Wall Street: Die Jahresend-Rallye wird wohl ausfallen

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Meine heutige Analyse macht Ihnen deutlich, dass die Aktienmärkte derzeit massiv überkauft sind. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Im gestrigen Beitrag informierte ich Sie über einen wichtigen Wert aus dem aktuellen „Global Fund Manager Survey“. Das ist eine Umfrage, welche die Bank of America Merrill Lynch zu Beginn eines jeden Monats an rund 200 Investmentfonds– und Hedgefonds-Manager richtet.

Daraufhin geben die Herrschaften Auskunft darüber, wie sie im vorangegangenen Monat an den globalen Aktienmärkten agiert haben. Da diese Großinvestoren Vermögen in Höhe von zuletzt 574 Mrd. USD verwalten, ist die Befragung schon einen Blick wert.

Die jüngsten Umfrageergebnisse vom November machten deutlich: Die Vermögensverwalter haben im Oktober ihre bis dahin gezeigte Skepsis bezüglich der Aktienmarkt-Entwicklung komplett über den Haufen geworfen.

Nachdem wir gestern auf die Marktreaktion nach einem ähnlichen Ereignis geschaut haben, betrachte ich heute für Sie die aktuelle Lage an der Wall Street.

Was die Fondsmanager im Oktober gemacht haben

Zur Erinnerung hier noch einmal in Kurzform, was sich da im Oktober abgespielt hat:

Bis zu diesem Zeitpunkt fürchteten die Großinvestoren vor allem das Abgleiten in eine weltweite Rezession. Auch die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China auf die Konjunktur schürten die Sorgen.

Daher agierten die Vermögensverwalter völlig menschlich und logisch: Sie reduzierten den Investitionsgrad in den Fonds-Portfolios und stockten so gleichzeitig die Barmittelquote auf.

Im Oktober setzte nun ein heftiger Sinneswandel ein: Die Fondsmanager warfen ihre Ängste komplett über den Haufen und kauften massiv Aktien. Die Cash-Reserven der berichtenden Investment- und Hedgefonds sank um -0,8 Prozentpunkte – der stärkste Rückgang seit November 2016 – von zuvor 5,0% auf 4,2%.

Was Ihnen die Barmittelquote sagt

Was Sie noch wissen sollten: Vermögensverwalter halten stets eine gewisse Cash-Reserve vor, um bei größeren Rückgaben von Fondsanteilen nicht gleich zum Verkauf von Aktien gezwungen zu sein.

Was geschieht, wenn die Barmittelquote derart niedrig ist wie im Oktober 2019, habe ich Ihnen gestern gezeigt: Der S&P 500 markierte aufgrund der kräftigen Käufe ein Rekordhoch.

Doch da dann keine nennenswerten Anschlusskäufe mehr erfolgen konnten, verlor der US-Leitindex innerhalb von 4 ½ Wochen -7,5% an Wert.

Barmittelquote im November vermutlich unter 4%

Schauen wir also einmal auf die aktuelle Lage an der Wall Street.

S&P 500: Großinvestoren kauften im November weiter ein

In diesem Chart sehen Sie die Entwicklung des S&P 500 inklusive des On-Balance-Volumens (OBV). Dieser Indikator deckt für Sie auf, wie die Großinvestoren agieren.

Der im „Global Fund Manager Survey“ nachzulesende Sinneswandel der Vermögensverwalter im Oktober ist am OBV-Anstieg gut abzulesen. Sie sehen aber noch mehr:

Auch in den ersten 2 ½ Wochen des laufenden Monats haben die Fondsmanager kräftig zugeschlagen: Der Ausbruch des Index auf neue historische Bestmarken zwang die Vermögensverwalter, aus Performance-Gründen, weiter kräftig Aktien zu kaufen.

Das heißt: Die Barmittelquote dürfte aktuell bereits klar unter der 4%-Marke liegen.

Der S&P 500 ist massiv überkauft

Ich möchte Ihnen gleich noch einen weiteren Chart zeigen: Diesmal habe ich Ihnen den Schwung-Indikator eingeblendet. Das 50-Tage-Momentum eignet sich hervorragend dazu, Asynchronität zum Markt aufzudecken. Wie das?

Bekanntlich definiert sich ein Aufwärtstrend durch immer höhere Hochs. Das Momentum sollte diese Tops durch ebenfalls höhere Spitzen bestätigen.

Ist dies nicht mehr der Fall, sprechen wir von einer Divergenz (Abweichung). Eine solche Entwicklung kündigt Ihnen einen Trendwechsel im betrachteten Markt an.

Hier gibt es allerdings ein kleines Problem: Eine Divergenz kann durchaus mehrfach hintereinander auftreten! Der Zeitpunkt der anschließenden Gegenbewegung lässt sich somit nicht exakt vorhersagen.

Apropos Gegenbewegung: Das Gesagte gilt natürlich auch in umgekehrter Richtung, also in Abwärtstrends.

S&P 500: Vierfache Divergenz kündigt Trendwechsel an

Sie sehen: Der S&P 500 hat gestern ein neues Rekordhoch markiert. Damit wurde gleichzeitig das vierte Top in Folge seit Anfang November nicht mehr vom Momentum bestätigt.

Zum Vergleich:

  • Bis Anfang Mai 2019 bildete der S&P 500 sogar eine fünffache Divergenz aus. Anschließend korrigierte der Index um -7,7%.
  • Im August brach der S&P 500 in lediglich 6 Tagen um -6,8% ein. Voraus ging diesmal „nur“ eine einfache Divergenz.

Fazit

Die Wall Street ist (das gilt genauso für den DAX) „reif“ für eine Korrektur.

Das bestätigt Ihnen der „Global Fund Manager Survey“:  Die Umfrage der Bank of America deckte auf, dass im Oktober 2019 die Barmittelquote der Investment- und Hedgefonds weltweit auf 4,2% gesunken ist.

Meine Analyse des On-Balance-Volumens macht sichtbar, dass die Großinvestoren in der ersten Novemberhälfte weiter kräftig Aktien gekauft haben. Die Cash-Reserven der Fonds dürften somit inzwischen unter 4% liegen und damit noch unter dem Sechsjahrestief.

Die mittlerweile vierfache Divergenz (Abweichung) des Momentums zum Verlauf des S&P 500 kündigt Ihnen zudem einen Trendwechsel an. Wichtig ist mir:

Ich erwarte nicht zwingend einen Crash! Aber Sie sollten sich, statt auf eine Jahresend-Rallye, auf eine Korrektur der Aktienmärkte bis Ende Dezember einrichten.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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