Wall Street: Das wird Ihre Markt-Perspektive grundlegend ändern

Was ich Ihnen heute zeige, wird Ihnen die Augen bezüglich der Marktentwicklung der kommenden Jahre öffnen. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Seit August 2017 rauscht die Wall Street praktisch ungebremst nach oben. Nicht wenige Börsen-Experten sehen daher die Entwicklung der vergangenen Monate als das „finale Kapitel“ in der schon seit 2009 andauernden Hausse (langanhaltender starker Kursanstieg).

Auch ich habe Mitte Oktober 2017 meinen, bis dahin, großen Optimismus etwas zurückgenommen. Allerdings hatte ich – im Gegensatz zu den meisten Marktmeinungen – keinen Crash, sondern lediglich eine deutlichere Korrektur erwartet.

Am 10. Dezember 2017 habe ich in meinem Börsendienst „Die Wachstumsaktien-Strategie“ die Marktkorrektur für beendet erklärt. Die Wall Street-Entwicklung seither hat in mir ein Déjà-vu ausgelöst.

Und tatsächlich: Mein Gedächtnis hat mich nicht getäuscht! Was Sie gleich sehen und lesen, wird Ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine völlig neue Markt-Perspektive vermitteln!

Relative Stärke Index so hoch wie erst 1x in 43 Jahren

Einer der Gründe, warum nicht wenige Markttechniker annehmen, der US-Aktienmarkt werde in diesen Wochen „in Euphorie sterben“, ist der Relative Stärke Index (RSI). Mit aktuell 87% notiert der Monats-RSI des S&P 500 nämlich so hoch, wie erst einmal in den zurückliegenden 43 Jahren!

Die traditionelle Lesart besagt: RSI-Werte unter 30% zeigen einen überverkauften Markt an. Notiert der Indikator oberhalb von 70%, so wird ein überkaufter Markt unterstellt. Doch diese Analysemethode kann zu erheblichen Fehleinschätzungen führen.

Ich habe Ihnen schon in diversen Chartanalyse-Trends-Beiträgen den Relative Stärke Index näher gebracht. Dabei haben Sie auch kennengelernt, dass ich diesen Trend-Intensitäts-Indikator nicht mit Blick auf seine erreichten Werte nutze, sondern auf eine eher unkonventionelle Weise.

Wie Sie den RSI auch nutzen können (sollten)

Zum einen ziehe ich im Indikator selbst auch Trend-Linien, da der RSI, wie auch der betrachtete Markt, Trends ausbildet. Trend-Brüche generieren dann Signale zum Ein- oder Ausstieg.

Am besten funktionieren diese Signale in einem Monats-Chart: Das gibt Ihnen zudem langfristige Markt-Perspektiven.

Darüber hinaus sind Divergenzen (Abweichungen) von Bedeutung: So sollten beispielsweise neue Markthochs auch durch neue Hochs im RSI bestätigt werden.

Ist dies der Fall, sprechen wir von einer Divergenz, die einen bevorstehenden Trend-Richtungswechsel anzeigt. Allerdings können solche Trend-Wechsel durchaus lange auf sich warten lassen:

So bildete der S&P 500 beispielsweise von Juni 1996 bis Juli 1998 eine Divergenz auf, bevor der Index dann innerhalb von 4 Monaten um -22% einbrach.

Und damit sind wir bei meinem eingangs erwähnten Déjà-vu. In der nachfolgenden Grafik vergleichen wir die Entwicklung des S&P 500 in der Zeit von 1987 bis 2001 mit der von 2008 bis heute:

spx-vergleich_16-01-2018

S&P 500-Hausse: Frappierende Ähnlichkeit mit den 1990er-Jahren

S&P 500-Hausse: Frappierende Ähnlichkeit mit den 1990er-Jahren

Nach dem Crash von 1987 nahm der US-Leitindex bis 1996 einen Verlauf, der dem von 2009 bis heute frappierend ähnelt.

Damals wie in den vergangenen 9 Jahren gab es 3 gewaltige Aufwärtsschübe die erst von einem scharfen Rücksetzer und dann von einer mehrmonatigen Seitwärts-Bewegung unterbrochen wurden. Faszinierend nicht?

Doch es kommt noch besser: Nach der Seitwärts-Bewegung haussierte der S&P 500 noch bis ins Frühjahr 2001 und legte dabei weitere +251% zu!

Im Juni 1996 toppte der Relative Stärke Index bei 87,26%. 2 Monate später korrigierte der S&P 500 innerhalb von 31 Tagen um -11% und setzte danach seinen Aufwärtstrend ungehemmt fort.

Fazit

Wie oben bereits beschrieben, hielt die Divergenz (rote Linien) 25 Monate an, bevor es zu dem -22%-Einbruch kam. Im Chart sehen Sie, dass die Divergenz ab Januar 1999 fortgesetzt wurde – und diesmal dauerte es 26 Monate, bevor der S&P 500 im März 2001 seine langjährige Aufwärtsbewegung beendete.

Der aktuell hohe RSI zeigt Ihnen lediglich einen überkauften Marktzustand an. Das bedeutet indes NICHT zwangsläufig, dass eine Korrektur unmittelbar oder gar ein Crash bevorstehen.

Klar: Mit einem größeren Index-Rücksetzer sollten Sie nach dem steilen Anstieg seit August jederzeit rechnen – doch bis es soweit ist, kann der S&P 500 noch eine Weile weiter klettern.

Sollte sich die Kurshistorie der Jahre 1987 bis 2001 tatsächlich wiederholen, dann ist indes auch das nur eine kurzzeitige Unterbrechung und die Wall Street-Hausse noch lange nicht am Ende!

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.