Wall Street: Eine ernst zu nehmende Warnung

Morgen ist es schon wieder soweit: Dann endet nicht nur der Monat März, sondern zugleich das erste Viertel des Jahres 2015.

Nur wenige Tage darauf, exakt am 8. April, eröffnet traditionsgemäß der Aluminiumkonzern Alcoa mit der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen den Reigen der Quartalsberichtssaison in den USA. Und die wirft derzeit im wahrsten Wortsinn ihre „Schatten voraus“.

Die durchschnittliche Gewinnerwartung – tatsächlich müsste es wohl eher Verlusterwartung heißen – für das Morgen auslaufende Vierteljahr ist von den Analysten zuletzt noch einmal signifikant reduziert worden. Lag diese im 3. Quartal 2014 noch bei -3,2% und im letzten Jahresviertel 2014 bei -5,9%, so ist sie aktuell auf -8,4% geschrumpft.

Belastungsfaktor 1: Schwacher Ölpreis

Für diese Abwärtsrevision gibt es selbstverständlich Gründe. Ein wichtiger Belastungsfaktor ist der Ölpreis, der bekanntlich seit dem Sommer des vergangenen Jahres bis Mitte März nahezu -61% an Wert verloren hatte. Aktuell notiert der Ölpreis gerade einmal +15% über diesem Tiefstand.

Diese Entwicklung drückt selbstredend dramatisch auf die Gewinnmargen im Energiesektor. Doch es ist nicht der Ölpreis allein, der für die deutlich gesenkten Ergebniserwartungen verantwortlich zeichnet:

Belastungsfaktor 2: Starker US-Dollar

Der US-Dollar hat seit dem Jahreswechsel gegenüber den 6 wichtigsten Währungen der Welt (Euro, japanischer Yen, britisches Pfund, kanadischer Dollar, schwedische Krone sowie Schweizer Franken) in der Spitze knapp +11% an Wert gewonnen. Eine starke Währung bedeutet, wie Sie wissen, verminderte Wettbewerbsfähigkeit im Exportsektor.

Erschwerend kommt hinzu, dass diese Dollarstärke keine Erscheinung der letzten 3 Monate ist: Der Anstieg des US-Dollars begann nahezu zeitgleich mit der Ölpreisschwäche im Sommer 2014. Seither hat sich die US-Währung gegenüber den 6 wichtigsten Devisen unseres Globus in der Spitze sogar um mehr als ein Viertel aufgewertet (+26,0%).

Kursschwäche quer durch alle Branchen

Dies erklärt vielleicht die Schwäche der Wall Street in der abgelaufenen Handelswoche: Die bekannten Marktindizes verloren zwischen -1,7% und 4,9%. Auffällig ist dabei, dass sich der Kursrücksetzer in nahezu allen US-Branchen niederschlug:

Von den insgesamt 123 Sektoren konnten lediglich 8 eine positive Wochenbilanz aufweisen (zwischen +0,05% und +5,0%). Ebenso sticht die Schwäche des Transportsektors ins Auge:

Gleich 4 der sechs Branchen, die im Wochenvergleich am meisten Federn lassen mussten (-7,4% bis -4,3%), sind diesem Bereich zuzuordnen: Eisenbahnen, Industrietransporte, Fluggesellschaften und Lastwagen.

Großinvestoren ziehen sich sichtbar zurück

Insbesondere die Entwicklung der vergangenen Handelswoche gibt Anlass zu Sorgenfalten. Schauen wir dazu einmal gemeinsam auf die aktuelle Charttechnik des US-Aktienmarktes:

s&p 500 mit on-balance-volumen-30-03-2015

S&P 500 mit On-Balance-Volumen: Die Großinvestoren ziehen sich zurück

Sie sehen den S&P 500 sowie im unteren Chartteil das On-Balance-Volumen (OBV). Dieser Indikator zeigt das Verhalten der Großinvestoren, indem er misst, ob Geld in einen Markt hinein oder aus ihm heraus fließt.

Gut zu erkennen: Der Index konnte zwar vom Jahreswechsel bis Ende Februar zulegen, doch wurde dieser Anstieg nicht von den Großanlegern begleitet. Danach stand der Rückgang im OBV zwar im Einklang mit dem Index-Rücksetzer.

Allerdings ist die Dynamik des Rückgangs im OBV in der abgelaufenen Handelswoche auffällig heftig: Der Indikator hat ein neues Tief markiert, während der Index noch oberhalb des Märztiefs notiert.

Fazit

Quartalsberichtssaison, Ölpreisschwäche, US-Dollar-Stärke, Abwärtsrevision bei den Gewinnerwartungen für das 1. Quartal 2015, Rückzug der Großanleger: Die jüngste Abwärtsdynamik an der Wall Street sollten Sie zunächst einmal als frühen Warnhinweis interpretieren.

Schließlich sind die Großinvestoren die Trendsetter am Aktienmarkt!

30. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt