Anfang August, eine sichtbare Zunahme der Volatilität (blaue Ellipse). Und passend dazu pendelt der Dow Jones auf und ab (blaues Rechteck).

Fazit

Lassen Sie sich bitte nicht von der gestrigen Erholung an der Wall Street blenden: Im Handelsstreit zwischen den USA und China ist die Faktenlage nach der erneuten Eskalation vom vergangenen Freitag gleich geblieben!

Beide Seiten haben lediglich Lippenbekenntnisse abgegeben. Das haben wir in den letzten anderthalb Jahren schon mehrfach erlebt. Geändert hat sich am Ende nichts.

Die seit 4 Wochen im Niveau kräftig angestiegene Volatilität lässt sich indes nicht weg reden: Sie ist real, wie mein Chart Ihnen zeigt.

Ein Anziehen der Volatilität ist immer ein Ausdruck zunehmender Unsicherheit unter den Marktteilnehmern: Wenn Sie als Investor zuversichtlich und optimistisch in die Zukunft blicken, dann haben Sie schließlich ja auch keinen Anlass, Ihre Aktien-Positionen zu reduzieren, nicht wahr?

Wenn Sie jedoch unsicher werden, dann sind Verkäufe durchaus eine Option. Und fast immer ist es so, dass die Unsicherheit an den Finanzmärkten allmählich eskaliert – immer mehr Investoren wandeln sich von Optimisten in Pessimisten.

Genau das zeigt Ihnen meine Grafik. Bleiben Sie also bitte auf der Hut!

Die Korrektur an den Aktienmärkten ist noch nicht vorbei! Es muss NICHT – wie im letzten Quartal 2018 – in einem Crash enden. Aber garantieren kann ich Ihnen das auch nicht.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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