Wall Street: Hier regiert nicht Trump, es reagieren die Großinvestoren

Die Medien sind wieder einmal um eine untaugliche Erklärung des gestrigen Kursrückgangs an der Wall Street bemüht. Hier erfahren Sie mehr: (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

„Trump-Krise belastet Börsen“.

So lauten, zusammengefasst, die Erklärungen dafür, dass der Dow Jones gestern Abend fast 373 Punkte bzw. -1,8% verlor. Ich sage Ihnen etwas: Vergessen Sie das!

Oder glauben Sie allen Ernstes, dass die Großinvestoren, Herrscher über Milliarden-Vermögen und Trendsetter an den Börsen, ihre Investments danach ausrichten, wie ein Donald Trump seine Amtsgeschäfte als Präsident der USA ausübt?

Hören Sie bitte nicht auf das „Gesabbel“ der Medien

Lassen Sie sich bitte nicht weismachen, dass die in den Medien gerade so hoch gepushte „FBI-Affäre um Trump“ auch nur eine Investment-Entscheidung eines Großinvestors beeinflusst.

Hier geht es um ganz andere Dinge!

Aber da die Medien ausschließlich daran interessiert sind, Ihre Aufmerksamkeit zu erheischen – schließlich müssen die ja Geld mit Werbung verdienen –, müssen die Botschaften an die Adressaten schnell und leicht verständlich sein.

Und sie müssen marktschreierisch sein, um möglichst viele Zuhörer, Zuschauer oder Leser „abzuholen“.

Der wahre Grund für den Kursrücksetzer ist der Verfallstag

Was gestern an der Wall Street geschehen ist und heute auch im DAX nachvollzogen wird, ist nichts anderes als der Kampf der Großinvestoren um die beste Ausgangslage für den am Freitag anstehenden „kleinen Verfallstag“.

Am kleinen Verfallstag laufen an den Terminbörsen Optionen auf Aktien und Indizes aus.

Je nachdem, wie sich die Großinvestoren in den zurückliegenden Monaten über diese Instrumente im Markt positioniert haben – auf fallende oder steigende Notierungen gesetzt haben –, sind die Beteiligten natürlich an den für sie günstigsten Kursniveaus interessiert.

Das (Kapital der Großanleger) und nichts anderes bewegt die Aktienmärkte dieser Tage. Schauen wir doch einmal auf die Ausgangslage:

Wie die Großinvestoren „ticken“

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Dow Jones: Hier regiert nicht Trump, es reagieren die Großinvestoren!

Die blaue Box im Chart macht sichtbar, dass der Dow Jones zwischen dem 22. März und dem 21. April (vertikale grüne Balken) in einer Bandbreite zwischen 20.380 und 20.750 Punkten pendelte.

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Für den gewieften Charttechniker bedeutet das:

Bricht der Dow Jones irgendwann aus dieser Handelsspanne aus, dann ist damit zu rechnen, dass es eine kräftige Bewegung in Richtung des Ausbruchs geben wird.

Genauso ist es dann ja auch ab dem 22. April geschehen – und zwar nach oben.

Entsprechend wird die Handelsspanne von den Großinvestoren als Ausgangslage ihrer weiteren Handels-Strategie genutzt.

Und „schwupps“ ist der Dow Jones da, wo er hin soll

Und nun schauen sie einmal, wohin der Dow Jones gestern gerutscht ist: exakt in die Mitte dieser Seitwärts-Bewegung!

Kleine charttechnische Randnotiz:

Die Index-Bewegung gestern muss zunächst einmal als Pull-Back (Rücksetzer) an den zuvor nach oben durchstoßenen Abwärtstrend (rote Linie) interpretiert werden.

Der Rücksetzer „passt“ also auch charttechnisch.

Für den morgigen kleinen Verfallstag wird es den „Kapital-Jongleuren“ nun darum gehen das erreichte Dow-Niveau in etwa zu halten, da hier offensichtlich die meisten Großinvestoren am günstigsten aus den eingegangenen Optionen herauskommen.

Klarer sehen wir erst später

Erst danach werden wir erfahren, in welche Richtung – aufwärts oder abwärts – sich die Trend-bestimmenden Großinvestoren orientieren werden.

Noch gibt es für uns Investoren also überhaupt keinen Grund zur Sorge.

Machen Sie sich meinetwegen Sorgen um die Amtsführung des US-Präsidenten. Aber verbinden Sie diese bitte ab jetzt nicht mehr mit dem Börsen-Geschehen!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.