Wall Street: Gesundheitsaktien vor dem Aus

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Eine politische Offensive im Gesundheitssektor sorgt für Angst und Schrecken unter den Aktionären. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

In den vergangenen 10 Jahren gehörten die US-amerikanischen Gesundheitsaktien zu den High-Flyern schlechthin an der Wall Street: Der Branchenindex Dow Jones US-Healthcare Sector kletterte vom Tief im März 2009 um +372% bis Oktober des letzten Jahres.

Diese Ära dürfte nun zu Ende gehen: Die charttechnisch negativen Signale mehren sich dramatisch.

Gestern verlor der Sektor -2,0%. Hintergrund war eine Warnung des Vorstandschefs von UnitedHealth Group, dem größten Anbieter von Krankenversicherungen in den USA.

Wir schauen auf die Hintergründe. Und natürlich zeige ich Ihnen, warum die Charttechnik derzeit massiv zum Ausstieg aus US-Gesundheitsaktien rät.

Krankenversicherung für alle

„Medicare for all“, also Krankenversicherung für alle Menschen in den USA löst derzeit heftige Diskussionen unter den Bürgern, Ärzten und natürlich den Trägern der Krankenversicherungen aus.

Was in Deutschland und vielen Teilen Europas schon seit Jahrzehnten Standard ist, kennen die meisten US-Bürger bestenfalls aus Erzählungen: Eine allgemeine Krankenversicherung (-spflicht) für jeden Bürger.

In den USA leben rund 327 Mio. Einwohner (Stand: 2018). Laut Statistik waren im Jahr 2017 (Quelle: Wikipedia) etwa 237 Mio. Menschen krankenversichert – entweder über den Arbeitgeber (181 Mio.) oder privat (56 Mio.). (Überschneidungen möglich.)

Über die staatlichen Programme waren 134 Mio. Menschen krankenversichert: Dazu zählen Medicare (56 Mio.), Medicaid (62 Mio.) sowie die militärische Versorgung (16 Mio.).

29 Mio. US-Bürger verfügen über keinerlei Absicherung im Krankheitsfall!

Die letztgenannte Zahl wurde insbesondere durch die „Obamacare“ im Jahr 2014 eingeführte Versicherungspflicht des vorhergehenden demokratischen US-Präsidenten Barrack Obama noch einmal deutlich reduziert.

Seit die Demokraten im November 2018 die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernommen haben, streben sie die eingangs genannte „Medicare for All“ an.

Abwärts trotz guter Quartalszahlen

Gestern legte UnitedHealth seine Zahlen zum 1. Quartal vor. Trotz überraschend guter Entwicklung bei Umsatz und Gewinn sowie verbessertem Ausblick für das Gesamtjahr geriet die Aktie -4% unter die Räder.

In der 2. Hälfte der vergangenen Handelswoche war die Notierung bereits um -10,3% eingebrochen. Gute Zahlen und bessere Perspektive, aber Mini-Crash in der Aktie – wie passt das zusammen?

UnitedHealth-CEO David Wichmann äußerte sich ausgesprochen negativ zum Thema „Medicare für All“: Er warnte vor einem „Ausverkauf des amerikanischen Gesundheitssystems.“

Das Vorhaben der Demokraten führe nach Ansicht des Vorstandschefs zu einer „Destabilisierung“ und „untergrabe das Verhältnis zwischen Arzt und Patient“.

Kleiner Seitenhieb von mir: Man achte auf die von Wichmann genannte Reihenfolge …

Mir steht es nicht an, über Sinn oder Unsinn des „Medicare for All“-Programms zu diskutieren: Dafür bin ich zu weit entfernt.

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Allerdings genieße ich diese soziale Errungenschaft in Deutschland und weiten Teilen Europas.

Ein besseres Urteilsvermögen habe ich da hinsichtlich der Charttechnik. Schauen wir also zunächst einmal auf die Kurshistorie von UnitedHealth:

UnitedHealth in USD: Hier sollten Sie seit Januar nicht mehr investiert sein!

Selbst ein Charttechnik-Laie erkennt hier ohne große Interpretationsschwierigkeiten die negative Lage für die UnitedHealth-Aktie: der 14-Monats-Relative-Stärke-Index (RSI) hat im März und noch drastischer im Dezember 2018 klare Verkaufssignale generiert.

Der Ausstieg aus dem Titel hätte also spätestens zum Auftakt im Januar dieses Jahres zum Kurs von 245,00 USD erfolgen sollen: Rund -10% Kursverlust wäre Ihnen dank Charttechnik mithin bis dato erspart geblieben.

Das Fatale ist indes: Mit dem jüngsten Kursabschlag hat die UnitedHealth-Aktie ihren seit Oktober 2008 bestehenden Aufwärtstrend nach unten durchbrochen (gelber Kreis).

In Verbindung mit dem RSI sollten Sie sich also auf weitere, massive Verluste einstellen.

Die gesamte Branche steht vor dem Aus

Noch übler ist indes: Die miese Perspektive gilt für die gesamte US-Gesundheitsbranche! Schauen wir dazu einmal gemeinsam auf den Monats-Chart des Dow Jones US Healthcare Sector:

Dow Jones US Healthcare Sector vor dem Niedergang

Sie sehen selbst, welche hervorragenden Ergebnisse die vom RSI generierten Signale in der Vergangenheit erzielt haben.

Seit Dezember 2018 schrillen die Alarmglocken also nicht nur für UnitedHealth Group, sondern für den gesamten Sektor der US-Gesundheitsunternehmen!

Fazit

Die Pläne der Demokraten im US-Repräsentantenhaus mit dem „Medicare for All“-Programm werfen düstere Schatten auf die US-Gesundheitsbranche: Der Sektor war in den zurückliegenden Jahren mit einem Anstieg von +372% einer der großen Gewinner der Wall Street.

Nun bildete die Charttechnik massive Verkaufssignale für den Branchen-Index aus, die sich auch in den Aktien, wie hier am Beispiel UnitedHealth gezeigt, widerspiegeln.

US-Gesundheitsaktien stehen damit vor dem Ende einer 10 Jahre andauernden Hausse. Als Investor sollten sie diesen Sektor in den kommenden Monaten – vielleicht sogar Jahren – meiden!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.